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Heimat genießen - in Moers
Grutbier für die Herren von Moers

Heimat genießen - in Moers: Grutbier für die Herren von Moers
FOTO: Dieker, Klaus (kdi)
Moers. Im Grafschafter Museum lernen Besucher viel über das Essen und Trinken im Mittelalter. Bier war schon damals bei den Grafen von Moers sehr beliebt. Das Museum bietet auch Schlossführungen mit Getränke-Proben an. Von Anja Katzke

Der Geschmack ändert sich durch die Zeiten, die Vorliebe fürs Bier ist aber geblieben: Schon die Herren von Moers tranken im Mittelalter gerne zum Schweinbraten im Brotmantel oder zum Wildbret einen zünftigen Krug Bier oder vielleicht auch zwei, drei Krüge mehr. Sie hatten aber deutlich stärkere Nerven, besser gesagt Geschmacksknospen als wir heute. Das Grutbier, das seinerzeit in den Kellern der Moerser Burg lagerte, hat es in sich: Es ist arg gewürzt, schmeckt süßlich und bitter, fast wie Hustensaft. Das Grafschafter Museum lädt auf manchen Führungen durchs Schloss auf ein Tässchen Bier oder Gewürzwein, so dass die Schlossbesucher das Moerser Mittelalter selbst einmal schmecken können.

"Das Grutbier wurde ohne Hopfen gebraut", erklärt Museumsleiterin Diana Finkele. Es bestand aus einer für heutige Gaumen ungewöhnlichen Kräutermischung. Wesentlicher Bestandteil waren die Blätter des Gagelstrauchs, der in den Feuchtgebieten des Niederrheins und der Niederlande verbreitet war. "Sie enthalten starke ätherische Öle, die dem Bier einen markanten Geschmack geben." Dazu kamen Salbei, Ingwer, Wacholder und Kreuzkümmel zum Beispiel. Damit ließ sich zu Tisch so manch schlechter Geschmack gut wegspülen.

"Zum Beispiel, wenn es nicht mehr ganz so frisches Fleisch gegessen wurde." In Zeugnissen taucht mit Everhard Gruter um 1418 erstmals ein "Fermentarius", also Brauer, auf. "Bierbrauer gab es sicher schon vorher in Moers. Viele Schriften wurden beim Brand 1599 zerstört", betont Diana Finkele. Die Herren von Moers waren dem Gesöff auf jeden Fall ziemlich zugetan. Bei den archäologischen Ausgrabungen ab 2000 auf dem Schlossgelände sprechen die Funde zahlloser Bierkrüge für einen intensiven Bierkonsum auf der Moerser Burg seit dem 14. Jahrhundert. Gebraut wurde es im eigenen Brauhaus.

Die Archäologen konnten es nicht finden. "Ein Inventar aus dem Jahr 1470/71 verrät, dass auf der Burg sowohl ein Back- als auch ein Brauhaus gab." Aus der Polizeiordnung von Graf Vinzenz um 1460 sind für Moers zwei Biersorten bekannt: Rot- und Braunbier sowie Keutebier mit Hopfen. Es war Alltagsgetränk und Armenspeise. Auf dem Schloss ging es jedoch oft deftiger zu: Bei Grabungen wurden die Knochen von Schwein, Rind Geflügel, Wild, Fisch sowie Schaf und Ziege gefunden: In Schloss ist ein Ziegenknochen (Astragal) ausgestellt. Der eignete sich gut dafür, nach dem Essen beim Bier zu würfeln.

Quelle: RP
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