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Moers
Geburtenrekord in der Frauenklinik

Moers: Geburtenrekord in der Frauenklinik
Hebamme Magdalene Tönnies und der Chefarzt der Frauenklinik Dr. Peter Tönnies mit der kleinen Luisa van Crüchten. FOTO: Bettina Engel-Albustin
Moers. So viele Neugeborene wie 2015 hat es im Bethanien schon seit mehr als zwölf Jahren nicht mehr gegeben. Hebamme Magdalene Tönnies freut sich über jedes Baby, das ihr Team gesund zur Welt bringt. Von Ulrike Rauhut und Tanja Karrasch

Auf der Geburtsstation des Bethanien herrscht zu Weihnachten eine ganz besondere Atmosphäre. Das Staunen über das Geschenk des Lebens, die enge Verbundenheit mit der Familie, die riesige Dankbarkeit gegenüber allen, die zum Gelingen der Geburt beitragen, liegt noch mehr als sonst in der Luft. Magdalene Tönnies bestätigt das. Und sie weiß, wovon sie spricht. Vor sieben Jahren ging sie am Heiligabend nach der Geburt ihres fünften Kindes nach Hause. Einen Tag vor ihrem eigenen Geburtstag.

Im Bethanien ist sie eine von zwölf Hebammen der Geburtshilflichen Station. Zwei von ihnen plus eine Hebammenschülerin haben immer gemeinsam Dienst. Sie helfen jeden Tag im Schnitt drei bis vier Babys, auf die Welt zu kommen. 2015 kamen auf ihrer Station so viele Kinder zur Welt wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Im Jahr zuvor hatten 1147 Kinder das Licht der Welt im Bethanien erblickt - so hoch war die Anzahl zuletzt 2004 gewesen. "Dieses Jahr gab es noch mal eine Steigerung: Bisher sind es 1167 Neugeborene, und das Jahr ist ja noch nicht ganz vorbei", sagt Fabian Bubeck, Oberarzt der Frauenklinik. Heute und morgen rechnen seine Kollegen auf der Station noch mit bis zu zwanzig Geburten.

Magdalene Tönnies kann sich keinen besseren Beruf vorstellen: "Die Herausforderung, sich jedes Mal neu auf die verschiedenen Frauen einzustellen, ist für mich faszinierend", erzählt sie. "Immer wieder erlebt man Überraschungen. Jede Frau braucht etwas anderes. Jede Geburt will offen, einfühlsam und absolut individuell begleitet werden." Seit über zwanzig Jahren ist Tönnies nun schon in ihrem Beruf. Nach der Ausbildung trat sie die Stelle in Moers an. Und traf dort im Kreißsaal die Liebe ihres Lebens, Dr. Peter Tönnies, der damals Assistenzarzt war und heute Chefarzt ist. Aus Kollegen wurde ein Ehepaar, das immer noch gerne zusammen arbeitet. Ihre fünf Kinder kamen zwischen 1996 und 2008 zur Welt.

Zwischenzeitlich arbeitete Magdalene Tönnies ausschließlich in der Vor- und Nachsorge von Schwangeren. Doch sie vermisste die eigentliche Arbeit, die Begleitung der Geburt, und sie vermisste ihr Team im Kreißsaal. Sobald es möglich war, begann sie wieder mit Diensten auf der Station. Sie konnte ihre Stundenzahl nach und nach steigern und hat jetzt wieder eine halbe Stelle. Das Krankenhaus machte ihr die Vereinbarkeit mit der Familie leicht: "Ich finde die Arbeitsbedingungen optimal. Unsere Dienstpläne organisieren wir gemeinsam. Im Bedarfsfall springt jede mal für die andere ein. Wir haben einfach ein super Team hier. Wir können alles miteinander besprechen und uns aufeinander verlassen", sagt die Hebamme. "Besonders wichtig ist der Austausch, wenn belastende Situationen eintreten. Ebenso die Unterstützung durch die Krankenhausseelsorgerin." Das gibt Rückenstärkung und verhilft zu einer entspannten Gesamtsituation. Diese kann dann an die Patienten weitergegeben werden. Tönnies ist überzeugt, dass die Familien das spüren und sich auch deshalb hier wohlfühlen.

Bei aller Leidenschaft für ihren Beruf bemerkt Tönnies in letzter Zeit auch Schattenseiten. Der "Papierkram" sei aufwendiger geworden. Rund eine Stunde verbringe sie damit, jede Geburt bis in Detail zu dokumentieren. Die Verständigungsprobleme mit ausländischen Frauen sind ein weiterer Punkt, der belastet und manchmal an Grenzen führt. Mit fehlendem Verständnis hat das aber nichts zu tun. Gerade als Mutter sei ihr Mitgefühl mit den Flüchtlingsfrauen groß. Ihr Wunsch nach Unterstützung durch fachkundige Dolmetscher ist im Bethanien schon in der Planung.

Außerdem wünscht sie sich, dass mehr Frauen die von der Krankenkasse bezahlte Hebammenvorsorge zusätzlich zur Vorsorge beim Frauenarzt nutzen. "Die Hebamme kann sich viel mehr Zeit nehmen und intensiv und ganzheitlich auf die Fragen der Schwangeren eingehen." So wichtig die Sicherheit durch die moderne Medizin sei, so wichtig sei es, Selbstvertrauen und Intuition der Frauen wieder mehr zu stärken.

Quelle: RP
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