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Moers
Gans wie Phönix aus der Asche

Moers: Gans wie Phönix aus der Asche
Koch Patrick Schmeitz, Christian Hirschmann und Andrea Goer freuen sich über den Erfolg nach dem Brand im vergangenen Jahr. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Vor einem Jahr zerstörte ein Feuer das Restaurant "Jedermann" in Hülsdonk. Von dem Schock hat sich Gastronom Christan Hirschmann bestens erholt. Die Krise, die andere Betriebe erfasst hat, ist bislang an ihm vorbeigegangen. Von Jürgen Stock

Es ist Gänsezeit. Auch im Restaurant "Jedermann", an der Haupteinfahrt des Hülsdonker Friedhofs gelegen, verlassen derzeit die fetten Vögel täglich im halben Dutzend die Backröhre. Doch auch im "Jedermann" diskutieren die Gäste derzeit weniger die Frage, ob sie sich nun für eine Hafermastgans zu 94,50 oder für eine Dithmarscher Gans zu 130 Euro entscheiden sollen, als vielmehr die spektakuläre Pleitewelle in der regionalen Gastronomie, deren jüngstes Opfer der Rayener Roger Achterath wurde.

"Das ist einfach nur traurig", sagt Christian Hirschmann, der das "Café Jedermann" gemeinsam mit seiner Partnerin Andrea Goer betreibt. "Ich habe Roger gut gekannt, und das Achterath war ein tolles Restaurant, in dem wir selbst gern gegessen haben." Auch Hirschmann, der das Gastronomiegeschäft von der Pike auf gelernt hat, bestätigt die Probleme, die Achterath als einen der Gründe für seinen Rückzug genannt hat. Ja, es stimme; der fehlende qualifizierte Nachwuchs sei eines der großen Probleme in der Branche. Auch für das "Jedermann" sei es nicht einfach, gute Fachkräfte für die Küche und die Bedienung zu finden. "Aber wir haben wirklich Glück", sagt Hirschmann. In der Küche wirkt als Chef Patrick Schmeitz, der im Duisburger Gault-Millau-Kochmützenrestaurant "Brendel" gelernt hat. Zudem sei ein Azubi gerade fertig geworden, und man habe einen jungen Auszubildenden aus Guinea eingestellt, der als Flüchtling nach Deutschland gekommen sei. "Der macht sich ganz toll", sagt Hirschmann. Zudem habe er eine weitere Fachkraft in Aussicht. An den Tischen kann sich Hirschmann auf seine Partnerin und Mariella Hohmann verlassen, die schon seit vielen Jahren die Gäste umsorgt.

Die Krise scheint das Lokal verschont zu haben. "Der Brand hat uns sogar noch einmal einen richtigen Schub gegeben", sagt Hirschmann. Zum einen habe die Versicherung den Schaden komplett reguliert.

Zum anderen habe die Renovierung die Möglichkeit geboten, Arbeiten in Angriff zu nehmen, die man sonst vielleicht noch weiter hinausgeschoben hätte. Zudem kam das "Jedermann" für denkbar kleines Geld an "neue" Tische. Das Feuer hatte nämlich die alten Tische nur oberflächlich angegriffen. Als Hirschmann den Lack abbeizen ließ. kamen darunter massive alte Holzbohlen mit einer schönen Maserung zutage. "Die haben wir dann einfach so gelassen", sagt der Gastronom.

Außerdem habe die Berichterstattung über den Brand dazu beigetragen, das "Jedermann" noch bekannter zu machen. "Unsere Kunden hatten wirklich sehr viel Verständnis", berichtet Hirschmann. Einige haben ihre Weihnachtsfeier sogar auf Januar verlegt - nur damit sie bei uns feiern können.

Für dieses Jahr hat Hirschmann für die Feiertage ein Luxusproblem: "Am ersten Weihnachtstag sind wir schon ausgebucht, und am zweiten ist auch nur noch am Abend etwas frei."

Quelle: RP
 
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