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Moers
Flöten, Helden und Diebe im Grafschafter Musenhof

Moers. In der mittelalterlichen Lernstadt neben dem Schloss macht in diesem Sommer "der Ton die Musik". Von Anna Lena Lipka

Als alle Kinder angemeldet sind und ihre Namensbuttons gebastelt haben, schließt Museumspädagoge Alexander Borchard das Tor des Musenhofs (Kastell 9) hinter den letzten Eltern. Während des Ferienprogramms, das unter dem Motto "Der Ton macht die Musik" steht und bis zum 25. August montags bis freitags stattfindet, ist der Musenhof eine erwachsenenfreie Zone. Aber das ist weder für Eltern und Großeltern noch für die Kinder ein Problem: Ihr Enkel habe sich von Anfang an hier wohlgefühlt, erzählt Marion Saul. "Das ist auch fürs Sozialverhalten wichtig."

Kaum ist seine Oma weg, sucht der Neunjährige auch schon nach einem Diebeskostüm. "Ein Dieb darf sich nicht als Dieb verkleiden, der muss unauffällig sein", erklärt die ehrenamtliche Mitarbeiterin Jana Lena Jünger das Fehlen eines solchen Kostüms. Sie bietet ihm stattdessen ein schwarz-rotes Gewand an.

Dann ruft Alexander Borchard mit einer Glocke die Kinder zusammen. Nach einer Begrüßung werden den Neuen in einer Fragerunde von den anderen die Regeln erklärt, danach spielen die als Bauer, Bürger oder Burgfräulein verkleideten Kinder in den Häusern und in den Gassen dazwischen weiter. Der Museumspädagoge baut währenddessen am Rand des Platzes mit einem Kind nach dem anderen Weidenflöten. Das scharfe Messer behält er, aber die Kinder schneiden mit der Gartenschere die Äste zurecht und klopfen mit dem Gummihammer darauf herum, um die Rinde vom Holz zu lösen. Unauffällig gekleidet oder nicht, zwischenzeitlich verbreitet sich die Nachricht: "Es gibt einen Dieb in der Stadt!" Ein paar Minuten lang kommt der Schurke in Schwarz-Rot mit seinen Raubzügen noch davon, doch dann wird er gefangen und ins Gefängnis gesperrt. Als das den ehrbaren Bürgern nicht mehr reicht, bringen sie den Übeltäter an den Pranger. Dann wollen fast alle Kinder mal in der Mitte des Platzes sitzen und das Metall um ihren Hals spüren, und diese allgemeine Aufregung nutzt der Dieb zur Flucht. An eine Verfolgung denkt niemand mehr, als sich Alexander Borchard an den Pranger setzt. Die Kinder drehen ihm eine lange Nase und lassen ihn dann wieder laufen.

Die meisten Kinder seien "Wiederkehrer", sagt Borchard, Kinder, die häufiger teilnehmen. Allerdings darf kein Kind sowohl vormittags (von 10 bis 13 Uhr) als auch nachmittags (von 15 bis 18 Uhr) am selben Tag kommen. Das Programm ist aber vormittags und nachmittags dasselbe. In dieser Woche werden weitere Flöten gebastelt, in der nächsten dreht sich alles um Trommeln, und "Zupfen und Singen" ist das Thema der dritten Woche. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenlos.

Ferienprogramm im Grafschafter Musenhof. In der mittelalterlichen Lernstadt geht es noch bis zum 25. August um den Ton, der die Musik macht.

Quelle: RP
 
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