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Moers
Grafschaft leidet unter Mückenplage

Moers: Grafschaft leidet unter Mückenplage
FOTO: dpa
Moers. In diesem Jahr gibt es auffällig viele der kleinen Blutsauger. Apotheker erleben einen enormen Ansturm. Besonders Kinder und Ältere sollten sich schützen. Von Lisa Kreuzmann und Stefan Gilsbach

Der Akt dauert nur wenige Sekunden. Brutal klingt er trotzdem. Und weh tut es auch. Vor allem hinterher. Auf Arm oder Bein gelandet, bohrt die Mücke ihren Stechrüssel in die Haut, sucht nach einer Kapillare und stochert solange in der flüssigen Nahrung, bis sie sich angenehm gesättigt wieder davon macht. Fortpflanzen, Eier ablegen, die Art erhalten. Für die Mücke ist das ihr natürlicher Gang. Für Menschen und vor allem Kinder sind Steckmücken aber nicht nur lästig, sondern können mitunter auch Erreger übertragen und Blutvergiftungen verursachen.

In diesem Jahr werden die Menschen besonders geplagt. Schuld ist das feucht-warme Wetter, in dem sich die Mücken zu wohl fühlen. Die Mücken legen ihre Eier im flachen, warmen Wasser ab. Dort schlüpfen die Larven nach gut einer Woche. Ein Mückenleben dauert dann etwa drei Wochen.

Brigitte Roth, Inhaberin der Linden-Apotheke in Moers-Meerbeck, bestätigt, dass die Belästigung durch Mücken in diesem Jahr "ausgesprochen heftig" ist. In manchen Fällen seien die Folgen der Stiche so gravierend, dass Patienten Antibiotika benötigten. "Die Stiche verfärben sich, es entstehen unangenehme, schmerzhafte Blasen", schildert Roth die Symptome. Doch auch für weniger schwere Beschwerden suchen die Kunden nach Linderung. Desinfizierende und entzündungshemmende Mittel seien beliebt, auch Präparate zum Einreiben, um die Plagegeister auf Distanz zu halten. "Gute Erfahrungen machen Kunden derzeit mit Citronella-Öl." Weniger gefragt seien heute Verdampfer mit Plättchen für die Steckdose. Viele setzen lieber auf Naturmittel.

Auch wenn die Mückenlarven die Gewässer reinigen, für den Menschen sind die surrenden Blutsauger vor allem nervig. Wer da nach erster Kontaktaufnahme schon mal dazu neigt, das Tier mit einem kräftigen Klaps zermalmen zu wollen, dem sei davon aber abgeraten. Denn damit werde der Speichel der Mücke schlagartig injiziert, dem Wissenschaftler den Juckreiz zuschreiben. Beim Saugen lässt die Mücke langsam ihren Speichel einfließen, um zu verhindern, dass das Blut gerinnt. Das Ergebnis: Beulen, Pusteln, Rötungen, Schwellungen, leidiger Juckreiz.

Wirklich gefährlich sei ein Mückenstich hierzulande aber nicht, sagt Dr. Martin Binder, Leiter des Kreisgesundheitsamts. Obgleich auch Tigermücken im Gebiet gesichtet wurden, seien noch keine Fälle bekannt, in denen hiesige Mücken Krankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber übertragen hätten. Genaue Daten über die spezifischen Mückenarten wurden im Kreis allerdings noch nicht erhoben. Gefährlich könne ein Mückenstich nur dann werden, sagt Binder, wenn man den Stich mit dreckigen Fingernägeln wund kratzt. Dann könne es zu Blutvergiftungen kommen. Und auch bei immungeschwächten Menschen und Kindern können Stiche zu Entzündungen führen.

Dass einige Menschen dabei die Mücken eher anzuziehen scheinen als andere, liegt an den körpereigenen Duftstoffen. "Pheromone wirken anziehend auf Insekten", sagt Binder. Weibliche Mücken, für die das Blut von Säugetieren und Vögeln im Gegensatz zu den männlichen Artgenossen zum Speiseplan gehört, sollen sich von weiblichen Hormonen eher angelockt fühlen. Ebenso wie von süßen Parfüms. Eine gute Nachricht gibt es aber: "Noch schlimmer wird es dieses Jahr nicht", sagt Kretschmer.

Quelle: RP
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