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Moers
Frauen mögen es schlicht, Männer bunter

Moers: Frauen mögen es schlicht, Männer bunter
Museumschefin Diana Finkele mit Grafschafter Trachten. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Nicht nur in Bayern gibt es Trachten, sondern auch in der Grafschaft. Wir haben uns auf die Suche nach der Traditionsmode gemacht. Von Jutta Langhoff

Dirndl, Janker und Co. sind ja eigentlich in Bayern daheim, doch wenn in München das Oktoberfest ansteht, sind sie überall. Dann werden in ganz Deutschland üppige und weniger üppige Oberweiten in fesche Mieder geschnürt, und selbst nicht ganz so ansehnliche Männerwaden in derben Lederhosen präsentiert. Dabei gibt es auch in anderen Landesteilen schöne Trachten.

Zum Beispiel am Niederrhein. Wer in Moers schon einmal das Schlossmuseum besucht oder in Vluyn die alljährliche Ernennung eines neuen Klompenkönigs erlebt hat, der weiß, dass sich die niederrheinischen Bürger- und Bauersleute früher mindestens ebenso fesch zu kleiden verstanden wie die Bayern. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis oft noch zu Kaiser Wilhelms Zeiten trug die Grafschafterin damals einen langen, schwarzen Wollrock mit einem ebenfalls schwarzen Oberteil, dazu eine schwarze, manchmal auch dunkelgrüne Halbschürze, ein weißes Schultertuch und eine weiße Kopfhaube. Letztere bestand entweder teilweise oder ganz aus kostbarer Spitze, während das Schultertuch meist mit feinen weißen Ornamenten bestickt war und je nach Geldbeutel von einer mehr oder weniger schlichten Silberbrosche gehalten wurde. Dazu trug frau eine oft aus mehreren Strängen bestehende Granatkette.

Zugegeben, so richtig farbenfroh war das Ganze nicht, es sei denn, man bekam hin und wieder ein Stück Unterrock zu sehen. Dieser auch "Seel" genannte Teil der Grafschafter Tracht war nämlich zur Abwechslung mal nicht schwarz oder weiß, sondern feuerrot.

Die Grafschafter Männer liebten es dagegen auch an der Oberfläche bunter. Ihre Arbeits- wie auch Festkleidung bestand aus Hose, Weste, Leinenhemd und Wams sowie einem leuchtend blauen Leinenkittel, der auch "Brabanter Kittel" genannt wurde und eindeutig von den Niederländern abgeguckt war. Arbeits- und Festkittel unterschieden sich lediglich durch die Feinheit des Materials und kunstfertige Stickereien. Dazu trugen die Herren ein fesches, rot, weiß oder schwarz bedrucktes Halstuch und eine Zipfelmütze, beziehungsweise eine Kappe, die im Winter auch schon mal aus Pelz sein durfte. Als Schuhwerk dienten ihnen das ganze Jahr über hölzerne Klompen. Lederschuhe waren den Damen und Reichen vorbehalten, außerdem klapperten die Klompen schöner beim Tanzen. Zum Kirchgang nahm der elegante Bauer gerne einen Stock mit. Der war jedoch nicht Pflicht. Eine sogenannte Geldkatze hatten aber alle. Der meist aufwändig mit Perlen bestickte, schlauchförmige Stoffbeutel klemmte im Hosenbund und enthielt die Münzen für den Kneipenbesuch nach dem sonntäglichen Messebesuch.

Im Gegensatz zum Dirndl, das auch außerhalb von Bayern zu allen möglichen Gelegenheiten getragen wird, ist die Graftschafter Tracht meist nur noch bei hiesigen Traditionsfesten, Mundartlesungen oder Volkstheateraufführungen zu sehen. Allerdings, so weiß die Moerser Schlossmuseumsleiterin Diana Finkele zu berichten, nehme das Interesse an den alten Grafschafter Trachten allmählich wieder zu. Wer daran Spaß hat, und selber keine mehr besitzt, kann sie sich zu entsprechenden Anlässen über die Moerser Stadtinformation ausleihen. Die Damentracht kostet pro Woche fünf Euro Leihgebühr, die Herrentracht ist für 2,50 Euro zu haben. Nachfragen und Anmeldungen für eine vorherige Anprobe sind telefonisch unter Telefon 02841 8822611 oder 02841 88622610 möglich.

Quelle: RP
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