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Moers
Festival-Programm mit Fragezeichen

Moers: Festival-Programm mit Fragezeichen
Carmen Weist, Aufsichtsratsvorsitzende der Moers Kultur, und der Künstlerische Leiter Rainer Michalke verkünden das Programm. FOTO: Arnulf Stoffel
Moers. Festivalchef Reiner Michalke hat gestern das Programm für die 45. Pfingstveranstaltung vorgestellt - allerdings unter Vorbehalt. Der Hauptausschuss wird Mittwoch über den notwendigen Garantievertrag fürs Festival entscheiden. Von Anja Katzke

Carmen Weist hat den Konjunktiv aus ihren Sprachschatz gestrichen. Die Signale, die die Vorsitzende des Aufsichtsrats der Moers Kultur GmbH aus Politkreisen und Rathaus erhalten hat, sind offenbar so gut, dass sie gestern die Prognose wagte: "Das Moers Festival 2016 wird aus wirtschaftlichen Gründen stattfinden." Die Pressestelle der Stadt Moers bestätigte gestern, dass Kämmerer Wolfgang Thoenes Gespräche inzwischen mit der Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde der Stadt über einen Garantievertrag für das Moers Festival (bislang als Patronatserklärung bezeichnet) geführt hat. Am Mittwoch wird sich der Hauptausschuss mit dem Thema befassen. Er soll einen Dringlichkeitsbeschluss für den Garantievertrag über 420.000 Euro fassen, der zur Rettung des diesjährigen Moers Festivals nötig ist. Die Stadt Moers müsse erst Kompensationsleistung erbringen, wenn sie tatsächlich finanziell für das Moers Festival einstehen muss. Das Geld sei dann aus dem freiwilligen Bereich im Etat zu entnehmen, vornehmlich aus dem Bereich Kultur und Wissenschaft, erläuterte Sprecher Klaus Janczyk auf Anfrage.

Reiner Michalke, künstlerischer Leiter des Moers Festivals, konzentrierte sich gestern lieber darauf, sein Programm vorzustellen. Und das tat er im netten Plauderton mit Stadtmusikerin Carolin Pook. Sie wird (wenn alles gut geht) das Festival am Freitag, 13. Mai, eröffnen. Die Musikerin, die seit zehn Jahren in New York lebt, möchte ihre Instrumente, die Geige und das Schlagzeug, in den Fokus stellen. Für ihren Auftritt hat sie acht Geigerinnen eingeladen, die gleichzeitig Violine spielen und mit ihren Füßen Schlagelemente bewegen sollen.

Moers Festival 2015: Die Bands in Aktion FOTO: Dieker

Reiner Michalke, der das Programm 2016 als sein "Wohlfühl-Programm" präsentierte, hat Musiker aus Island, Portugal, den USA, Kuba bis Finnland eingeladen. Eine der renommierten ist der Isländer Jóhann Jóhannsson, der für seine Filmmusiken bereits mehrfach für einen Oscar nominiert wurde und in Moers seinen Super-8-Film "End of Sommer" präsentieren soll. Um die "No BS! Brass Band" aus den USA in die Grafenstadt holen zu können, kooperiert Michalke mit befreundeten Festivals in Nimwegen und Lüttich. "Wir teilen uns die Flugkosten", sagte der Festivalchef.

Das Subway Jazz Orchestra soll den Festivalsamstag eröffnen. Es handelt sich laut Michalke um eine ganz junge Truppe um die 20 aus Nordrhein-Westfalen, die das Musikprojekt "State of mind" vorstellen will. Zu den Projekten, die Reiner Michalke schon lange auf dem Zettel hat, gehört auch "Black Sun", das vom Trio Harriet Tubman mit Cassandra Wilson entwickelt wurde und am Festivalsamstag in der Festivalhalle aufgeführt werden soll.

Starke Klänge beim Moers-Festival 2016 FOTO: Klaus Dieker

Stadtmusikerin Carolin Pook freut sich besonders auf Carla Kihlstedt, die mit Jeremy Flower und dem Eos Chamber Orchestra mit dem Projekt "The Real Me" nach Moers eingeladen ist. Kihlstedt sei eine wunderbare Sängerin und Violinistin, sagte sie. Die Komposition, die in der Festivalhalle am Solimare präsentiert werden soll, ist ein Song-Zyklus über das Älterwerden.

Lokalkolorit bringt Tim Isfort ins Programm. Der Duisburger hat ein Quartett aus Altsaxofonen zusammengestellt. Es treten alte Bekannte an: Hayden Chisholm, Jan Klare, Angelika Niescier und Silke Eberhard. Titel des Vorhabens: "Zapptett". Eine spannende Musik-Entdeckung dürfte auch die US-Amerikanerin Liz Kosack werden, die es vor einigen Jahren nach Berlin zog, um dort Musik zu machen. Die Keyboarderin ist Maskenbauerin und tritt bei Konzerten mit Masken auf. Sie spielt mit Liz Allbee und Korhan Erel aus der Türkei.

Zu den "faszinierendsten und meist diskutierten Formationen, die die aktuelle Musik zurzeit zu bieten" habe, gehört laut Reiner Michalke das Klaviertrio "Dawn Of Midi". Hinter diesem Namen stehen Aakaash Israni, Amino Belyamani und Qasim Naqvi, ein Inder, ein Marokkaner und ein Pakistani, die improvisierte Musik im wahrsten Sinne des Wortes machen. "Mit ihrer rein akustischen Besetzung simulieren sie die Ästhetik elektronischer Musik, minimal und futuristisch", betonte Michalke.

Carolin Pook empfiehlt das Trio Moon Hooch, zwei Saxofonisten und ein Schlagzeuger. Sie hat die Musiker in Brooklyn erlebt und ist begeistert. "Die Jungs lassen eine enorme Energie vom Stapel. Die Zuhörer haben in der Subway Station getanzt und Party gemacht", erzählt die aktuelle Improviser in Residence.

Während des Festivals möchte Michalke die Musik auch in die Stadt tragen: Die Morning Sessions, kuratiert von Jan Klare, sind ebenso eingeplant wie die Night Sessions in der Röhre und Solokonzerte in der Moerser Stadtkirche. Das komplette Programm steht unter www.moers-festival.de.

Quelle: RP
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