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Moers
Freche Reime zum Drama des Ödipus

Moers: Freche Reime zum Drama des Ödipus
Ironisch-makabres Theater der Schüler begeisterte auf der Bühne des Rheinkamper Kulturzentrums. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Das Musiktheater "Soon" des Gymnasiums Rheinkamp zeigte eine beeindruckende Vorstellung. Von Jutta Langhoff

Wer kennt sie nicht, die tragische Geschichte von Ödipus, der Laios, den König von Theben erschlägt und anschließend dessen Frau Iokaste heiratet, ohne zu wissen, dass die beiden in Wirklichkeit seine leiblichen Eltern sind. Die wohl bekannteste Tragödie des großen griechischen Dichters Sophokles wurde seit ihrer Erschaffung schon so oft in den unterschiedlichsten fantasievollen Inszenierungen gezeigt, dass eine weitere originelle Variation kaum noch möglich erschien. Dem Musiktheater "Soon" des Moerser Gymnasiums Rheinkamp ist sie dennoch gelungen. Mit seiner ersten von insgesamt drei Vorstellungen begeisterte das Schülerensemble jetzt im Rheinkamper Kulturzentrum sein Publikum gut anderthalb Stunden lang mit einer tollen Ödipus-Aufführung, die ein professionelles Theater wahrlich nicht hätte besser machen können.

Zwar war dieses Mal nicht Sophokles der Autor, aber dass der bekannte, 1977 in Hamburg geborene Klavierkabarettist Bodo Wartke das Drehbuch geschrieben hatte, machte das Ganze ebenfalls sehenswert. Wer Wartke schon mal auf der Bühne gesehen hat, weiß, dass er mit seinem verschmitzten Humor selbst die härtesten Dramen in heiter-makabre Geschichten verwandeln kann, und genau das hatte er mit Sophokles' "König Ödipus" gemacht. In kunstvollen, oft frechen Reimen lässt er darin die Tragik des Geschehens zwar nicht gänzlich außer Acht, verkehrt sie aber bisweilen genussvoll ins Lächerliche.

Ein Stilelement, das die Rheinkamper Jungschauspieler in ihrer Inszenierung wunderbar herauskitzelten. So war der etwas unbedarfte König Laios ziemlich verstört, als ihm das Orakel von Delphi mit zwei theatralisch erhobenen Mittelfingern und einer gewissen Überheblichkeit verkündete, dass ihn sein noch ungeborener Sohn demnächst töten und noch dazu seine Frau Iokaste ehelichen würde. Als die dann bei seiner Heimkehr mit einem kurzen Schrei eine Babypuppe aus dem zuvor gerade noch dick vorgewölbten Gewand fallen ließ, befahl er einem Hirten, den Säugling möglichst unauffällig verschwinden zu lassen. Doch der hatte Mitleid mit dem Kind, und so landete der "gefährliche" Thebaner Königskiller schließlich als Adoptivkind beim Königspaar von Korinth.

Doch irgendwann zog es ihn nach Theben zurück, wo er auf dem Weg ganz nebenbei unwissentlich seinen richtigen Vater erschlägt und die Thebaner Bürger anschließend vor einer bösen Löwenhandpuppe namens "Sphinx" rettet und dafür nicht nur zum König gekrönt wird, sondern außerdem auch noch die Hand der verwitweten Thebener Königin erhält.

Eine amüsante Satire, die durch die zwischenzeitlich eingebrachten Rapper-Einlagen des königlichen Ödipus und eines à la "Sister Act" swingenden Chores noch zusätzlich unterstützt wurde, dann aber schließlich doch noch ihr überliefertes tragisches Ende nahm.

Die dritte und letzte Vorstellung ihres satirischen "König Ödipus" zeigt das Soon-Theater des Gymnasiums Rheinkamp am heutigen Donnerstag, 13. Juli, um 19.30 Uhr im Kulturzentrum Rheinkamp, Kopernikusstraße 11. Der Eintritt beträgt sechs Euro für Schüler und zehn Euro für Erwachsene.

Quelle: RP
 
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