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Heimat erleben in Moers
Ihr Leben dreht sich ums Karussell

Heimat erleben in Moers: Ihr Leben dreht sich ums Karussell
FOTO: Dieker, Klaus (kdi)
Moers. Seit 30 Jahren ist Katy Bruch Schaustellerin. Früher ging sie mit ihrem Mann durch Deutschland und das benachbarte Ausland auf Achse. Jetzt baut die 53-Jährige ihre Fahrgeschäfte nur noch bei Veranstaltungen in Moers auf. Von Philipp Kluge

Katy Bruch hat in ihrem Leben als Schaustellerin schon viel erlebt. Die Zeit mit ihrem ehemaligem Mann wird sie nicht vergessen. "Es war ein anderes Leben. Wir verbrachten neun Monate des Jahres in einem Wohnwagen", erzählt die 53-Jährige. Von März bis zu den Weihnachtsmärkten hat sich das Leben von Katy Bruch auf wenigen Quadratmetern abgespielt. "Es war eine schöne Zeit, doch ich vermisse sie nicht. Ich bin auch glücklich mit meinem jetzigen Leben", sagt sie.

Mit 23 Jahren hat Katy Bruchs Leben als Schaustellerin begonnen. Dabei ist das alles eher zufällig passiert. "Ich habe nach meinem Abitur am Grafschafter Gymnasium eine Ausbildung in Vermessungstechnik gemacht. Dann habe ich meinen Mann kennengelernt, der aus einer Schaustellerfamilie gekommen ist. Und so fing mein neues Leben dann an", sagt sie. Bis 2004 sind die beiden durch ganz Deutschland getourt und waren in den verschiedensten Städten. Dann haben sie sich getrennt, doch Katy Burch ist weiterhin als Schaustellerin tätig. "Ich musste damals viele Freunde und meine Hobbys aufgeben, um mit meinem Mann im Wohnwagen von Ort zu Ort zu reisen", sagt sie. Besonders für ihre Tochter ist es nicht leicht gewesen, ein vernünftiges Leben zu führen. "Sie musste damals von einer Schule zur nächsten wandern und konnte keine Kontakte knüpfen."

Doch in der Zeit, als sie noch mit ihrem ehemaligen Mann durch Deutschland gefahren ist, hat sie auch einiges erlebt. "1989 stand ich mit meinem Mann auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin auf dem Alexanderplatz, von wo wir den Mauerfall miterlebt haben", erzählt Katy Bruch. Sogar international sind die beiden unterwegs gewesen. In Luxemburg hatten sie öfters die Möglichkeit gehabt, ihre Fahrgeschäfte aufzubauen.

Jetzt hat Katy Bruch mehr Zeit für ihre Familie und ihre Kinder. Sie baut ihre Karussells nur noch in Moers auf. "Mein Leben ist viel ruhiger geworden. Ich kann meine Hobbys wieder wahrnehmen. Vor ein paar Wochen konnte ich sogar zu einem Klassentreffen meiner alten Schule gehen", sagt sie, und weiter: "Wenn ich meine Karussells in Moers aufbaue, dann bei den vier großen Veranstaltungen." Gemeint sind damit der Moerser Frühling, die Kirmes, Moerser Herbst und der Weihnachtsmarkt.

Ihre zwei Fahrgeschäfte, ein kleines und ein großes Karussell, hat sie aus der Ehe mitgenommen. "Damals besaßen wir ein Riesenrad, eine Achterbahn und die zwei Karussells. Nach der Trennung habe ich beide behalten und bin damit in Moers unterwegs."

Mit ihrem kleinen Karussell ist sie beim diesjährigen Moerser Herbst vertreten gewesen. Dort kamen nicht so viele Kunden wie in den Jahren zuvor , da der Samstag Feiertag war. Doch solche Situationen kennt Bruch. "Als Schaustellerin muss man sich auf alles einstellen. Ein Feiertag, weniger Kunden, andere Veranstaltungen in der Umgebung oder ein schlechter Standort für das Fahrgeschäft sind Szenarien, auf man gefasst sein muss. Aber in diesem Beruf steht und fällt alles vor allem mit dem Wetter."

Mit einer Absage von Veranstaltungen muss Katy Bruch auch rechnen. "Nur weil man immer einen Standplatz, zum Beispiel auf der Kirmes, bekommen hat, heißt das noch lange nicht, dass man im nächsten Jahr auch einen zugewiesen bekommt."

Die kleinen Fahrgeschäfte, wie ihre zwei Karussells, seien stressiger als die großen, meint Katy Bruch. "Es gibt Situationen, da steht ein Kind im Fahren auf und die Eltern springen aufs Karussell, weil sie Panik bekommen. Sowas habe ich alles schon erlebt." Sie freut sich hingegen über die Kinder, die ihr vom Karussell aus zuwinken und Spaß haben. "Mir haben sogar schon welche selbstgemalte Bilder von meinem Karussell und mir geschenkt. Da freut man sich dann besonders."

Allerdings halte die Zukunft keine guten Nachrichten für die Schausteller bereit, meint Katy Bruch. "Es werden von Jahr zu Jahr immer weniger Besucher", sagt sie. "Der Beruf Schausteller hat keine große Zukunft mehr. Ich muss nicht nur um eine Zusage zu einer Veranstaltung bangen, sondern auch um die Kunden."

Quelle: RP
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