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Moers
Hedda Gabler in der Puppenstube

Moers: Hedda Gabler in der Puppenstube
Magdalene Artelt spielt Hedda Gabler, die ihre Ansprüche ans Leben rücksichtslos einfordert und schließlich einen Mann dazu bringt, sich das Leben zu nehmen. FOTO: Schlosstheater/ Lars Heidrich
Moers. Es ist eine düstere Gemeinschaft, die auf der leeren Bühne im Schloss Aufstellung nimmt und in Regungslosigkeit verharrt. Genauso düster wie der schwarze Vorhang, der die Bühne komplett einrahmt. Es könnte auch eine Beerdigungsgesellschaft sein. Von Anja Katzke

Die erste Szene in Ulrich Grebs Inszenierung von Ibsens "Hedda Gabler" nimmt fast das Ende vorweg, das sich doch erst noch entrollen soll: Das Drama ist vollendet. Es gibt nichts mehr zu sagen. Schwere Stille. Bis das Schweigen doch gebrochen wird. Das manipulative Spiel, das Ibsen inmitten dieser bürgerlichen Gesellschaft mit all ihren Wünschen und Bedürfnissen hineingepflanzt hatte, kann beginnen. Leider nur vor einem kleinen Premierenpublikum, das zum Spielzeitauftakt den Weg in das Moerser Schloss gefunden hatte.

Das ist schade. Denn das Schlosstheater fasziniert mit einem atmosphärisch dichten und fesselnden Kammerspiel um Hedda Gabler, die ihre Ansprüche ans Leben rücksichtslos einfordert und schließlich einen Mann dazu bringt, sich das Leben zu nehmen - weil sie einmal die Macht über das Schicksal eines anderen Menschen haben möchte. Magdalene Artelt gibt Hedda Gabler distanziert, kühl und herablassend. Nur in kurzen Momenten lässt sie die Maske fallen. Sie ist die Zynikerin, die die bürgerliche Sicherheit gesucht hat, weil sie sich "müde getanzt" hat, der das Leben an der Seite ihres Ehemanns Jörgen Tesman aber nur die Langeweile bietet.

Kein Pferd, kein Diener in Livree: Da bleibt eben nur, sich die Zeit ballernd mit der Pistole zu vertreiben. Oder aber: die Kontrolle über die anderen zu übernehmen. Die bürgerliche Salonwelt, in der es um das Sein und den Schein geht, findet auf der karg und trostlos eingerichteten Bühne trotzdem ihren Platz - als Puppenstube im Maßstab 1:12, die Bühnenbildnerin Birgit Angela mit einem Blick fürs Detail ausstaffiert hat: Der Tisch ist mit Geschirr eingedeckt, in der Wanne liegt ein Blumenstrauß, im Wohnzimmer steht das Klavier - alles im Miniaturformat. Darin: die exakten Kopien der fünf Schauspieler aus dem 3D-Drucker. In Ulrich Grebs Inszenierung werden sie zu ihren eigenen Puppenspielern. In dem Häuschen installierte Kameras übertragen das Innere auf die Leinwand, die frontal zum Publikum aufgestellt ist.

So gelingt es Greb nicht nur, sein Ensemble zu verdreifachen, sondern das Spiel auf der Bühne und das Beziehungsgeflecht zwischen Hedda Gabler, ihrem Mann Jörgen Tesman (Matthias Heße), Eilert Lövborg (Patrick Dollas), mit dem Hedda eine Amour fou verband, dem widerlichen Amtsgerichtsrat Brack (Frank Wickermann), dem eine Ménage à trois vorschwebt, und Frau Elvsted (Marissa Möller), die aus ihrer Ehe ausgebrochen ist, um bei Lövborg zu sein, auf unterschiedliche Ebenen zu heben.

Das Puppenhaus und die Gegenstände im Miniaturformat bringen das Spielerische in die zuweilen getragene und wortlastige Inszenierung. Und sie bieten Raum für kleine Humor-Einlagen. Wenn Matthias Heße zum Beispiel mit Lupe und Pincette seine Hausschuhe und Bücher im verkleinerten Maßstab 1:12 vorzeigt, sind ihm die Lacher der Zuschauer gewiss.

Die nächste Vorstellung ist Sonntag, 18 Uhr, im Schloss. Weitere Aufführungen am 17. September und am 15. Oktober, jeweils 19.30 Uhr.

Quelle: RP
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