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Moers
Im Dialog mit der Natur

Moers: Im Dialog mit der Natur
Still ruht der Silbersee: Die fünf Zwiebeltürme von Irmin Kamp auf dem See luden die Besucher zum Verweilen ein. FOTO: RPO
Moers. Vom Geheimtipp zum einzigartigen Kunst-Ereignis: Das Seekwerk lud zur fünften Werkschau an den Silbersee in Kapellen. Besucher von nah und fern erlebten zur Eröffnung einen Nachmittag, der der zeitgenössischen Kunst gewidmet war. Höhepunkt sind die Plastiken von Irmin Kamp. Von Anja Katzke

Auf dem abgeernteten Acker nebenan wächst das Blech: Beeindruckend viele Besucher parken schon am frühen Nachmittag bis in die vierte, fünfte, sechste Reihe. Es herrscht ein Andrang, den kulturell interessierte Moerser von ihren beiden Festivals kennen, im beschaulichen Kapellen aber nicht erwartet hätten.

Das Seewerk am Silbersee hat mit seinen jährlich stattfindenden Werkschauen ein wichtiges Forum für die zeitgenössische Kunst geschaffen. Es mag ja abgedroschen klingen, aber den "Schatz am Silbersee" haben am Samstag zur Eröffnung der diesjährigen Werkschau viele Moerser erstmals für sich entdeckt. Die Schatzsuche erstreckt sich über das Gelände der ehemaligen Dujardin-Fabrik, dem Angelika Petri und Frank Merks neues Leben eingehaucht haben.

In jedem Winkel des idyllischen Kleinods gibt es Kunst zu entdecken. Die Werkschau lädt zum Flanieren und Entdecken in entspannter Atmosphäre ein. Doch wo anfangen, wo aufhören? Zuerst geht es zum Höhepunkt: Den Initiatoren ist es gelungen, dass Kunstakademie-Professorin Irmin Kamp nach 20 Jahren Pause erstmals wieder ihre Plastiken ausstellt – die weißen Zwiebeltürme auf dem Silbersee zum Beispiel.

Oder die schwarzen Mushrooms, die auf dem Außengelände auf einer Wiese Platz gefunden haben. Obwohl vom Material her künstlich, schmiegen sich die Arbeiten der Professorin an die Natur an, so als hätten sie schon immer dort hin gehört, unter den lauschigen Bäumen direkt am See.

Aktuelles Bild

"Irmin Kamp sucht den Dialog mit der Natur", erläuterte Dr. Helga Meister in ihrer einfühlsamen Einführung in das Werk der Künstlerin. Die Plastiken, die jahrelang in einer alten Scheune aufbewahrt wurden, haben nichts von ihrem Reiz verloren. Die Werkschau ist Würdigung der Professorin, will aber mehr sein.

Angelika Petri und Frank Merks gelingt es, einen vielseitigen Überblick über die zeitgenössische Kunst zu geben. Unter den Künstlern finden sich namhafte Leute: Professor Jörg Eberhard und Felix Droese zum Beispiel, den Kunstinteressierte in der Region zuletzt auf Einladung der Sparkasse am Niederrhein mit einer Schau zum Thema Europa erleben durften.

Darüber hinaus scheint es den Initiatoren ein Anliegen zu sein, auch hiesigen sowie ganz jungen, noch nicht etablierten Künstlern ein Forum zu bieten, so dass sich ein Bild der aktuellen zeitgenössischen Kunst vermittelt. Gleich 22 junge Künstler aus der Klasse des verstorbenen Jörg Immendorf können sich und ihre Arbeiten darstellen.

Aus Moers präsentieren sich Ingeborg Schmidthüsen mit gefalteten Buchobjekten sowie Ivica Matijevic mit Holzobjekten in den Räumen des Seewerks, die von den dort ansässigen Firmen als Büroräume genutzt werden. Selbst der kleinste Winkel wird genutzt: Ins Büro von Frank Merks ist zum Beispiel Jyrg Munter eingezogen. Andere Arbeiten werden zur Treppenhaus-Kunst, weil sie genau dort hängen. Zwei Etagen höher fasziniert Frank Göllmann mit einer Licht-Wasser-Installation in Bezug auf den See.

Bis November hat die Werkschau geöffnet, die am Samstag ein Gipfeltreffen der Moerser Kunstszene war, aber auch auf überregionales Interesse stieß – abzulesen an den Nummerschildern der Autos.

Quelle: RP
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