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Moers
Halbes Jahrhundert Tischlermeister

Moers. Der Moerser Manfred Scholz bekommt den Goldenen Meisterbrief. Von Markus Plüm

Manfred Scholz blickt mit gemischten Gefühlen auf die vergangenen 50 Jahre zurück: "Es war ein ständiges Auf und Ab. Wir hatten gute Zeiten, aber zwischendrin auch immer einmal ein paar Lücken." Dennoch kann der 77-Jährige stolz sein, denn gestern bekam der Moerser aus den Händen von Dietrich Bassfeld, Obermeister der Tischlerinnung, seinen goldenen Meisterbrief überreicht. Scholz legte am 1. September 1965 als 27-Jähriger erfolgreich seine Prüfung zum Tischlermeister ab. Damals war er schon rund 14 Jahre im Familienbetrieb beschäftigt. "Ich bin mit 13 Jahren bei meinem Vater in die Lehre gegangen, der den Betrieb 1935 in Schlesien gegründet hatte und dann ab 1947 hier in Moers weiterführte."

1974 übernahm Manfred Scholz schließlich das Geschäft und baute es kontinuierlich aus. "Ich bin da hineingewachsen, da gab es kein Entweder-oder." Mittlerweile ist mit seinem Sohn schon die dritte Generation am Werk - und auch der Enkel arbeitet inzwischen als Tischler im Familienbetrieb.

Allerdings hatte sich schon während seiner Schaffenszeit das Berufsbild des Tischlers sehr stark verändert, so dass auch er innovativ handeln musste. "Ich hatte acht Angestellte, damals musste man ja noch alles selber herstellen. Wir waren zum Beispiel die Ersten, die in Moers Kunststofffenster anbieten konnten." Das Handwerken habe ihm schon immer im Blut gelegen. Sein eigenes Meisterstück kann der Vater von zwei Kindern sogar immer noch sein Eigen nennen. "Ich habe einen Wohnzimmerschrank gebaut, der auch immer noch in unserer Wohnung steht. Das wäre auch schlimm, wenn dem nicht so wäre."

Auch dem Tischlernachwuchs konnte der 77-Jährige viel beibringen. "Der spätere Innungsobermeister hat sein Meisterstück bei uns gebaut." Traurig stimmen Scholz aber die heutigen Zustände in der Branche. "Heutzutage wird alles fertig angeliefert, man muss gar nicht mehr groß werkeln. Und ein Meistertitel ist auch kaum noch was wert, weil viele Arbeiten von Hausmeisterservices oder Baumärkten angeboten werden."

Quelle: RP
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