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Moers
"Gelbes Gift" wuchert am Straßenrand

Moers: "Gelbes Gift" wuchert am Straßenrand
Eine Wiese voller Jakobskreuzkraut. Das Foto entstand an der Repelener Straße. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Das Jakobskreuzkraut vermehrt sich stark und ist auch in Moers an vielen Stellen zu finden. Die Enni versucht, das Problem durch regelmäßiges Mähen in den Griff zu kriegen. Eine EU-Richtlinie werde erwartet. Von Josef Pogorzalek

Zurzeit blüht es wieder leuchtend gelb an Wiesen, Weiden und Wegrändern: das Jakobskreuzkraut. Es ist ziemlich schön, und mit 13 Blütenblättern das perfekte Orakel für heimlich Verliebte: Wer damit "Sie liebt mich, sie liebt mich nicht" spielt, kommt auf jeden Fall bei "Sie liebt mich" raus. Allerdings sollte man vom Jakobskreuzkraut lieber die Finger lassen, denn es kann, wie viele Pflanzen, Allergien auslösen. Vor allem aber enthält es Pyrrolizidinalkaloide (PA), ein Gift das sich im Körper anreichern und auf Dauer Leber, Lunge, Nieren und das Zentrale Nervensystem schädigen kann. Die Landwirtschaftskammer warnt Landwirte davor, die Pflanze, die sich seit einigen Jahren rasant vermehrt, auf Weiden zu belassen oder dem Tierfutter beizumischen. Fressen Pferde oder Kühe zu viel davon, können sie sterben.

Menschen (oder auch Hunde) werden das dem Vernehmen nach bitter schmeckende Jakobskreuzkraut kaum in so großen Mengen zu sich nehmen. "Aber man sollte auch die Pollen nicht einatmen", sagt die Tierphysiotherapeutin Stefanie Jäger aus Eick-Ost. "Die Leute sind viel zu wenig informiert", findet sie, und wundert sich darüber, dass das Jakobskreuzkraut an vielen Stellen in Moers anscheinend ungehindert wuchern könne. Entlang der Rheinberger Straße und Römerstraße finde man es an vielen Stellen, ebenso an der Repelener/Kamper Straße. "Das Zeug ist hochgefährlich."

Diese Meinung teilt der in Hildesheim als Verein eingetragene "Arbeitskreis Kreuzkraut" (www.ak-kreuzkraut.de), der sich der Aufklärung über die "giftige Wirkung von Kreuzkräutern" verschrieben hat. Aber auch Wissenschaftler sehen die starke Vermehrung des Jakobskreuzkrauts mit Skepsis. "Messungen haben ergeben, dass sowohl in Kräutertee, in schwarzem Tee als auch in Honig teilweise höhere Gehalte an PA enthalten sind", heißt es auf den Internetseiten des Bundesamtes für Risikobewertung (www.bfr.bund.de). Zwar sei eine akute Gefährdung durch den Verzehr unwahrscheinlich. "Grundsätzlich sollten aber bei der Produktion und Herstellung von Honigen sowie Kräutertees und Tees, Maßnahmen zur Reduktion von PA getroffen werden, um auch das mögliche Gesundheitsrisiko bei einem langfristigen hohen Verzehr dieser Lebensmittel so weit wie möglich zu minimieren."

Das Bundesamt weiter: "Eltern wird empfohlen, ihren Kindern nicht ausschließlich Kräutertees und Tee anzubieten, bis die PA-Gehalte seitens der Lebensmittelunternehmer minimiert worden sind. Schwangere und Stillende sollten bis dahin Kräutertees und Tee abwechselnd mit anderen Getränken konsumieren. Dies gilt auch für Personen, die den überwiegenden täglichen Flüssigkeitsbedarf mit Kräutertee decken."

Stefanie Jäger hat sich nicht nur an den Grafschafter gewandt, sondern auch an die Enni, die im Auftrag der Stadt öffentliche Grünflächen pflegt. Bei der Enni ist das Jakobskreuzkraut bekannt, wie auch eine Nachfrage unserer Redaktion ergibt. "Wir haben das Thema im Blick und bemühen uns, die Pflanzen schon vor der Blüte, bevor sie Samen aussäen, zu entfernen", sagt Sachgebietsleiter Marcus Petrausch. Das Jakobskreuzkraut wachse in Moers vorwiegend an Straßenrändern, Ausgleichs- und Brachflächen. Zweimal im Jahr mähe die Enni es ab, Straßenbegleitgrün werde ohnehin sogar sechsmal jährlich gepflegt. Für private Grünflächen oder Gewerbegrundstücke ist die Enni allerdings nicht zuständig.

Laut Marcus Petrausch wird auch auf europäischer Ebene über das Jakobskreuzkraut und andere sich stark vermehrende Pflanzen diskutiert. Dazu zählen der Riesenbärenklau und der Japanische Riesenknöterich, die jedoch, anders als das Jakobskreuzkraut, ursprünglich nicht in Mitteleuropa heimisch waren. Erwartet werde eine EU-Richtlinie mit verbindlichen Vorschriften, die helfen, den Vormarsch des gelben Gifts zu stoppen.

Quelle: RP
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