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Moers
Freudentränen beim Treffen der Boatpeople

Moers: Freudentränen beim Treffen der Boatpeople
Im Moerser Restaurant "Pagode" trafen sich gestern Mitglieder des Vereins "Moerser Boatpeole". FOTO: Klaus Dieker
Moers. In einem Moerser Restaurant haben sich rund 30 ehemalige Flüchtlinge aus Vietnam und ihre Betreuer 40 Jahre nach den dramatischen Ereignissen im südchinesischen Meer wiedergetroffen. Von Birgit Lameyer

Bei einer Wiedersehensfeier im Restaurant Pagode haben sich rund 30 Bootsflüchtlinge und ehemalige Betreuer nach vielen Jahren wiedersehen. Einige hatten sich seit Jahrzehnten nicht gesehen. Bei der Wiedersehensfeier von gab es viele herzliche Begrüßungen, Umarmungen, Freudentränen und lange Gespräche.

Sozialwissenschaftlerin Angelika Finck aus Moers hatte das Treffen organisiert und zu der kleinen Feier mit Sektempfang eingeladen. Als fünf Familien als Bootsflüchtlinge Ende der 70er Jahre aus Vietnam nach Moers kamen, hatte sie die Menschen knapp ein Jahr lang ganztägig betreut.

Die sogenannten Boatpeople wurden in einer alten Schule auf der Taubenstraße in Moers unterrichtet. Es gab zwei Gruppen mit vier Lehrern, in denen die Erwachsenen und die größeren Kinder Deutsch lernten. In einer weiteren Gruppe wurden Babys und Kleinkinder betreut. Die neue Aufgabe kam für Angelika Finck völlig überraschend. An einem Freitag sei sie gefragt worden, ob sie Flüchtlinge betreuen könne, die man aufgrund ihrer Nationalität vertrieben hatte. Am darauffolgenden Montag habe sie begonnen. "Es waren 32 Personen, die damals nach Moers kamen, die waren total ausgehungert", berichtet Finck. An dem Morgen habe sie Lebensmittel mitgenommen. "Die sind in Vietnam in Schlepperboote gestiegen", erklärte Angelika Finck den langen Weg in die neue Heimat. Von dort aus ging es in ein chinesisches Lager. Monate später wurden sie nach Hong Kong gebrach anderem nach Amerika, England und Deutschland verteilt. Die VHS bot umgehend Integrationsmaßnahmen an. "Der Erfolg ist heute, dass niemand ohne Beruf ist.", sagt sie. Mit zwei der fünf Familien hat sie noch engen Kontakt. Einige dagegen hatte sie seit 1980 nicht mehr gesehen. "Beim Wiedersehen sind Freudentränen geflossen", sagt sie.

Irene Höppner hatte damals die Kinderbetreuung übernommen. "Heute würden wir dazu Kita sagen", sagte die Soziologin. Die Familien seien jeden Morgen mit einem Reisebus gebracht worden. Sie brauchten dringen jemanden, der sich während des Unterrichts um die Kinder kümmerte. "Ich fand beeindruckend, dass sie jeden Morgen Reisflaschen mitbrachten, die traditionelle Nahrung für die Säuglinge."

Thi Hoi Le war 27 Jahre, als sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern nach Deutschland kam. Ihr fiel es leicht, die Sprache zu lernen. Sie und ihr Mann fanden schnell Arbeit, ihr Ehemann sei inzwischen Rentner. "Ich freue mich, weil ich Frau Höppner fast 40 Jahre nicht gesehen habe", sagt sie mit einem Lächeln. Ihr Sohn Hung Boc erinnerte sich : "Ich bin ja mit fünf oder sechs Jahren rübergekommen und musste zur Schule. Die Sprache konnte ich nicht." Dennoch konnte er hier das Gymnasium besuchen. Nach dem Abitur folgten Bundeswehr und Studium.

Die gute Integration sei besonders durch die enge Zusammenarbeit der Volkshochschule mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und dem Förderverein möglich gewesen , lobt Angelika Finck.

(BL)
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