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Moers
Intendant plant die neue Theater-Spielzeit

Moers. Das Schlosstheater beleuchtet ab September in fünf Stücken Themen wie Extremismus und Radikalismus. Das Motto lautet: "Freie Radikale". Von Anja Katzke

Das neue Spielzeitheft liegt schon druckfrisch vor. Die Fotos darin irritieren: Da sieht man eine Axt - im Schottenkaro umstrickt, High Heels und einen Dolch ebenso in Wolle gehüllt. "Wir haben das Gefährliche bestrickt - sozusagen als Schutz vor den Dingen, die uns Angst machen", erklären Intendant Ulrich Greb und Dramaturgin Annika Stadler die Motive. Und darum geht es auch in der neuen Spielzeit am Schlosstheater. In fünf Inszenierungen beleuchtet das Moerser Ensemble die brisanten Themen Extremismus und Radikalismus. "Und wir befassen uns mit den Strategien, die wir anwenden, um uns vor dem Bedrohlichen zu schützen", betont der Intendant. Auftaktinszenierung unter dem Spielzeitmotto "Freie Radikale" ist "Biedermann und die Brandstifter" von Max Frisch am 5. September im Moerser Schloss.

"Zentrale Frage in Frischs Klassiker ist doch: Wer sind tatsächlich die Brandstifter", erläutert Ulrich Greb seinen Ansatz für die Inszenierung. "Je näher man der Welt des Gottlieb Biedermann kommt, umso ähnlicher werden die Brandstifter dem Biedermann. Man kann dieses Stück auch doppelt lesen und alle heutigen Pegida-Ängste hinein projizieren", erläutert Greb, der in seiner Inszenierung einen Kunstgriff anwenden will: "Wir werden mit Masken arbeiten." Für die zweite Inszenierung hat der Intendant ein Team nach Moers eingeladen, das sich in der letzten Spielzeit erstmals hier bewährt hat: die Regisseurin Catherine Umbdenstock mit ihrer Ausstatterin Elisabeth Weiss. Sie werden in der Kapelle das Stück "Pornographie" des Briten Simon Stephens auf die Bühne bringen.

Es ist eine Reaktion des Autors auf den Terroranschlag 2005 auf die Londoner U-Bahn. "Die Uraufführung war 2006 in Hannover", berichtet Dramaturgin Annika Stadler. Der Autor thematisiert jedoch nicht nur das Attentat, sondern lässt wie in einem Kaleidoskop das Grauen im Alltag wahr werden: "Der Bürger wird zum Extremisten - der Professor, der seiner Studentin einen Job anbietet, wenn sie mit ihm schläft, oder der Schüler, der seine Lehrerin angreift", erläutert Stadler. Regisseurin Susanne Zaun nimmt im November Kinder mit auf eine zugleich fantasievolle und absurde Reise ins Kaninchenloch. Sie inszeniert den Klassiker "Alice im Wunderland" nach Lewis Carrol. Susanne Zaun zeigt sich auch für die Textfassung zum Stück verantwortlich. Es spielen Patrick Dollas und Katja Stockhausen in der Festivalhalle.

Ein Höhepunkt der neuen Spielzeit dürfte Ulrich Grebs Inszenierung von Shakespeares "Richard III." werden. "Das Stück ist wie eine Blaupause darüber, wie politische Macht funktioniert", sagt der Intendant. Skrupellos und brutal ebnete sich der Herzog von Gloucester seinen Weg zur Königskrone. Shakespeare umkreist die letzte Episode der Rosenkriege, dem Machtkampf der Häuser York und Lancaster. "Am Ende sind zwölf Menschen tot", sagt Ulrich Greb und kündigt eine große Überraschung in dieser Inszenierung um den machtgierigen Thronanwärter an. Die Spielzeit schließt im April nächsten Jahres mit der Inszenierung von Büchners "Leonce und Lena". Als Regisseur wurde der Dortmunder Schauspieler Björn Gabriel gewonnen. "Er arbeitet seit zehn Jahren auch als Regisseur mit seinem Kollektiv und greift politische Themen auf", erläutert Annika Stadler. Georg Büchners "Leonce und Lena" komplettiere die Spielzeit, weil er unter dem Deckmäntelchen der Komödie eine bitterböse Karikatur entworfen habe, eine Welt darunter, in der Stagnation, pathologische Langeweile und Phrasen miteinander einhergehen.

Quelle: RP
 
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