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Moers
Illegale Sammler schädigen Verbraucher

Moers: Illegale Sammler schädigen Verbraucher
Auch die Enni verkauft die Kleidung, die in einen der rund 100 Sammelcontainer geschmissen wird. Die Einnahmen fließen jedoch direkt zurück in die Gebührenkalkulation. 153 000 Euro sind allein 2013 so zur Stabilisierung der Müllgebühren eingenommen worden. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Rund 100 Container hat die Enni aufgestellt, um alte Kleidung zu sammeln. Konkurrenz machen Sammler, die Körbe vor Haustüren platzieren. Dass diese Körbe von Einbrechern oder Tierfängern stammen ist hingegen nur ein Gerücht. Von Christian Breuer

Bei der Enni haben die gewerblichen Sammler, die immer wieder bunte Wäschekörbe im Stadtgebiet teilen, einen vielsagenden Namen: "Müllpiraten" werden sie dort genannt. So sagt Ulrich Kempken, Enni-Abteilungsleiter für die Bereiche Entsorgung und Reinigung: "Immer wieder stellen Müllpiraten ihre Wäschekörbe auf und hoffen auf Beute. Wer darin seine Altkleider entsorgt, unterstützt nur diese Sammler und maximiert deren Gewinn, unterstützt jedoch nicht seine eigene Abfallgebühr."

Denn die Enni sammelt - seit April 2013 - selber auch gebrauchte Kleidung, rund 100 Container stehen in Moers. In die wurden im ersten Jahr 352 Tonnen Altkleider geworfen, im ersten Halbjahr 2014 rund 300 Tonnen. Die Enni verkauft die Kleidung, für die 300 Tonnen etwa gab es 153 000 Euro. Geld, das direkt in die Gebührenkalkulation einfließt. "Die Erlöse tragen so zu stabilen Abfallgebühren bei", sagt Unternehmenssprecherin Katja Nießen. Heißt: Je mehr Kleidung in den Enni-Containern landet, desto weniger Geld muss das Unternehmen über Müllgebühren von den Bürgern einholen.

Und der Schaden, der durch andere Sammler - legale wie illegale - entsteht, ist nach der Prognose von Ulrich Kempken durchaus beachtlich. Rund 50 000 Euro gehen der Enni so durch die Lappen, schätzt er. Bei einer Betrachtung aller Wertstoffe, also auch Metall, Altpapier und Elektroschrott, werden die Zahlen noch deutlicher: "Durch deren Diebstahl gehen der Enni und damit dem Moerser Gebührenzahler jedes Jahr Erlöse in sechsstelliger Höhe verloren", betont Katja Nießen. Von 2001 bis 2013 etwa sei die eingesammelte Altmetallmenge von 570 auf 150 Tonnen gesunken, für die Enni ein Minus von 120 000 Euro. Das wiederum auf die Bürger umgelegt werden muss.

Die immer mal wieder vor den Haustüren abgestellten weißen Eimer oder bunten Körbe sorgen bei vielen Menschen allerdings auch für Verwunderung oder Sorge. So machen immer wieder Gerüchte die Runde, dass Tierfänger mit diesen Behältern auf Jagd gehen oder Einbrecher so mögliche Ziele auskundschaften und markieren wollen. Doch die Kreispolizei in Wesel wiegelt ab.

Die Gerüchte seien zwar bekannt, sagt Sprecher Franz-Josef Kuhmann, "aber uns ist darüber nichts bekannt." Bis jetzt gebe es weder entsprechende Erkenntnisse noch Anzeigen.

Das bestätigt Heidi Simanowitz vom Kreis Wesel. Auch bei der Koordinationsgruppe Abfallwirtschaft gibt es über derartige Fälle "keine Kenntnis", sagt sie. Wohl aber über die Sammlungen an sich. "Eine gewerbliche Abfallsammlung muss beim Kreis angezeigt werden", erklärt sie.

Sollten Bürger Zweifel haben, dass es bei einer Sammlung mit rechten Dingen zugeht, können sie sich telefonisch an die Kreisverwaltung wenden und dort nachfragen. Es sei jedoch schwierig, entsprechende Anfragen nachzuhalten, muss Heidi Simanowitz zugeben, zumindest werde man sich aber mit den Sammlern in Verbindung setzen.

Bei der Enni klingt das rigoroser: "Wer die Tonnen oder Körbe nicht wünscht, kann den Behälter auf den Gehweg stellen, um darüber deutlich zu machen, dass er den Behälter nicht auf seinem Grundstück wünscht und sich anschließend per Mail bei der Enni melden. Die Enni kümmert sich dann darum", sagt Katja Nießen.

Quelle: RP
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