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Moers
Filmemacher redet über Nazidorf

Moers: Filmemacher redet über Nazidorf
Michel Abdollahi (links) berichtet Moderator Mark Bochnig-Mathieu von den Dreharbeiten in Jamel. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Beim achten Moerser Jugendkongress ging es um Rechtsextremismus und die Förderung von Demokratie. Von Elena Erbrich

Auf der Leinwand in der Aula des Berufskollegs für Technik läuft der Film "Die Arier" von Regisseurin Mo Asumang. Sie trägt in der Dokumentation ein gelbes T-Shirt mit einem Peace-Zeichen darauf. Um sie herum stehen Neonazis, die demonstrieren. Für ihren Film war Asumang nicht nur auf Nazidemonstrationen, sondern unter anderem auch beim Ku-Klux-Klan in den USA und bei der Volksgruppe der Arier im Iran. Nach der Vorstellung ihres Films durften die Zuschauer Fragen stellen und diese Gelegenheit nutzten die 250 Jugendlichen auch ausgiebig beim achten Moerser Jugendkongress.

Der diesjährige Kongress hatte das Motto "Schwarzweiß", Thema war Rechtsextremismus. Neben Mo Asumang zeigte auch der Journalist Michel Abdollahi, der schon im letzten Jahr beim Jugendkongress dabei war, einen seiner Filme und beantwortete die Fragen der Jugendlichen. "Im Nazidorf" heißt die Fernsehreportage, für die er Anfang des Jahres den Deutschen Fernsehpreis erhalten hat. Einen Monat lebte und filmte Abdollahi in Jamel, einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, in dem viele Rechtsextremisten leben. "Die Nazis dort haben einen sehr starken Heimatbegriff. Dem wollte ich nachgehen", erklärte Abdollahi. "Überrascht hat mich dort nichts. Sie sind mit mir umgegangen, wie ich erwartet habe. Die einzige Sache war, dass die Stimmung, die über dem Ort hing, beklemmend war. Mo Asumang, die auch einmal da war, hat das fertiggemacht." Nach der Vorstellung ihres Films erzählte Mo Asumang von ihren Erlebnissen während des Drehs. "In Gera bei der Nazidemo waren die Leute zu Beginn sehr aggressiv, am Ende wollten viele ein Selfie mit mir machen", sagte die 53-Jährige. "Da habe ich mich gefragt: Was ist jetzt anders? Ich bin doch noch dieselbe wie vor fünf Stunden. Vielleicht hatten sie mich dann beobachtet und gesehen, dass ich nichts mache. Die Leute haben oft noch nie mit jemanden gesprochen, den sie hassen." Ein Schüler fragte Mo Asumang, ob sie glaubt, dass sich die populistischen Parteien durchsetzen werden. "Die Gefahr ist da", antwortete sie. "Das kann aber nur passieren, wenn wir uns keine Gedanken darüber machen. Viele tun sich aber schon zusammen und steuern dagegen." Sie gab den Schülern den Tipp, immer genau hinzusehen. "Nicht alle von der AfD sind Nazis, aber sie wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Einige haben Angst vor Veränderungen. Das nutzen Populisten aus. Sie halten die Menschen in der Angst", sagte Asumang.

Michel Abdollahi war begeistert vom Kongress. "Ich habe das Gefühl, dass sich die Stadt viel Mühe gibt, die Kinder wegzubringen von den ganzen Strömungen. Sie versucht es nicht nur, sie macht es", sagte er.

Quelle: RP
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