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Moers
Grafschafter-Schüler und die Massaker in Oradur

Moers. Schon nach wenigen Sätzen wussten die Schüler des Grafschafter Gymnasiums: Dieser Bericht würden sie nicht unberührt lassen. Fritz Körber sprach kurz über sein Leben in Schwaig bei Nürnberg und dann über Oradour sur Glane. Jenes kleine Dorf mitten in Frankreich, das die SS-Panzerdivision "Das Reich" am 10. Juni 1944 fast vollständig auslöschte. Das Dorf wurde umstellt, die Männer in Hinterhöfen exekutiert und Frauen samt Kindern in der Dorfkirche eingeschlossen und bei lebendigem Leibe verbrannt. Weit über 600 Menschen kamen auf diese Weise ums Leben, nur sieben überlebten das grausame Massaker.

Bewegend erzählte Fritz Körber über den langen Weg der Aussöhnung, den er als Gemeinderat seiner Heimatstadt beschritten hat, um den Menschen von Oradour ein Zeichen tiefer Betroffenheit, Anteilnahme und menschlicher Verantwortung zu geben. Seine Hartnäckigkeit bei der Kontaktaufnahme, seine Vorsicht im Umgang mit den französischen Nachkommen des Massakers und schließlich seine ersten Fahrten mit Jugendlichen nach Oradour standen im Mittelpunkt seines Vortrags am Grafschater Gymnasium.

Auch der Zufall habe ihm immer wieder in die Hände gespielt und die ersten Begegnungen mit Robert Hébras, dem letzten Überlebenden von Oradour, möglich gemacht. Freunde seien sie geworden, sagt Körber, aber der Weg dorthin war lang und steinig.

Mittlerweile ist Oradour ein Mahnmal geworden, das an die Gräueltaten eines totalitären deutschen Regimes erinnern soll. Bis heute stehen die Ruinen des Dorfes und bilden eine imposante Gedenkstätte.

Lehren für die Zukunft, sagt Körber, ergebe sich aber nur, wenn man die Aussöhnung nie aus den Augen verliert und auf die Menschen, die in fast allen Ländern Europas unter der deutschen Nazidiktatur bitter gelitten haben, zugeht - auch als ganz junger Deutscher.

Die Schülerinnen und Schüler des Grafschafter Gymnasiums zeigten sich tief beeindruckt von den Erzählungen eines Mannes, der all diese Versöhnungs- und Begegnungsprojekte gelebt hat und immer noch - auch mit fast achtzig Jahren - lebt.

Quelle: RP
 
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