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Moers
"Frauen-Beratung wird schwieriger"

Moers: "Frauen-Beratung wird schwieriger"
Sabine Kellner (v.l.), Guido Lohmann, Bärbel Backhaus und Axana Getzlaff. FOTO: Arnulf Stoffel
Moers. "Bewegen-hilft"-Spenden kommen dem Verein "Frauen helfen Frauen" zugute. Von Jürgen Stock

Kaum hatte Guido Lohmann Anfang dieses Jahres den Erlös seiner Aktion "Bewegen hilft" an die begünstigten Vereine überwiesen, stand für ihn schon fest: "Frauen helfen Frauen" wird auch im nächsten Jahr wieder dabei sein. Die geplante Zusatzspende in voraussichtlich vierstelliger Höhe wird es Geschäftsführerin Sabine Kellner erleichtern, ihren Haushalt auszugleichen. "Luft für zusätzliche Projekte haben wir derzeit nicht", sagt sie.

Der Verein "Frauen helfen Frauen" leistet bereits seit 34 Jahren Beratungs- und Hilfsarbeit. Im vergangenen Jahr betreuten drei haupt- und vier ehrenamtliche Mitarbeiter 382 Frauen und führten 900 persönliche Gespräche. Hinzu kommen zahlreiche Telefonberatungen. Der Einzugsbereich umfasst praktisch den gesamten linksrheinischen Teil des Kreises Wesel. 85 Prozent der Finanzierung übernimmt das Land. Insgesamt 22 .000 Euro steuerten im vergangenen Jahr die Kommunen Moers, Rheinberg, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn bei. Sicher ist allerdings nur ein Teil der Zuschüsse. So habe es, berichtet Kellner, auf Kreisebene und in Neukirchen-Vluyn Diskussionen über die Höhe der Zuwendungen gegeben. Ungefähr 20.000 bis 25.000 Euro muss der Verein jährlich an Eigenmitteln aufbringen.

Gerade die Beratung von Frauen, die Gewalt erfahren hätten, sei in den vergangenen Jahren komplizierter geworden. Oft gebe es eine Mehrfachproblematik. Hinzu komme eine spürbare Verrohung. "Der Satz ,Ich bringe dich um', kommt heute manch einem leichter über die Lippen als früher", sagt Kellner.

Zusätzliche Aufgaben sieht sie durch Menschen auf den Verein zukommen, die aus Kulturen mit patriarchalischen Famiienstrukturen stammen. Dort sei das Gewaltpotenzial besonders hoch. "Wir hatten bereits die ersten Flüchtlingsfrauen in unserer Beratungsstelle", sagt Kellner. Die meisten hatte die Polizei geschickt. Dort ist der Moerser Verein als Fachstelle für sexualisierte Gewalt als zuverlässiger Partner bekannt.

Die Mitglieder haben sich auch schon eine Aktion überlegt, mit der sie selbst bei "Bewegen hilft" mitmachen können. Ob es klappt, weiß Sabine Kellner noch nicht: "Aber eine ,Happy Hour mit Line Dance', das wäre doch toll."

Quelle: RP
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