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Landtagswahl 2017
Ibrahim Yetim tritt für die SPD an

Moers. Wenn jemand weiß, was es heißt, sich aus kleiner Verhältnissen nach oben zu arbeiten, dann ist es Ibrahim Yetim. Geboren in Dinslaken-Lohberg, durfte der Sohn einer sechsköpfigen kurdisch-türkischen Zuwandererfamilie nach Besuch einer katholischen Grundschule nicht aufs Gymnasium.

"Die Lehrer meinten, dass meine Eltern mir im Ernstfall nicht helfen könnten", erinnert sich Yetim. So macht er den Hauptschulabschluss und lernt Bergmann wie so viele andere Migrantenkinder.

Sechs Jahre lang schuftet Yetim auf der Zeche Walsum unter Tage. Während dieser Zeit holt er erst seinen Realschulabschluss, dann auf dem Abendgymnasium sein Abitur nach. Wenn andere in Urlaub fahren, büffelt Yetim. "Ich hatte immer den Wunsch voranzukommen", erinnert er sich. An der Uni geht die Ochsentour weiter. Yetim studiert erst Jura in Bielefeld, dann Kommunikationswissenschaften, Psychologie und Soziologie in Essen. Während des Studiums arbeitet er - unter anderem in der Duisburger Disco "Old Daddy". Von dem Geld, das er verdient, finanziert er sein Studium, und unterstützt auch noch seine Eltern. "Die viele Arbeit war für mich ganz normal, ich war ja nichts anderes gewöhnt" sagt Yetim. 1996 schließt er das Studium mit dem Magister ab. Zur Parteipolitik findet er relativ spät. Zwar engagiert er sich schon während seiner Bergmannszeit in der Gewerkschaft. Der SPD tritt er jedoch erst 1991 bei. 1996 dann der erste große Schritt auf der politischen Karriereleiter: Die Duisburger Jusos wählen ihn zu ihrem Vorsitzenden. 2002 zieht er auch in den Duisburger Rat ein.

Auf der Suche nach einem Eigenheim landet er 2005 in Moers-Kapellen und tritt dem Ortsverein Moers der SPD bei. Für Yetim muss es wohl nach dem Wechsel von der Zeche an die Uni ein zweiter Kulturschock in seinem Leben gewesen sein. "Die Menschen in Moers ticken ganz anders als in Duisburg", sagt er. "Dort ist man viel direkter. Hier hingegen sind die Menschen viel stärker vernetzt. Jeder ist irgendwie mit jedem bekannt." Solche Netzwerke sind praktisch für die, die sie zu nutzen verstehen, aber oft hinderlich für Neuankömmlinge. Doch offensichtlich erkennen die meisten Moerser Genossen schnell, dass ihnen da ein politisches Talent in den Schoß gefallen ist. Yetim wird Pressesprecher der SPD. Das macht ihn in Moers schnell bekannt. Auch beruflich spielt die Politik inzwischen bei Yetim eine Hauptrolle. Nach drei Jahren in der freien Wirtschaft wird er 1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Krefelder Bundestagsabgeordneten Bernd Scheelen und 2000 Geschäftsführer der SPD in Krefeld und im Kreis Viersen. Dieses Amt gibt er auf, als die Bürger in Moers und Neukirchen ihn 2010 zum Nachfolger von Elke Talhost wählen. Landespolitisch hat er sich einen Namen gemacht als integrationspolitischer Sprecher seiner Partei. "Mir macht es auch nichts, wenn man mir vorwirft, ich sei auf das Thema ,Integration' festgelegt. Denn ich glaube, dass das für die nächsten Jahre eines der wichtigsten Themen für unser Land sein wird", sagt Yetim. Allerdings möge man bitte nicht sein Engagement in Fragen der Inneren Sicherheit vergessen. Yetim ist Mitglied des Innenausschusses des Landtags und Mitglied der NSU-Untersuchungskommission. Yetim hat keine Probleme damit, dass Zuwanderer, die "sich nicht integrieren können oder wollen", wieder abgeschoben werden. Viele in der SPD hätten ihn gerne als Bundestagskandidaten gesehen. Aber da spielte der verheiratete Vater einer 13-jährigen Tochter nicht mit. "Das wollte ich meiner Familie nicht antun."

Ibrahim Yetim (52) +++ geboren in Dinslaken +++ gelernter Bergmann und Kommunikationswissenschaftler +++ SPD-Mitglied seit 1991.

Quelle: RP
 
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