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Moers
Händel-Oratorium in der Stadtkirche

Moers. "Josua" wird nur noch selten aufgeführt. An diesen Stoff hat sich der Grafschafter Konzertchor zusammen mit dem Musikverein Wesel und Begleitmusikern gewagt. Solisten und Chöre begeisterten das Publikum. Von Jan Caspers

Die Oratorien "Der Messias" und "Judas Maccabäus" gehören zu den berühmtesten Werken des Barockkomponisten Georg Friedrich Händel. Das Oratorium "Josua" ist hingegen weit weniger bekannt. Am vergangenen Samstag konnten sich die Besucher der Evangelischen Stadtkirche in Moers mit diesem Werk vertraut machen. Dort führte der Grafschafter Konzertchor das "Josua"-Oratorium gemeinsam mit dem Chor des Städtischen Musikvereins Wesel auf. Begleitet wurden die Chöre unter der Leitung von Hans-Günther Bothe vom Rheinischen Oratorienorchester.

Das "Josua"-Oratorium ist nahezu in Vergessenheit geraten, obwohl es im 19. Jahrhundert unter dem Dirigat berühmter Komponisten wie Felix Mendelssohn-Bartholdy und Robert Schumann aufgeführt wurde. Es gehört neben dem "Occasional Oratorio", "Judas Maccabäus" und "Alexander Balus" zu den Werken, mit denen Georg Friedrich Händel in der englischen Hauptstadt den Sieg des Hauses Hannover über die Truppen der Stuart-Dynastie feierte.

Die Uraufführung des "Josua" fand am 9. März 1748 in Covent Garden statt. Der Komponist Händel und sein Librettist Thomas Morell, die bereits beim Oratorium "Judas Maccabäus" erfolgreich zusammen gearbeitet hatten, griffen bei ihrer Arbeit auf das Buch Josua des Alten Testaments zurück. Gemeinsam mit Stammesführer Kaleb führt Josua als Nachfolger des Mose darin die Israeliten bei der Eroberung des Landes Kanaan an. Dabei erobern die Israeliten auch die Städte Jericho und Ai. Thomas Morell erweiterte den Bibelstoff für das Libretto allerdings um die Figuren Achsah, die Tochter des Kaleb, und Othniel, ein junger Krieger und Liebhaber Achsahs. Der Kontrast von kriegerischen Szenen und romantischen Episoden ergibt somit eher eine Sequenz von Ereignissen als eine durchgehend ausgearbeitete Handlung.

Bei der Aufführung des Oratoriums in der Evangelischen Stadtkirche wurden die Rollen der Achsah, des Josua, des Kaleb und des Othniel von den Solisten Charlotte Schäfer, Ulrich Cordes, Sebastian Seitz und Frederik Baldus übernommen. Die Figur des Engels, der Josua zum Angriff auf Jericho ermutigt, war mit Rebecca Schlünkes, Mitglied des Grafschafter Konzertchores, besetzt.

Trotz leider manchmal deutlich hörbarer Schwierigkeiten mit den Lautsprecherboxen beeindruckten sowohl die Solisten als auch die Chöre das Moerser Publikum mit ausdrucksstarken Arien und strahlenden Chorgesängen wie der Passage "Seht, er kommt mit Preis gekrönt", deren berühmte Melodie Händel auch im "Judas Maccabäus" verwendet hat und die der Komponist Friedrich Heinrich Ranke 1826 zum Adventslied "Tochter Zion" umarbeitete.

Quelle: RP
 
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