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Moers
Frischs Biedermann ist brandaktuell

Moers: Frischs Biedermann ist brandaktuell
Dramaturgin Annika Stadler unterstützt Ulrich Greb bei der Inszenierung des Klassikers von Max Frisch aus dem Jahr 1958. FOTO: RP-Archivfotos
Moers. Die Sommerpause am Schlosstheater in Moers ist vorüber: Am Samstag, 5. September, startet das Theater mit einem hochaktuellen Stück in die neue Spielzeit: "Biedermann und die Brandstifter" von Max Frisch. Von Anja Katzke

Seit Mai beschäftigt sich das Ensemble mit Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter." "Und das Stück wird von Tag zu Tag aktueller", konstatiert Ulrich Greb, Intendant des Schlosstheaters in Moers. Für die neue Spielzeit hat er das Motto "Freie Radikale" ausgegeben, und Max Frischs Klassiker liefert den besten Stoff, wenn man sich wie das Theater mit den unterschiedlichen Formen von Radikalität auseinandersetzen möchte. "Es geht um die Angst vor dem Fremden, und es ist genau diese Angst, die schließlich zu Exzessen führt", sagt Ulrich Greb, der Regie führt. Premiere ist am Samstag, 5. September, um 19.30 Uhr im Schloss Moers.

Die Aktualität des Stücks liegt in Anbetracht der aktuellen Flüchtlingskatastrophe und der negativen Reaktionen einiger Zeitgenossen in Deutschland nahe. "Das Thema ist virulent - vor allem, wenn man die Diskussionen in diversen Blogs verfolgt", betont der Theaterintendant, der Frischs Biedermann bereits seit etlichen Jahren als Stück auf dem Zettel hat. Bisher hat er sich dagegen entschieden, weil es "zu holzschnittartig" ist. Das ist jetzt aber anders. "Ich habe den Eindruck, dass unsere Zeit immer komplizierter wird und gleichzeitig erschreckend einfach. Der Biedermann ist ein guter Kommentar dazu."

Der Fabrikant Gottlieb Biedermann nimmt zwei Brandstifter in sein Haus auf, obwohl sie von Anfang an erkennen lassen, dass sie es anzünden werden. "Biedermann, der etwas Schlimmes verhindern will, wird am Ende zum Brandbeschleuniger", sagt Greb. Aus Sicht des Theaters zeigt das Stück, wie aus Egoismus, angepasster Bequemlichkeit, dummer Eitelkeit und Feigheit eine hochexplosive Mischung entsteht, mit deren Hilfe sich Gewalt und Terror ungehindert ausbreiten können. Das "Lehrstück ohne Lehre" funktioniere heute noch so gut, weil dem Alptraum des Biedermann das verdrängte Wissen um die eigene Mitverantwortung eingeschrieben sei. Das Schlosstheater zieht das Stück als das auf, was es ist: eine Groteske. Dem von Frisch ins Stück geschriebenen Chor stellt Ulrich Greb den Moerser Bürgerchor gegenüber. Während der eine nur beobachtet, mischt sich der andere ein. Es sind die besorgten Bürger. Und hier geht Ulrich Greb über Max Frisch hinaus. Sein Bürgerchor rezitiert Meinungen, die der Theatermacher in Blogs gefunden hat. Gleichzeitig singt dieser Chor, der in jeder Aufführung mit fünf bis sechs Moersern besetzt sein wird, schöne deutsche Lieder wie zum Beispiel "Jenseits des Tales" oder "Hohe Tannen". Schauspieler Frank Wickermann übernimmt die Rolle des Biedermann. Es spielen außerdem Patrick Dollas, Matthias Heße, Marisa Möller und Magdalena Artelt. Bühnenbildnerin Birgit Angele hat für die Auftaktinszenierung eine komplett neue Bühne gebaut. "Die erste Drehbühne in der Geschichte des Schlosstheaters", betont Ulrich Greb. "Allerdings hat sie keinen Motor, sondern muss von Hand gedreht werden." Die Bühne ist schräg konzipiert, so dass die Schauspieler auf einer schiefen Ebene agieren werden.

Quelle: RP
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