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Serie Mein Viertel
Geboren, aufgewachsen und zurückgekehrt

Serie Mein Viertel: Geboren, aufgewachsen und zurückgekehrt
Von seinem Balkon aus blickt Michael Raskopf auf sein Elternhaus. In dem Hochhaus wurde er 1966 geboren. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Michael Raskopf lebt in dem Stadtviertel, in dem er geboren wurde - im Gestfeld. In dem 4295 Bewohner zählenden Stadtteil erlebte er eine spannende Kindheit und Jugend. Damals florierte noch der Einzelhandel im Gestfeld-Center. Von Anja Katzke

Wenn Michael Raskopf auf seinem Balkon steht, blickt er auf sein Elternhaus. "Wir hatten eine Wohnung an der Südseite", sagt er und weist auf das gegenüberliegende Hochhaus. "Ich bin in dem Haus geboren, ich bin also ein waschechter Kamp-Lintforter." Mit drei Geschwistern wuchs er dort auf. Michael Raskopf, Jahrgang 1966, erinnert sich gerne an seine Kindheit im Gestfeld. "Zu Spitzenzeiten haben im Haus 90 bis 100 Kinder gewohnt.

Wir brauchten keine Handys. Wir haben uns von Balkon zu Balkon verabredet", berichtet er. Das Gestfeld sei ein großer Abenteuerspielplatz gewesen. "Wir waren immer draußen und haben Fußball gespielt. Erst, wenn die Kirchenglocken läuteten, mussten wir nach Hause kommen", erzählt Raskopf, der heute als Metall-Ausbilder beim Tüv Nord im Gewerbe- und Technologiepark Dieprahm beschäftigt ist. Dort strolchte er schon als Kind gerne herum.

Technologie im Gewerbepark Dieprahm. FOTO: Dieker Klaus

"Wir nannten den Bereich Schlangenberg, weil dort einiges kreuchte und fleuchte." Dort, wo heute der Gewerbe- und Technologiepark liegt, erstreckten sich in Raskopfs Kindheit Wiesen, Felder und "Sümpfchen". Auch zu Schloss Dieprahm zog es die Kinder immer wieder, wenn es darum ging, Mutproben zu bestehen. "Das alte Schloss gehörte noch der RAG. Wo heute die Remisen stehen, war Wald. Für uns wirkte das Schloss wie ein Hexenhäuschen.

Es war gruselig, wenn wir uns zur Tür schlichen, um Schellemännchen zu machen." Heute sei das Schloss Dieprahm ein wahres Postkarten-Motiv, und auch der Gewerbe- und Technologiepark sei eine gelungene Umwidmung dieses Bereichs. "Wir gehen dort heute noch sehr gerne spazieren", berichtet der Familienvater, der um 1990 ins Gestfeld zurückgekehrt war. "Wir wollten Wohneigentum anschaffen. Und das Gestfeld wurde uns schmackhaft gemacht.

" Der Stadtteil sei seinerzeit, so Michael Raskopf, vom Bergbau erbaut worden. "Es haben hier Bergleute gewohnt. In den 1950er und 1960er Jahren fuhr sogar noch eine Seilbahn vom Eyller Berg ins Gestfeld." Der Stadtteil ist geprägt durch Wohn-Siedlungen mit vielen Mehrfamilienhäusern. Die Rundstraße, Raskopfs Kindheitsrevier, zieht sich einmal durchs Viertel. Als Jugendlicher engagierte er sich bei der katholischen Jugend.

Im Gemeindehaus unternahm er erste Gehversuche als DJ und legte dort Platten auf. Die katholische Kirche habe sich dort befunden, wo heute die Kleine offene Tür eingerichtet sei. Die Europaschule an der Sudermannstraße hieß noch Julius-Leber-Schule. Noch bis Mitte der 1980er Jahre sei das Gestfeld ein nachbarschaftliches und von der Infrastruktur her sehr lebendiges Viertel gewesen. Jeder kannte jeden. "Was uns als Jugendliche gar nicht in den Kram passte.

Wir standen immer im Fokus", erzählt Raskopf. Das Gestfeld-Center, erbaut in den 1960er Jahren, sei früher ein florierendes Geschäftszentrum gewesen: "Es gab Edeka, Spar, Drogeriemärkte, ein Tapetengeschäft, eine Eisdiele und eine Filiale der Volksbank. Ich würde mal sagen, dass bis zu 16 verschiedene Geschäfte im Center ihren Sitz hatten", sagt Rasfeld. Heute halten nur noch die Bäckerei Gerhardts, ein Online-Shop und ein Friseur noch die Stellung im Center.

"Der Einzelhandel ist weggebrochen. Das ist ein grober Einschnitt - vor allem für die älteren Menschen, die kein Auto haben", findet Rasfeld. Und das müsste sich aus seiner Sicht ändern, damit das Gestfeld ein attraktives Stadtquartier wird. Das sieht auch die Stadtverwaltung so. Sie gab 2016 die Erstellung eines Handlungskonzepts in Auftrag, wie die Strukturen im Stadtteil verbessert werden können. Inzwischen zögen wieder junge Familien ins Gestfeld, sagt Raskopf.

Hinter der Sudermannstraße sei gebaut worden. 4295 Bewohner zählt das Stadtviertel heute. Bauaktivitäten gibt es auch an der Hölderlinstraße. Dort entsteht eine Seniorenresidenz. Laut Stadt ist das Gestfeld ein älterwerdendes Quartier. Etwa 1000 Bewohner seien älter als 65 Jahre. Das kann Raskopf bestätigen: "Es wohnen hier viele ältere Leute, die mich schon als Kind kannten." Er fühlt sich wohl im Viertel. "Man trifft die alten Leute, mit denen man aufgewachsen ist.

Ein Einkauf bei Real dauert immer ein wenig länger."

Quelle: RP
 
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