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Moers
Frauen regier'n die Welt

Moers: Frauen regier'n die Welt
Tossia Corman ist seit April für die Öffentlichkeitsarbeit des Bollwerks 107 zuständig und außerdem eine begnadete Sängerin. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Tossia Corman ist in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Der Stil der Singer/Songwriterin, die im Bollwerk 107 als Pressereferentin arbeitet, ist jazzig mit modernen Anklängen. Ein neues Album ist in Planung. Von Anja Katzke

Ihre Vita ist Musik, ihr Talent ein Juwel: Wer Sängerin Tossia Corman auf Youtube sucht und findet, bleibt dran, hört zu und weiß intuitiv, dass sie die Musik lebt. In Moers findet man sie im Bollwerk 107, wo sie seit April für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Weil sie Struktur in einem unruhigen Musikerleben gesucht hat. Musik begleitet Tossia Corman von Kindesbeinen an: Ihr Großvater leitete eine Bigband, ihr Vater Georg ist der bekannte Düsseldorfer Jazzpianist, der mit der Band "Salsa Picante" auf vielen Musikbühnen unterwegs ist. Die Eltern führen eine Musikschule.

Jazz als musikalische Sozialisation und die Spielfreude kommen daher nicht von ungefähr: "Die Klänge waren mir nie fremd. Bei uns wurde zu Weihnachten selbst 'Stille Nacht' zum Beispiel als Salsa gespielt", erinnert sich die heute 30-Jährige, die schon früh Klavier- und Gesangsunterricht erhielt. Das Musikstudium war nur konsequent.

Tossia Corman ging zunächst nach Enschede, um Pop-Musik zu studieren. Das war ihr bald aber zu wenig. Sie wechselte deshalb nach Osnabrück, um sich dort in Jazz-Gesang und Vokalpädagogik ausbilden zu lassen. "Jazz ist einfach weiter gefächert - allein aufgrund der Harmonik und der Einflüsse." Musik ist für die Singer/Songwriterin, die eigene Lieder schreibt, gerne aber auch Songs anderer auf ihre Art covert, mehr als Leidenschaft. "Sie ist praktisch alles. Es ist ein aufregendes Gefühl, auf der Bühne zu stehen und sich mit 300 Leuten in einem Raum zu befinden, die alle dasselbe schön finden. Musik verbindet die Menschen", sagt sie. Nur manchmal sei die Musik auch wie eine Cousine, mit der man zwar verbandelt sei, die man eine Zeit lang aber nicht treffen möchte. "Aber nach ein paar Wochen muss ich wieder singen."

Eine sehr prägende Zeit erlebte die Sängerin in Amsterdam, einer der wichtigsten Jazz-Metropolen in Europa mit ihren vielen Clubs, in denen Live-Musik gespielt wird. Dort verbrachte sie dreieinhalb Jahre. "Es war eine sehr schöne Zeit. Ich habe in einem Haus zusammen mit Musik-Studenten gewohnt. Man wacht morgens mit Musik auf, im Nachbarzimmer wird gesungen, irgendwo wird immer ein Instrument gespielt. Es war eine konzentrierte Zeit. Und Amsterdam ist sehr international", erzählt Corman, die selbst gerne Hip Hop hört. Ihr Geld verdiente sie damals in einer Bäckerei. "Bei uns gab es immer Apfelkuchen", erzählt die junge Künstlerin schmunzelnd. In Amsterdam führte sie nicht nur ein freies Musikerleben, sie traf dort Freunde, die sich als wahre Helfer erwiesen.

"Mein Examenskonzert hatte ich ursprünglich als Duett mit einem Gitarristen geplant. Ich hatte bereits die Jazz-Schmiede als Auftrittsort gemietet, als er zwei Wochen vor der Prüfung absagte." Ihr Freund, ein Trompeter, stellte für sie in Amsterdam eine Examens-Band zusammen. "Wir haben uns dann tagelang in einem Studio eingeschlossen und geprobt." Mit Erfolg: Examen hervorragend bestanden.

Die in der Not zusammengestellte Band harmonierte so gut, dass kurz danach das erste Album auf den Markt kam: "Up the hills". Ihr Stil, sagt sie, setzt sich aus allem zusammen, was sie selbst hört. Allein in die Jazz-Ecke möchte sie nicht gedrängt werden. "Ich vergöttere Beyoncé." Als nächstes plant sie, mit ihrer Band ein neues Album herauszubringen, vielleicht schon im März. "Wir waren 2014 im Studio."

Inzwischen hat sie ein weiteres Ensemble mit zwei Musikern gegründet. Es nennt sich "Codako" und ist eine etwas ruhigere Formation mit Gitarre, Percussion und Loop-Station. "Ich möchte gerne mit dem Trio meine Lieder remixen", erzählt die 30-Jährige, die auch Musik unterrichtet und eine Schüler-Bigband leitet, für die ihr Vater die Stücke arrangiert. Ihre Erfahrungen lässt sie jetzt in die Arbeit als Pressereferentin im Bollwerk 107 einfließen. "Es ist schön, einen festen Standort zu haben - nach den Jahren, in denen ich mit fünf Jungs im Bus von Konzert zu Konzert gefahren bin." Da bleibt auch genügend Zeit, um neue Songs zu texten und komponieren.

"Frauen regier'n die Welt" (2007) ist ein Lied von Jazzsänger Roger Cicero.

Quelle: RP
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