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Moers
Indischer Manager erklärt fairen Handel

Moers: Indischer Manager erklärt fairen Handel
Shailesh Patel bei seinem Vortrag am Hermann-Gmeiner-Berufskolleg. Katharina Pfeifer (mit Mikrofon) übersetzte aus dem Englischen. FOTO: KLaus Dieker
Moers. Wie Baumwolle geerntet, verarbeitet und zum Kleidungsstück produziert wird, lernten Schüler des Hermann-Gmeiner-Berufskollegs und der Gymnasien Filder Benden und Rheinkamp gestern. Shailesh Partel stellte Fairtrade-Projekt vor. Von Jana Marquardt

Shailesh Patel aus Indien weiß genau, wie Baumwolle gesät, geerntet und später zum Kleidungsstück verarbeitet wird. Er wohnt ganz nah dran am Geschehen: Der Projektmanager, selbst ein Kind mittelloser, indischer Landwirte, hilft seit 2006 Kleinbauern in seiner Heimat, ihre Kosten beim Anbau von Baumwolle möglichst gering zu halten. Mit seinem Fairtrade-Projekt bringt er die Bauern in zwei wüstennahen Städten zu einer Gemeinschaft zusammen und ermöglicht ihnen einen fairen Lohn für ihre harte Arbeit.

Wie ihr T-Shirt an die Kleiderstange im Kaufhaus kommt, mögen wohl die wenigsten Schüler vor Patels Vortrag in der Aula im Hermann-Gmeiner-Berufskolleg wissen. Zumindest schütteln viele die Köpfe, als Referendarin Katharina Pfeifer die etwas schwer verständliche, englische Einleitung des Inders mit den Worten übersetzt: "Wisst ihr denn, wie eure Kleidung hergestellt wird?"

Julian Gabenstein (14) vom Gymnasium Filder Benden allerdings, nickt. Er betrachtet von der vorletzten Reihe aus das Bild einer bunt gekleideten, indischen Frau auf einem Baumwollfeld, das der Projektor vor der Bühne zeigt. "Ich habe vor vier Jahren einen Vortrag über fairen Handel in der Schule gehalten und habe seitdem bei Lebensmitteln auf das Fairtrade-Siegel geachtet", erzählt der 14-Jährige. "Ich bin gespannt, ob ich heute etwas Neues mitnehmen kann."

Gebannt lauscht Julian dem Vortrag, der nun folgt. Von 479 Bauern erzählt Shailesh Patel. Alle wohnen im Staat Gujarat im Westen von Indien, einer Gegend in der es ein Mal pro Jahr regnet. In den Städten Rapar und Dhrangadhra betreiben sie kleine Bauernhöfe, bauen Baumwolle, Getreide oder Nüsse an. Gemeinsam mit ihren Nutztieren haben sie noch bis vor einigen Jahren aus einem Bach getrunken, hatten nie genug Wasser, wurden mit einem Hungerlohn abgespeist, wenn sie ihre Baumwolle an Textilhändler weiterverkauften. Die Kinder erhielten keine Schulbildung - zu teuer waren die Bildungseinrichtungen.

Dank Shailesh Patel und seinem Team hat sich die Situation in den vergangenen zehn Jahren geändert. Die indischen Landwirte bekommen 3,50 Euro pro Tag und somit einen konstanten Lohn. "Allerdings kann mehr Geld verdient werden, wenn die Nachfrage besonders hoch ist. Dann sind auch schon einmal 1200 Euro pro Monat drin", betont Patel, räumt aber ein: "3,50 Euro reichen zum Überleben für einen Tag. Kritisch wird es, wenn die Kinder krank werden." In der Baumwoll-Saison werde bis zu zehn Stunden am Tag gearbeitet. Ist diese vorbei, sei der zeitliche Aufwand deutlich geringer.

Kleidung oder Lebensmittel, die mit den Produkten der Kleinbauern hergestellt werden, sind sogenannte Premium-Produkte. Die Einnahme, die mit diesen Waren erzielt wird, fließt in neue Brunnen als Wasserspeicher sowie in Filteranlagen, die sauberes Trinkwasser garantieren. Außerdem können die Kinder der Landwirte eine Schule besuchen, die zurzeit vergrößert wird. Regelmäßig werden auch die Bauern in Seminaren geschult. Sie lernen, wie sie Bio-Pestizide selbst herstellen, wie sie ihre Preise richtig kalkulieren und wie sie neue Produkte anbauen können, zum Beispiel Zitronen oder Limetten.

Als Patel seinen Vortrag beendet ertönt tosender Applaus. Zwei Stunden sitzen, zuhören, still sein: Das hat so mancher Schüler nicht durchgehalten. Julian hat jedoch ein Fazit für sich gezogen: "Ich achte jetzt noch stärker auf fair gehandelte Kleidung und Lebensmittel!"

Quelle: RP
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