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Moers
Freddy Fischer: Teilen macht reich

Moers. Der Moerser ist Chef der Firma "Münzspielpartner" in Essen. Mit seiner Stiftung fördert er soziale Projekte. Von Ulrike Rauhut

Freddy Fischer ist kein leiser Typ. Seine Stimme ist laut und sein Händedruck fest. Er verbreitet Ruhrpottcharme mit rheinischer Schnüss. Man duzt sich mit ihm. Seine Herzlichkeit ist grundehrlich. Er ist einfach nett. Aber nicht aus Taktik oder Gefallsucht. Denn er ist zu jedem nett. Er ist einer, der, wie sein Freund Michael Paßon sagt, jeden Tag ein besserer Mensch werden will. Diese Worte, gesprochen bei der Verleihung des "Bunten Stiftes" vom Moerser Verein "Bunter Tisch" am vergangenen Freitag, gehen dem 55-Jährigen mitten ins Herz. Er genießt die Anerkennung und die menschliche Wärme. Aber er gibt sie auch. Er möchte gesehen werden. Aber er kann auch andere sehen. Er hat erkannt, dass es im Leben nicht ums Anhäufen geht, sondern ums Teilen. Dass die wahre Macht die Macht der Liebe ist, und nicht die des Geldes. Deshalb lautet das Motto seiner 2008 gegründeten Stiftung "Wir leben Mitgefühl".

Die Freddy-Fischer-Stiftung gibt Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien in schwierigen Lebenssituationen Hilfestellungen. Die Liste der Projekte, die unterstützt werden, ist lang. Ihr Schwerpunkt liegt im Ruhrgebiet. Mit der diesjährigen Weihnachtsaktion wird beispielsweise die Kindernotaufnahme "Spatzennest" in Essen unterstützt. Die Einrichtung des Kinderschutzbundes bietet Kindern von zwei bis zwölf Jahren Schutz und Sicherheit in Krisensituationen. Für die oftmals traumatisierten und entwicklungsverzögerten Kinder ermöglichen die Spenden dringend benötigte Therapien. In seiner Wahlheimat Moers unterstützt die Stiftung die Flüchtlingsarbeit des "Bunten Tisches" und den Verein "Klartext für Kinder". Geld ist also doch wichtig. Ohne Fischers erfolgreiche Firma "Münzspielpartner" wäre dies nicht möglich. Durch Zustiftungen und Spenden sind im Jahr 2015 rund 100.000 Euro für Hilfsprojekte zusammen gekommen. Dafür ist Fischer unterwegs und betreibt, wie er es nennt "friendraising". Die grünen Bändchen und der grüne Schal sind sein Erkennungszeichen. Er möchte so viele Menschen wie möglich für die gute Sache begeistern. Und er schafft das auch mit seinem besonderen Talent, Netzwerke und Kontakte zu knüpfen. Durch eine neue Struktur mit verlässlichen Freunden als "Lokale Paten" für Projekte in verschiedenen Regionen will er die Arbeit noch effektiver ausrichten. Dabei ist es Fischer wichtig, die Projekte nicht nur pro forma zu betreuen, sondern sich auch persönlich einzubringen.

Aber ist es nicht paradox, mit Geldspielautomaten das Suchtverhalten und den finanziellen Ruin von labilen Menschen zu unterstützen und andererseits diesen und anderen in Not geratenen auf die Beine zu helfen? Immerhin, er tut, was er kann für eine humane Unternehmenskultur und ein sozialeres Denken in der Automatenbranche. Zum Beispiel mit dem Beratungsprogramm fair/play. Fischer ist sich schmerzlich bewusst: Sucht wird es immer geben. Ein Spielsüchtiger klopfte ihm einmal auf die Schulter und meinte: "Freddy, ich bin zwar pleite. Das ist übel. Aber mein Kumpel, der Alkoholiker war, ist unter der Erde. Ich lebe immerhin." An dieser Stelle ist Fischer pragmatisch. Viele Firmen stellen Dinge her, die die Welt nicht wirklich braucht. Aber nicht viele tun es mit so viel Verantwortungsbewusstsein. Die Stiftung ist eingewoben ins Unternehmen. Auch auf das Betriebsklima wirkt sich das positiv aus.

Selbstverständlich ist das nicht. Auch Fischer war nicht immer so. Bis vor 16 Jahren galt für ihn die Devise: "Immer mehr ... und am meisten für mich!" Doch dann begegnete er bei einer Firmenfortbildung zwei besonderen Lehrern. Sie konfrontierten ihn mit einem lange verdrängten Trauma und halfen ihm, es aufzuarbeiten: "Als ich 16 war, starben binnen kurzer Zeit meine geliebten Großeltern und mein Vater. Dabei ist etwas in mir zerbrochen. Mir ist die Liebe abhanden gekommen", erzählt er. Die Beschäftigung mit den verdrängten Gefühlen öffnete sein Herz und setzte neue Energien frei.

Heute macht Fischer eine Meditationsausbildung. Auch eine Auseinandersetzung mit dem Tod gehörte dazu. Die Meditation lehrt ihn, tiefer zu schauen und sich auf das Wesentliche zu besinnen. "Was von dir bleibt, ist das, womit du in Liebe verbunden bist." Die Kraft der Liebe will er im Alltag durchleuchten lassen. Sein Leben beweist: Auch ein Geschäftsmann muss nicht vollkommen aussteigen, um glaubwürdig Gutes zu tun. Und er muss auch nicht auf ein Burnout warten, bevor er es tut. Die Firma läuft sogar noch besser seitdem. Und Freddy Fischer hat trotz seines Engagements noch Zeit für sich, für die Familie, für Hobbys. Und auch wenn er Manager bleibt, und kein Meditationslehrer wird, hat er jetzt schon ein segensreiches Lebenswerk erschaffen. "Tut alles, was ihr tut, mit Liebe. Und teilt, was das Zeug hält! Denn Teilen macht reich!", lautet seine Botschaft.

Quelle: RP
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