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Moers
Halleluja: Denkmalschutz für St. Ludger

Moers. Die katholische Kirche St. Ludger in Kapellen wird in die Denkmalliste der Stadt Moers eingetragen. Von Irena Al-Saigh

St.-Ludger in Kapellen: War das nicht die Kirche, deren Glockenturm 2015 wegen beschädigter Bausubstanz abgerissen wurde? Weitere Umbauarbeiten dürften sich in Zukunft schwieriger gestalten, denn der Ausschuss für Stadtentwicklung hat beschlossen, die katholische Kirche in die Denkmalliste der Stadt Moers einzutragen. Doch was macht diese Kirche so besonders?

Errichtet wurde die Kirche in den Jahren 1965 bis 1967 von dem einflussreichen Architekten und Kirchenbaumeister Josef Lehmbrock. Der 1918 geborene Düsseldorfer wurde von 1948 bis 1968 mit vielen Wiederaufbauten, Um- und Neubauten beauftragt und war in dieser Zeit einer der wichtigsten Vertreter des modernen Kirchenbaus. Er entwarf auch den 46 Meter hohen Glockenturm, der nun bedauerlicherweise nicht mehr neben der Kirche in den Himmel ragt. Laut Godehard Hoffmann, wissenschaftlicher Referent des Landschaftsverbands Rheinland - Amt für Denkmalpflege, verhindert der fehlende Turm jedoch nicht den Denkmalwert der Kirche.

Die Begründung eben dieses Denkmalwertes liegt laut Hoffmann in der Bedeutung der Kirche St. Ludger für die Geschichte des Menschen sowie der Städte und Siedlungen. Zudem bestehe aus wissenschaftlichen und ortsgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse an ihrer Erhaltung und Nutzung. So sei die Kirche St. Ludger mit ihrer Ausstattung ein aussagekräftiges Zeugnis der religiösen und sozialen Verhältnisse in Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Sie zeige exemplarisch, welche Entwicklungen der Kirchenbau nach 1945 durchlief.

Sie habe auch einen besonderen Aussagewert für die Bau- und Siedlungsgeschichte der Stadt Moers, da sie den historischen Entstehungsprozess und das schnelle Wachstum Kapellens bezeuge. Durch den Bergbau und die Folgen des Krieges erlebte der anfangs noch kleine, von einer mehrheitlich protestantischen Bevölkerung bewohnte Ort nämlich einen beständigen Zuzug an neuen Bewohnern verschiedener Konfessionen. Darüber hinaus sei die St.-Ludger-Kirche ein anschauliches, weitgehend unverändert erhaltenes und qualitätsvolles Zeugnis für den Sakralbau der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, anhand dem sich das architektonische Werk Josef Lehmbrocks in der Nachkriegszeit erschließen lasse.

Der an eine Parabel angelehnte Grundriss des Bauwerks erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich für eine Kirche. Lehmbrock selbst schrieb in seinem Konzept über die St.-Ludger-Kirche: "Erst beim Betreten des Gebäudes offenbart es sich als Gotteshaus. Und hier ist derjenige, der zum ersten Mal das Kircheninnere betritt, überwältigt von der Architektur des Raumes".

Genau so sieht das wohl auch der Ausschuss, dessen Beschluss von der SPD Kapellen begrüßt wird. "Die Kirche steht seit nunmehr 50 Jahren wie kaum ein anderes Gebäude für die Entwicklung und Geschichte in Kapellen. Mit dem dazugehörigen Pfarrheim und dem Kindergarten ist sie ein zentraler Ort und emotionales Wahrzeichen für viele Bürgerinnen und Bürger, die meist schon lange hier leben. Wir freuen uns, dass auf Empfehlung des Landschaftsverband Rheinland dieser Beschluss Einstimmigkeit im Ausschuss Stadtentwicklung, Planen und Umwelt gefunden hat", sagt Andreas Albrecht, Vorsitzender der SPD Kapellen.

Quelle: RP
 
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