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Moers
Heute vor 80 Jahren: 61 Widerständler aus Moers verurteilt

Moers: Heute vor 80 Jahren: 61 Widerständler aus Moers verurteilt
Grundsteinlegung für das Moerser Rathaus im Jahr 1950. Links Bürgermeister Wilhelm Müller, der als Nazi-Widerständler ein Jahr und sieben Monate Haft abgesessen hatte. FOTO: Stadtarchiv
Moers. Sozialdemokraten aus dem Altkreis hatten Flugblätter gegen die NS-Diktatur verteilt.

Heute vor 80 Jahren, am 22. Juli 1936, wurden 61 Widerständler aus dem Altkreis Moers vom Oberlandesgericht Hamm zu Zuchthausstrafen verurteilt. Auf den Jahrestag wies gestern Bernhard Schmidt, Vorsitzender des Vereins "Erinnern für die Zukunft" hin. Die Verurteilten gehörten dem sozialdemokratischen Widerstandskreis um Hermann Runge in der Hamborner Brotfabrik Germania an. Sie waren im Mai und Juni 1935 bei einer Groß-Operation verhaftet worden. Der Vorwurf lautete "Vorbereitung zum Hochverrat". "Die Widerständler stammten vor allem aus den Arbeiterbezirken des südlichen Altkreises Moers, wo sie Flugblätter gegen die NS-Diktatur verteilt hatten", berichtete Schmidt. Die Gerichtsverhandlung ging als "Brotfahrerprozess" in die Geschichte ein: Die Angeklagten hatten in der damaligen Hamborner Brotfabrik "Germania" (auch "Großbäckerei Kordahs" genannt) gearbeitet und neben Brot und Zwieback auch das verbotene Infomaterial verteilt.

Die 61 Sozialdemokraten musste Strafen zwischen acht Monaten und drei Jahren und fünf Monaten absitzen. "Unter den Verurteilten befanden sich mit Wilhelm Müller, Johann Steegmann und Robert Schmelzing auch die ersten Nachkriegsbürgermeister von Moers, Rheinkamp und Kamp-Lintfort, die Haft und Misshandlungen überlebt hatten. Nach Wilhelm Müller ist in der Moerser Mattheck eine Straße benannt." Zu den Verurteilten zählte auch Peter Zimmer, der 1946 zum ersten Alterspräsidenten des neugewählten NRW-Landtags berufen wurde.

Nahezu gleichzeitig mit den Sozialdemokraten waren im Kreis Moers mehr als 80 Kommunisten in die Fänge der Gestapo geraten. Sie wurden später in einem Massenverfahren zu insgesamt mehr als 200 Jahren Zuchthaus verurteilt. Hermann Vennemann erhielt 15 Jahre Zuchthaus und wurde in der Haft zu Tode gequält. In der Haft starben auch Ernst Freiberg und Karl Rautenberg, denene Ehrengräber auf dem Friedhof in Meerbeck gewidmet sind.

Quelle: RP
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