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Moers
Humorica distanziert sich vom Hoppeditz

Moers. Der Humorica-Senator und stellvertretende Bürgermeister Ibrahim Yetim kündigt für den heutigen Prinzenempfang eine Erklärung zu den von vielen als ausländerfeindlich empfundenen Äußerungen von Hoppeditz Reiner Schmitz an. Von Jürgen Stock

Die umstrittene Rede von Hoppeditz Reiner Schmitz bei der Auftaktveranstaltung der Karnevalsgesellschaft Humorica hat gestern zu ersten Konsequenzen geführt: Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns eine Stellungnahme der Humorica, mit der sich die Gesellschaft von Schmitz distanziert: "Wir, die KG Humorica, bedauern sehr, dass die in Reim-Form vorgetragene Karnevalsrede unseres Hoppeditz Reiner Schmitz in Bezug auf die Asylpolitik der Bundesregierung und bezüglich des Moerser Festivals für unliebsame Verärgerung gesorgt hat. Hiermit distanzieren wir uns von der Ausführung des Hoppeditz. Jeder Redner ist grundsätzlich für seinen Vortrag selbst verantwortlich.

Es ist sein Gedankengut, was von ihm ohne vorherigen Einblick vorgetragen wird. Wir, als Karnevalsgesellschaft, betonen ausdrücklich, dass wir für Offenheit und Toleranz stehen."

Zahlreiche Karnevalisten hatten sich als Reaktion auf die Berichterstattung unserer Redaktion im Laufe des gestrigen Tages ebenfalls von den Äußerungen Schmitz', distanziert, die am Dienstagabend in der Gaststätte "Haus Engeln" gefallen waren.

"Das war unterste Schublade", sagte etwa Dieter Böhl, Präsident der Karnevalsgesellschaft Fidelio. "Bei uns am Tisch haben während der Hoppeditz-Rede viele den Kopf geschüttelt - und das nicht nur an einer Stelle."

So hatte Schmitz, wie von unserer Redaktion berichtet, einen Schwerpunkt auf die Asylpolitik Angela Merkels gelegt. Unter Hinweis auf die in Deutschland lebenden Asylbewerber hatte er behauptet, dass "Gefahren für unsere Frauen an jeder Ecke" lauerten. Es gebe eine Grenze, den nach Deutschland eingereisten Flüchtlingen Wohnungen und Arbeit zu verschaffen. Auch Deutsche seien hierzulande arm und bräuchten Hilfe.

Laut Böhl hätten viele im Saal die Rede als ähnlich peinlich empfunden: "Das war am Ende ein reiner Höflichkeitsapplaus."

Humorica-Präsident Lothar Eichner stellte gestern klar, dass er die Hoppeditz-Rede gar nicht gehört habe, weil er zu diesem Zeitpunkt mit anderen Dingen befasst gewesen sei. Er hatte zunächst gesagt, dass er an Schmitz' Rede "nichts Fremdenfeindliches" habe entdecken können. Er verwies darauf, dass Schmitz sein Amt als Hoppeditz seit beinahe 20 Jahren versehe. "Für mich gibt es keine Möglichkeit, im Vorfeld zu prüfen, was einer in einer Karnevalsrede sage will", betonte Eichner. Grundsätzlich müsse aber im Karneval alles erlaubt sein, was nicht ausdrücklich verboten sei.

Nun, da das "Kind in den Brunnen gefallen" sei, wolle er sich mit den übrigen Karnevalspräsidenten treffen, um gemeinsam zu überlegen, wie man weiter vorgehen könne. "Donald Trumpp lässt grüßen", kommentierte Amar Azzoug, Vorsitzender des Bunten Tisches die Äußerungen des Hoppeditz. Azzoug ist, wie andere prominente Moerser, Träger des Schlossordens, den die Humorica für soziale Verdienste vergibt.

Dazu zählt auch die Utforter Unternehmerin Heike Marschmann. "Ich war nicht auf der Sitzung, aber wenn das stimmt, bin ich ziemlich irritiert. In unserem Betrieb haben wir mit den Asylbewerbern, die bei uns arbeiten, die besten Erfahrungen."

Noch deutlicher wurde Guido Lohmann, Vorsitzender der Volksbank Niederrhein, Schlossordensträger und Senator der Humorica: "Ich war bei der Sitzung zwar nicht dabei. Sollten sich die in der Rheinischen Post von Schmitz wiedergegebenen Äußerungen bestätigen, wäre das ein dicker Hund. So etwas ist völlig indiskutabel. Damit fällt man mir und meinem Engagement auch persönlich in den Rücken."

Ibrahim Yetim (SPD), Vorsitzender des Integrationsausschusses im Landtag, stellvertretender Bürgermeister und ebenfalls Humorica-Senator schätzte sich gestern glücklich, dass er zum Hoppeditz-Vortrag wegen Verpflichtungen in Düsseldorf zu spät kam. Er kündigte für heute eine Erklärung beim Prinzenempfang im Rathaus an: "Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen gehört zum Karneval", sagte er. Dabei komme es aber auch darauf an, in welcher Form sie geäußert werde.

Nicht auszuschließen, dass die Affäre auch politische Kreise zieht. Der als streitlustig geltende Schmitz ist Schatzmeister der Moerser Seniorenunion. Deren Vorsitzender, Horst Sprang, sieht indes keinen Anlass, Konsequenzen zu ziehen: "Wir hatten gestern Stammtisch. Da war das kein Thema."

Quelle: RP
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