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Unsere Woche
In die eigene Tasche gegriffen

Moers. Eine Dummheit hat der CDU-Bundestagsabgeordneten Kerstin Radomski unerwünschte Prominenz beschert. Es liegt an ihr selbst, die Sache schnell vom Tisch zu bekommen.

Frauen mit beruflicher Verantwortung kennen das Problem: Sie hasten von Termin zu Termin und müssen alles mögliche Zeug mit sich herumschleppen, Akten, Unterlagen, Laptop und Ipad. Dazu dann noch jene unzählichen Utensilien, auf die Frauen seit der Steinzeit meinen, nicht verzichten zu können. Natürlich könnte man den ganzen Krempel ganz einfach in eine Aktentasche stecken. Man. Bei frau ist das nicht so einfach. Wer einmal an der Suche nach einem Teil beteiligt war, das sowohl modischen Ansprüchen wie praktischen Erfordernissen genügt, weiß, wie schwer das ist. Und dass man oder frau je nach Anspruch leicht einige Hunderter loswerden kann.

Unsere Bundestagsabgeordnete Kerstin Radomski (CDU) muss es genau so ergangen sein. Daher kann man sich gut vorstellen, wie froh und erleichtert sie war, als sie endlich ein passendes Teil gefunden hatte. Die Wahl fiel auf ein Produkt des italienischen Edelherstellers Piquadro, der sich auf die Produktion stilgerechter Business-Outfits spezialisiert hat. Über die Tasche sagt die Firmen-Website: Sie "besteht aus Kalbsleder mit Mineralgerbung. Das traditionelle Gerbungssystem erhält über Jahre die Schönheit des Leders unverändert. Die scharf geschnittenen Ränder, per Hand hellblau gefärbt, beleben den Business-Charakter der Kollektion und sind ein gut erkennbares Unterscheidungsmerkmal." Gefeilscht hat sie um den Preis offenbar nicht. Laut Bildzeitung soll sie für das Teil 532 Euro ausgegeben haben, obwohl es bei der Firma selbst für 499 Euro zu haben gewesen wäre. Für eine Haushaltspolitikerin wie Radomski ist aber noch schlimmer, dass sie die Tasche über die Sachkostenpauschale abrechnete. "Die Politikerin, die in Ihre Tasche greift" titelte darauf hin die Bild. Seither ergießt sich eine Flut von Beschimpfungen vor allem in sozialen Netzwerken über die Politikerin, die seither auf Tauchstation ging. Natürlich war es eine Dummheit, dass Radomski die Tasche über ihre Bürokostenpauschale abgerechnet hat. Sie hätte sie vom eigenen Geld kaufen und anschließend steuerlich absetzen können. Hat sie aber nicht. Ein Fehler, aber kein Skandal. Und jetzt?

Radomski sollte das Geld zurückzahlen oder spenden. Dazu eine Erklärung in zwei Sätzen. Vielleicht gibt das noch ein kurzes mediales Aufwallen, dann war's das aber auch. Mehr Sorgen sollte ihr die Frage bereiten, wer der "Bild" die Sache mit der Tasche gesteckt hat. Waren es Feinde im eigenen Lager? Kommt da noch mehr? Noch ist sie als Bundeskandidatin nicht gewählt.

Ein schönes Wochenende! juergen.stock@rheinische-post.de

Quelle: RP
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