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"Ich will auf der Bühne nicht dozieren"

Moers. Kabarettist Horst Schroth gastiert mit seinem Programm "Null Fehler" in der Kulturhalle. Wir sprachen mit ihm über Lehrer im Kabarettpublikum, über seine Fernseh-Erfahrungen und was er mit der Stadt Neukirchen-Vluyn verbindet.

Herr Schroth, der Lehrer Laux stand in den 90er Jahren im Mittelpunkt Ihres ersten Soloprogramms. Was bewegt Sie nun, die Figur wiederzubeleben?

Horst Schroth Der Laux ist sozusagen zusammen mit mir alt geworden, und es bot sich an, mit seiner Figur eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Sie selber können auf keine Erfahrungen als Lehrer zurückgreifen.

Schroth Nein, das Lehramt habe ich nie angestrebt. Ich habe zunächst BWL studiert, später Geschichte und Sozialwissenschaften. Aber natürlich habe ich die Schule als Kind erlebt, und ich konnte auf "geliehene" Erinnerungen von Bekannten zurückgreifen.

Wie fallen denn die Reaktionen aus der Lehrerschaft auf die Laux-Figur aus?

Schroth Lehrer und Lehrerinnen sind im Kabarettpublikum ja meist stark vertreten, und einige schreiben mir ihre Meinung. Manche finden, dass ich den Lehreralltag sehr treffend gezeichnet habe, andere widersprechen mir.

Sie sind Jahrgang 1948. Wie haben Sie die Schule erlebt?

Schroth Die Schule in den 50ern war noch recht stramm. Man merkte einigen Lehrern den Offiziershintergrund an. Im besten Fall waren sie streng und gerecht, es gab aber auch solche, die geradezu sadistisch waren.

Nun ist Lehrer Laux ja ein ganz andere Typ, ein moderner Pädagoge, ein echter 68er.

Schroth Richtig, darum geht es eigentlich bei der Figur, um die Alt-68er und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert haben. Was ist aus ihren Idealen geworden, wie stehen sie heute dazu, das spielt in dem Programm eine wichtige Rolle.

Sehen Sie sich selber als eine Art Pädagoge, wenn sie als Kabarettist auf die Bühne gehen?

Schroth Nein, weil Pädagogen ja immer vom Defizit ausgehen. Aber ich bin sicher, dass das Publikum nicht dümmer als ich, deshalb möchte ich nicht dozieren. Zu meinem Anspruch gehört auch, die Leute zu unterhalten.

Einer Ihrer großen Erfolge war das Programm "Herrenabend". Darin und in weiteren Programmen sind sie den Beziehungen zwischen Männern und Frauen nachgegangen. Gab es darauf auch viele Reaktionen?

Schroth Oh ja, besonders von Frauen. Ich habe Schreiben bekommen, in denen Frauen fragten: "Warum benehmen sich Männer eigentlich so oder so?" In meinem Programm "Wenn Frauen fragen" habe ich einige dieser Briefe eingebaut.

Der "Herrenabend" hat Ihnen auch viel TV-Präsenz eingebracht. Ist das für eine Kabarettkarriere der entscheidende Faktor?

Schroth Früher war das sicherlich wichtig, um bekannt zu werden, aber heute, mit den unzähligen Sendern, ist es meiner Meinung nach nicht mehr so entscheidend.

Im ZDF-Fernsehen haben sie vor rund einem Jahrzehnt die Hauptrolle in den beiden Serien "Halt durch Paul" und "Papa ist der Boss" gespielt.

Schroth Das war eine interessante Erfahrung, ich habe eine Menge über das Fernsehen und die Programmstruktur gelernt. Unter anderem, dass die Programmdirektoren im Zweifelsfall mehr zu sagen haben als die Redakteure.

Kennen Sie sich in Neukirchen-Vluyn aus? Oder hat man auf Tournee gar keine Möglichkeit, sich auf die jeweilige Stadt einzustellen?

Schroth Neukirchen-Vluyn ist mir durchaus ein Begriff, nicht zuletzt, weil Moers in der Nähe ist, die Stadt Hanns Dieter Hüschs. Inzwischen bleibe ich auch gern an einem Ort, wenn ich Auftritte habe, buche dort ein nettes Hotel, das ich kenne, und fahre dann zu den einzelnen Veranstaltungsorten. Von einem Hotel zum anderen zu fahren, finde ich unangenehm.

DAS INTERVIEW FÜHRTE STEFAN GILSBACH

Quelle: RP
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