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Moers
Improviserin gibt furiosen Einstand

Moers. Die Violinistin und Komponistin Carolin Pook stellte sich dem Publikum in der voll besetzten Festivalhalle als Nachfolgerin von Hayden Chisholm vor. Dieser verabschiedeten sich nach einem Jahr in Moers. Von Jutta Langhoff

Was für ein Empfang! Carolin Pook war sichtlich beeindruckt, als sie am Donnerstagabend ihr erstes Konzert als neue Moerser "Improviserin in Residence" gab und die Festivalhalle dabei voll besetzt vorfand. "Ich fürchte, so viele Menschen werde ich bei meinen in den nächsten Monaten geplanten Hauskonzerten in der Residence wohl nicht unterbringen können. Vielleicht ja im Sommer im Garten. Der ist etwas größer", begrüßte sie ihre Zuhörer mit einem charmanten Lächeln. Anschließend stimmte sie erst einmal ihre Geige mit dem Klavier ab, auf dem Simon Rummel sie begleiten würde, der im Jahr 2009 amtierende "Residence"-Kollege. "Ich habe extra für Moers neue Saiten aufgezogen. Die müssen noch gestimmt werden."

Carolin Pook war erst am Vortag aus New York angereist, wo sie nach ihrem Studium an der Kölner Musikhochschule derzeit lebt und arbeitet. Über das Angebot, für ein Jahr als "Improviser in Residence" nach Moers zu kommen, habe sie sich "riesig gefreut", bekannte sie und versprach: "Ich denke, die Moerser und ich werden eine gute Zeit zusammen haben." Das anschließende Konzert nahm davon schon mal ein bisschen vorweg. Begleitet von einem temperamentvoll am Klavier agierenden Simon Rummel entlockte sie ihrer Geige von süßer Zartheit bis kratziger Derbheit eine unglaublich vielfältige Skala unterschiedlichster Töne und benutzte ihr Instrument zeitweise sogar als Trommel.

Die 34-jährige Geigerin, Schlagzeugerin und Komponistin löst den Jazz-Saxophonisten Hayden Chisholm ab, der an diesem Abend ebenfalls auftrat. Sein Auftritt war gleichzeitig sein Abschied. "Es war ein sehr intensives Jahr für mich. Dabei habe ich vor allem die Offenheit und Ehrlichkeit der Menschen hier schätzen gelernt." Danke an alle, die in diesem Jahr meine Freunde gewesen sind", erklärte er, und überraschte die Konzertbesucher anschließend mit einem ungewöhnlichen Abschiedsgeschenk. Statt eines ausgiebigen musikalischen Beitrags präsentierte er an diesem Abend in einer Weltvorprämiere seinen im letzten Jahr auf Mallorca gedrehten Film "Sisyphus runs". Der gut 20-minütige Film zeigt ihn als einsamen Läufer, der in der grandiosen Bergwelt der Insel einen musikalisch untermalten Monolog mit Zeus, dem Oberhaupt der einstigen griechischen Götterwelt hält. Sein Abschiedsgeschenk vom Publikum war ein langer Applaus und ein von Bürgermeister Christoph Fleischhauer ausgesprochene Wunsch: "Trage ein bisschen von Moers in die Welt, so wie du im letzten Jahr ganz viel von der Welt nach Moers getragen hast."

So war das Konzert gleichzeitig eine Begrüßung und ein Abschied. Letzteres aber vielleicht doch nicht ganz. So wie Simon Rummel und viele andere vorherige "Improviser in Residence" immer mal wieder in Moers auftreten, dürfte auch Hayden Chisholm den Moerser Jazzfreunden nicht vollkommen verloren gehen. Nachdem er mit Carolin Pook und Simon Rummel zum Schluss noch ein gemeinsames Stück vorgetragen hatte, verabschiedete er sich mit den vielversprechenden Worten: "Ich sage nicht 'tschüss", ich sage "bis bald'."

Quelle: RP
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