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Moers
Im Theater wird's "unheimlich"

Moers: Im Theater wird's "unheimlich"
Das neue Spielzeit-Heft ist im Stil der Jerry-Cotton-Hefte aufgemacht. Die Fotos sind in Schwarz-Weiß und zeigen witzige Krimi-Szenen. FOTO: Nielinger/Schlosstheater
Moers. Henrik Ibsen, eine Nachtwanderung durch Meerbeck, ein Liederabend und ein Stück über Judas - das bringt die neue Spielzeit am Schlosstheater. Motto: "un*heimlich". Von Anja Katzke

Die Proben für die Eröffnung der Spielzeit 2016/17 sind schon vor ein paar Tagen gestartet: Das Moerser Schlosstheater gibt am 8. September Henrik Ibsens "Hedda Gabler" im Schloss. Es ist die erste von insgesamt sechs Premieren, die in der Grafenstadt für Hochspannung sorgen sollen. Das gewählte Spielzeitmotto lautet "un*heimlich". Das Sternchen ist gewollt - denn: "Wir wollen uns mit unseren Stücken in dem Zwischenraum von Unheimlich und Heimlich einnisten", erläutert Intendant Ulrich Greb.

"Die Atmosphäre unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens hat sich auf geradezu unheimliche Weise verändert", sagt Greb. "Der Einzelne grenzt sich ab, wird misstrauischer und vermutet hinter jedem Tatbestand fast schon ein Verbrechen." Diesem Gefühl zwischen dem Unheimlichen und dem Heimlich-Heimischen will das Moerser Theater ab September nachspüren. Dass dies ein spannender Ansatz sein kann, verrät auch das Spielzeitheft. Es ist im Stil der Jerry-Cotton-Hefte aufgemacht, nur dass der Untertitel nun so lautet: "Das Theater, von dem die Welt spricht."

Ulrich Greb wird den Spielzeitauftakt inszenieren: "Hedda Gabler ist eine selbstbewusste, aber auch schwierige Frau, die sich aus ihrer kleinbürgerlichen Welt zu befreien versucht und dabei einen Flurschaden hinterlässt", erklärt er den Reiz, Ibsens Stück auf die Bühne zu bringen. "Hedda Gabler" könne als Komödie durchgehen, wenn es am Ende nicht vier Tote gäbe.

In der kommenden Spielzeit wird das Theater aber auch musikalische Wege einschlagen und lädt sein Publikum am 26. Oktober zu einem Liederabend ein: "Dieter hört die Signale" ist der Titel des Abends, der aus dem Ensemble heraus angeregt wurde. "Es gibt schon lange den Wunsch, so etwas zu entwickeln", berichtet Dramaturgin Anika Stadler. Für das Kinderstück konnte das Schlosstheater Frank Hörner als Gastregisseur gewinnen. Er leitet neben seiner Arbeit als Regisseur seit 2005 das Kinder- und Jugendtheater Kohlenpott in Herne. Er schlug vor, das Bilderbuch "Ein Schaf fürs Leben" von Maritgen Matter zu inszenieren. "Es ist eine zauberhafte Geschichte um einen Wolf, der ein Schaf entführt", sagt Dramaturg Georg Mellert, der mit Ende der Spielzeit das Schlosstheater verlässt. Nach den Ted Haggard Monologen (2008) und "Gerechtes Geld" (2010) hat das Moerser Theater auch wieder ein Stück des amerikanischen Autors Michael Crowley im Spielplan. Es heißt "The Dead Inc. - Die Toten GmbH." Dieses Mal hat er ein Stück über ein Versicherungsunternehmen geschrieben, das die Restlebenszeit der Versicherten errechnen lässt, um die Rentenhöhe zu ermitteln.

Passend zur Osterzeit inszeniert Regieassistentin Kathrin Leneke das Stück "Judas" von Lot Vekemans in der Kapelle. Darin erzählt Judas Ischariot, der für 30 Silberlinge zum bekanntesten Verräter der Welt wurde, die Geschichte aus seiner Sicht. Frank Wickermann wird in die Rolle des Judas schlüpfen und den Monolog darbieten. Premiere ist am 6. April. Die Nachtwanderung durch Meerbeck organisiert die freie Theater- und Performancegruppe "Friendly Fire" aus Leipzig. Sie begibt sich auf die Arbeiter-(Alp)Träume der einstigen Kostgänger im Bergbau. Und damit es schön unheimlich wird, startet die Wanderung erst beim Einbruch der Dunkelheit. Das Schlosstheater ist in der neuen Spielzeit auch Gastgeber für zwei besondere Projekte: Im Rahmen des "Fonds Experimentelles Musiktheater" wird es einem Team von Theatermachern einen Arbeits- und Entwicklungsraum für ihre Musik-Experimente geben. Außerdem ist es vom 17. bis zum 23. Juni Gastgeber für Westwind, dem Theatertreffen für Junges Publikum.

Quelle: RP
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