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Moers
Gesundheitskarte für Flüchtlinge vor dem Aus

Moers. Die Moerser Stadtverwaltung hat sich gegen die Beibehaltung der Gesundheitskarte für Asylbewerber ausgesprochen. Der Sozialausschuss konnte gestern allerdings noch keine Empfehlung aussprechen, da die Fraktion der Grünen Beratungsbedarf angemeldet hatte.

Dabei konnte das Fazit der Verwaltungsvorlage eigentlich niemanden im Ausschuss überraschen, nachdem unsere Redaktion bereits vor einigen Wochen einen ersten Erfahrungsbericht mit der vor über einem Jahr eingeführten Gesundheitskarte veröffentlicht hatte. Demnach hatte sich vor allem der erhoffte Einspareffekt bei den Verwaltungskosten durch den Wechsel von den durch das Sozialamt ausgegebenen Behandlungsscheinen zur Plastikkarte nicht erfüllt.

Das belegen die jetzt dem Ausschuss vorgelegten Zahlen: So stiegen die Krankheitskosten pro Person und Monat von 97,85 auf 137,60 Euro. Die Hauptursache für diese Kostenexplosion sieht die Verwaltung in den von der BKK Novitas in Rechnung gestellten Verwaltungskosten. Als Beispiel nennt die Vorlage die Abrechnung von Krankenhauskosten: Lagen die Verwaltungskosten bei dem alten Schein-System bei 377 Euro, stiegen sie durch den Wechsel zur BKK im Abrechnungszeitraum auf 15 840 Euro. Ob auch ein möglicher Missbrauch der Gesundheitskarte zu den gestiegenen Kosten beigetragen hatte, konnte die Verwaltung nicht sagen. Zudem habe sich auch die erhoffte Entlastung der Rathausmitarbeiter nicht eingestellt. Im Gegenteil: Der Verwaltungsbericht legt sogar nahe, dass sich der Aufwand durch häufig nötige Rückfragen eher erhöht hat.

Die Verwaltung weist den von Flüchtlingshilfsorganisationen getätigten Vorwurf zurück, dass durch das Behandlungsscheinsystem Menschen diskriminiert würden.

Nun muss der Hauptausschuss über die Rückkehr vom Plastik zum Papier entscheiden.

(ock)
 
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