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Moers
Großes Interesse an den Malteser-Hunden

Moers. Nach der Beschlagnahmung der verwahrlosten Hunde aus einer Zucht in Schermbeck hat die Vermittlung der Tiere begonnen. 400 Interessenten haben sich beim Weseler Tierheim gemeldet. 22 Hunde haben schon ein neues Zuhause. Von Michael Elsing

Mit einem solchen Ansturm hatte Gabriele Wettläufer wahrlich nicht gerechnet. Die Leiterin des Weseler Tierheims war schon sehr überrascht, wie viele Menschen sich meldeten, nachdem das Kreisveterinäramt die in einer tierschutzwidrigen Zucht in Schermbeck beschlagnahmten Malteser-Hunde (wir berichteten) dem Tierheim übereignet und somit der Weg zur Vermittlung frei gemacht hatte.

Mehr als 400 Interessenten waren es, die den derzeit in Lackhausen untergebrachten 65 Hunden ein neues Zuhause geben wollten. "Von diesem Andrang sind wir förmlich erschlagen worden und sind immer noch dabei, ihn abzuarbeiten", erzählt Wettläufer.

Zur Vorgeschichte: Vor etwas mehr als einem Monat hatte das Kreisveterinäramt bei einer Züchterin in Schermbeck 270 Hunde, die meisten davon Malteser, im Rahmen einer unangemeldeten Kontrolle beschlagnahmt. Sie waren in einem bemitleidenswerten Zustand und dort unter unwürdigen Umständen auf viel zu engem Raum gehalten worden.

Dr. Antonius Dicke, Leiter des Fachbereichs Veterinär- und Lebensmittelüberwachung beim Kreis Wesel, sprach damals von einer seiner schlimmsten Erfahrungen im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit. Außer in Wesel wurde die ungeheure Menge der Hunde auf die Tierheime in Kamp-Lintfort und Straelen verteilt. Schon unmittelbar nach Bekanntwerden des unplanmäßigen Malteser-Zuwachses in Wesel riss die Hilfsbereitschaft der Bürger nicht mehr ab. Tierfreunde boten ihre Unterstützung bei der Pflege der kleinen weißen Hunde an.

Aktuell hat das Team des Weseler Tierheims jeden Tag fünf Interessenten zu Gast. 22 Hunde sind bereits vermittelt worden. "Wir haben dabei darauf geachtet, dass die Hunde entweder zu zweit vermittelt wurden oder zu Familien kamen, in denen es bereits einen kleinen Hund gibt", erklärt Gabriele Wettläufer. Sie weist darauf hin, dass die Hunde nicht nur körperlich nicht auf der Höhe gewesen seien, sondern auch deren Psyche stark gelitten habe. "Sie sind verängstigt, scheu, kennen den Kontakt zu Menschen überhaupt nicht", so Wettläufer. Deshalb achtet sie mehr denn je darauf, in welches neue Zuhause diese Hunde kommen. Und im Gegenzug nehmen auch einige Interessenten von ihrem eigentlichen Vorhaben wieder Abstand, was die Tierheim-Leiterin verständlich und auch vernünftig findet.

"Die Verwahrlosung dieser Hunde ist schon einzigartig. Sie sind mit normalen Tieren nicht zu vergleichen", sagt Wettläufer. So sind auch sämtliche tierärztliche Behandlungen immer noch nicht abgeschlossen. "Gebisse mussten in Ordnung gebracht werden, damit die Tiere überhaupt wieder fressen können. Nabelbrüche mussten operiert werden", nennt Wettläufer nur zwei der vielen Eingriffe.

Und die sind natürlich nicht umsonst. Dr. Antonius Dicke beziffert die Summe, die dieses aktuelle Ereignis den Kreis kosten wird, auf etwa 40.000 Euro.

Im Vordergrund stehen aber die Malteser, die "ein verantwortungsvolles Zuhause bekommen sollen, in dem sie ihre traurige Vergangenheit schnell vergessen können", wie Tierheimleiterin Gabriele Wettläufer es mit viel Hoffnung aufs Gelingen formuliert. Sie schränkt aber auch ein: "Einige Extremfälle werden wir wohl noch etwas länger bei uns haben."

Quelle: RP
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