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Moers
Journalisten diskutieren über die "Lügenpresse"

Moers. Journalisten erleben immer häufiger, dass sie mit dem Vorwurf "Lügenpresse" angefeindet werden. Georg Kellermann, Leiter des WDR-Studios Duisburg, kann diese Beobachtung bestätigen: "Bei einer Pegida-Demonstration musste ich meine erste Liveschalte unter Polizeischutz erleben, ich hatte Angst." Der Presseclub Niederrhein (PCN) hatte ins Casino der Sparkasse am Niederrhein eingeladen. Dort sprachen Kellermann, Journalistik-Professorin Marlis Prinzing und Christian Peters (NRZ) vor Gästen über "neue Herausforderungen zwischen Lügenpresse und echtem Journalismus".

PCN-Vorstandsmitglied Ulf Maaßen erinnerte daran, dass der Begriff Lügenpresse seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder dazu gedient habe, die Berichterstattung politischer Gegner zu diffamieren. Aktuell werde er insbesondere bei rechtsextremen oder rechtspopulistischen Demonstrationen und Veranstaltungen gerufen.

Marlis Prinzing erlebt es immer wieder, dass ihre Studierenden erschreckt von Veranstaltungen zurückkommen, in denen sie sich als Berichterstatter zu erkennen geben. Die Professorin der Macromedia Hochschule in Köln rät: "Angesichts der starken Veränderung der Mediengesellschaft müssen wir für gute und gesicherte Information sorgen und auch kritische Communitys pflegen." Studien zeigten, dass es allemal besser sei, auf maulige Kommentare zu antworten, als sie zu ignorieren.

Christian Peters: "Die sozialen Medien sind schnell, oft hat sich dort innerhalb von zwei Minuten eine Meinung gebildet." Die Berichte in klassischen Medien würden vor diesem Hintergrund ebenso schnell als "Lügenpresse" abgetan, beklagte er. Kellermann will die sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Co trotzdem nicht missen. "Sie bringen eine neue Nähe zum Publikum und zwingen uns, kritisch mit uns selbst umzugehen." Eine neue Herausforderung für den Journalismus sieht Prinzing darin, "digitale Stammtische und ihre Neigung, sich selbst in ihren Meinungen zu bestätigen, mit gut aufbereiteten Themen zu interessieren."

Quelle: RP
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