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Moers
Große Kunst für kleines Geld ausleihen

Moers: Große Kunst für kleines Geld ausleihen
Alice Schoofs, Martina Benzenberg und Eva Schmelnik (von links) präsentieren einige der Kunstwerke, die in der Artothek ausgeliehen werden können. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Vor 25 Jahren öffnete die Artothek erstmals. Seither können Moerser in der Bibliothek nicht nur Bücher, sondern auch Bilder ausleihen. Der damalige Bibliotheksleiter Dieter Bertermann hatte sich für ihre Gründung starkgemacht. Von Anja Katzke

"Der Dirigent" des Künstlers Bernd Kastenholz wurde seit Monaten nicht mehr in der Artothek gesichtet: "Das Bild bleibt nie lange im Bestand und wird sofort wieder ausgeliehen. Fragen Sie mich nicht warum", sagt Bibliotheksmitarbeiterin Martina Benzenberg und schmunzelt. "Der Dirigent" befindet sich in der Moerser Artothek in prominenter Gesellschaft: Kunstfreunde finden dort Grafiken von Künstlern wie dem Schriftsteller Günter Grass, Otto Piene, Otmar Alt und Jörg Immendorf. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Artothek haben Martina Benzenberg und Bibliotheksleiterin Eva Schmelnik im Foyer des Hüsch-Bildungszentrums eine kleine Ausstellung mit Bildern zusammengestellt, die die Moerser Artothek zur Ausleihe im Bestand hat.

Seit 1990 finden Kunstinteressierte in der Artothek eine Auswahl an Grafiken und einigen Unikaten, die sie für kleines Geld ausleihen können. Der damalige Bibliotheksleiter Dieter Bertermann, selbst begeisterter Kunstfreund und Sammler, machte sich dafür stark, auch in der Grafenstadt eine Artothek zu etablieren. Er begegnete der anfänglichen Kritik mit viel Überzeugungskraft, so dass die Einrichtung am 16. September 1990 mit rund 200 Grafiken starten konnte. Der Unternehmer Klaus Maas stellte aus seiner Stiftung DKM Werke zur Verfügung. Das Startkapital von 25 000 Mark kam zur Hälfte aus dem Landesentwicklungsprogramm für kreisangehörige Bibliotheken und aus dem städtischen Haushalt. Heute hat die Artothek 381 Grafiken im Bestand und zählt durchschnittlich 1000 Ausleihen im Jahr. "Wir schaffen im Jahr zwei bis drei neue Grafiken an", erklärte Martina Benzenberg im Gespräch mit dem Grafschafter. Es sind größtenteils Grafiken. "Wobei wir schon darauf achten, dass es sich um Arbeiten aus kleinen Auflagen handelt." Die Artothek hat inzwischen viele Stammkunden - seit dem vergangenen Jahr auch die JVA Kapellen, die ihren Bürotrakt mit den Bildern verschönt, wie Martina Benzenberg gestern berichtete. Neben den prominenten Künstlern sind auch Werke von beispielsweise Willibrord Haas, Sieglinde Layr und Rudolf Schütte im Bestand, die bei den Kunden der Artothek beliebt sind. Wie besonders die Moerser Bildersammlung ist, das bestätigte gestern Inga Schubert-Hartmann, die Vorsitzende des Artothekenverbandes in Nordrhein-Westfalen den Kuratoren der Bibliothek. "Sie haben hier Kultur pur", erklärte die Expertin und lobte die leichte Zugänglichkeit der Artothek in den Bibliotheksräumen. Grundidee der insgesamt 30 Artotheken im Land ist es, den Menschen die Schwellenängste vor den Museen zu nehmen und ein Verständnis für die Kunst zu fördern. "Das Motto lautet ,Bilder wie Bücher leihen'", erklärte Schubert-Hartmann. Artotheken seien zugleich eine Form der Künstlerförderung. "Künstler können darauf verweisen, dass sich ihre Bilder im öffentlichen Besitz befinden." Die Vorsitzende des nordrhein-westfälischen Artothekenverbands erinnerte gestern an einen Höhepunkt im vergangenen Jahr: Damals gehörte Moers zu den neun Artotheken, die ihre Bilder im Landtag präsentieren durften: Moers steuerte einen Otto Piene der Ausstellung bei.

Quelle: RP
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