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Moers
Filmstars posierten für den Fotografen

Moers. Der Moerser Wolfgang Simon hat von 1958 bis 1962 bei Filmpremieren in Duisburger Kinos viele bekannte Schauspieler fotografiert. 30 Schwarz-Weiß-Fotografien sind zurzeit im Seniorenbüro der Diakonie in Repelen zu sehen. Von Anja Katzke

Wolfgang Simon hat sie alle vor die Linse bekommen: Johannes Heesters, Mario Adorf, Peter Kraus, Bibi Johns und Fred Bertelmann. Die Schwarz-Weiß-Fotos der Filmgrößen entstanden zwischen 1958 und 1962 bei Filmpremieren in Duisburger Lichtspielhäusern. "Ich war sozusagen der Hausfotograf in den fünf Kinos", erzählt Simon. Der Moerser erinnert sich gerne an die Zeit zurück, in der ihm diese besonderen Fotos gelungen sind.

30 Fotografien stellt der heute 78-jährige gelernte Kaufmann im Seniorenbüro der Diakonie, Markt 5, in Repelen aus. Es ist wie eine Zeitreise in die deutsche Filmgeschichte. Die Ausstellung erzählt zugleich von Begegnungen mit prominenten Musikern und Schauspielern, die so heute fast nur noch in Berlin zu erleben sind. "Ja, damals fanden Filmpremieren auch in Duisburg statt", erzählt Simon und holt eine Schwarz-Weiß-Aufnahme hervor, die er seinerzeit bei der Ankunft eines Schauspielers im Duisburger Hauptbahnhof gemacht hatte.

"Der Tunnel im Bahnhof war brechendvoll. Die Leute sind alle gekommen, um einen Blick auf den Star zu werfen", erzählt der leidenschaftliche Hobbyfotograf. "Es war kein Durchkommen mehr." Simon fotografierte 1957 bei der Welt-Uraufführung des Films "Nachts wenn der Teufel kam" im Europapalast in Duisburg. "Der Schauspieler Werner Peters erhielt damals das Filmband in Gold für die beste Nebenrolle." Und er war dabei, als der Schauspieler und Schlagersänger Fred Bertelmann auf dem Ausflugsschiff "Westmark" eine Pressekonferenz gab. "Schauen Sie mal", sagt Simon und tippt auf das Bild: "Haben Sie den Mann mit der Kamera erkannt? Das bin ich." Ein Freund habe die Aufnahme gemacht.

Wolfgang Simon hat viele Anekdoten zu den Bildern zu erzählen, so zum Beispiel, dass zur Premiere des Films "Der lachende Vagabund" in Duisburg alle Kinder schulfrei bekamen. Der Fotograf machte sich schnell einen guten Namen. Dafür zeigte er jedoch auch Einsatz: "Ich habe die Schauspieler fotografiert, bin schnell nach Hause gerast, um die Bilder in meiner Dunkelkammer zu entwickeln, und zur nächsten Vorstellung war ich wieder im Kino, um sie dort zu verkaufen." Viele seiner Bilder hat er sich von den Filmgrößen signieren lassen. Simon erinnert sich gerne an Bibi Johns oder Mario Adorf. "Sie waren alle sehr zugänglich und gar nicht arrogant. Wenn es hieß: ,Der Fotograf ist da', sind alle gleich gekommen und haben mitgemacht."

Manchmal blieb es nicht nur beim Fototermin: "Es gab auch mal ein Frühstück im Duisburger Hof, wo die Schauspieler wohnten. Es war schön, die Leute kennenzulernen oder mit ihnen in der Garderobe sprechen zu können." Als Gretl Schörg in der Stadt war, ging Simon einfach zum Hotel, ließ über die Rezeption fragen, ob sie Zeit für ein Foto hätte. "Sie kam herunter und posierte für die Kamera."

Fast hätte Wolfgang Simon sein Hobby auch zum Beruf gemacht. "Die erste Kamera bekam ich in der Schulzeit. Und als ich 23 Jahre alt war, hätte ich die Möglichkeit gehabt, im Auftrag der Uni Tübingen als Kameraassistent mit auf eine Expedition nach Afrika zu gehen. Doch das war meinen Eltern nicht geheuer. Sie machten mir einen Strich durch die Rechnung", erzählt der 78-Jährige. "Vielleicht wäre dann mein beruflicher Weg anders gewesen."

Wolfgang Simon fotografierte jedoch nicht nur Schauspieler. "Ich war damals Stammgast im Jazzkeller La Boheme und habe die Musiker fotografiert", erzählt der Jazzfreund, der sogar Louis Armstrong vor der Linse bekam: im Apollo in Düsseldorf. Die Schwarz-Weiß-Bilder von Saxofonisten, Bassisten und Pianisten sind künstlerisch durchdacht. "Für manche habe ich Kamera und Blitzgerät voneinander getrennt. Sie wurden aber parallel ausgelöst. Es ging mir darum, die Schwarz-Weiß-Effekte herauszuholen", erzählt Simon.

Die Kamera hat ihn immer begleitet. Er fotografierte Gärten und Industriegebäude, in Ballettschulen und bei Friseur-Meisterschaften. Zuletzt war er 2012 an dem Fotoprojekt "Von wegen alt" beteiligt.

Quelle: RP
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