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Moers/Kamp-Lintfort
Jugendliche bauen eigene Design-Möbel

Moers/Kamp-Lintfort: Jugendliche bauen eigene Design-Möbel
Falah Hassan, Suleman Hussein, Werkanleiter Heinz Koch und Michal Kopec (v.l.) besprechen, wie die Möbel gebaut werden sollen. Das Projekt wird von der RAG-Stiftung finanziell gefördert. Die selbst gefertigten Möbel dürfen die Jugendlichen behalten. FOTO: Klaus Dieker
Moers/Kamp-Lintfort. In einem Projekt des SCI-Jugendcafés stellten die jungen Teilnehmer Stühle, Hocker und Schreibtische her, die sie behalten dürfen. Sie lernten das handwerkliche Arbeiten und stärkten nebenbei ihr Zusammengehörigkeitsgefühl. Von Peter Gottschlich

Suleman Huseh baut einen Sessel, der ein wenig so aussieht wie ein Armlehnstuhl von Erich Dieckmann. Der Künstler leitete von 1925 bis 1931 die Tischlereiwerkstatt des Dessauer Bauhauses. Dem 17-Jährigen, der die Unesco-Gesamtschule in Kamp-Lintfort besucht, gefiel Dieckmanns Sitzmöbel. Der Schüler sägte Holzlatten, die nicht aus Buche, Kirsche oder Eiche waren, die der Bauhauskünstler bevorzugt hatte, sondern aus Fichte. Von SCI-Werkanleiter Heinz Koch ließ er sich Löcher für Dübel bohren, damit der Armlehnstuhl in geometrischer Form später hält. "Wenn der Sessel fertig ist, kann ich ihn behalten", freute sich Suleman Huseh, der mit seinen Freunden gekommen war.

Am Donnerstag- und am Freitagnachmittag "drückten" 15 Jugendliche, die in Kamp-Lintfort das SCI-Jugendcafé besuchen, in der Meerbecker SCI-Barbaraschule die Werkbank, um ihr handwerkliches Geschick zu testen, Möbel zu bauen und als Gruppe zusammenzuwachsen. Die Idee dazu hatten Jugendcaféleiter Milan Djuric und Jugendcafémitarbeiter Jörn Eichner zusammen mit den jungen Cafébesuchern entwickelt. "Die Jugendlichen können sich selbst beweisen", erzählte der neue Mitarbeiter. "Sie können selbst wählen, welche Möbel sie bauen. Wenn sie Hocker, Stühle oder Tische selber herstellen, bauen sie eine ganz andere Wertschätzung dafür auf." Das Jugendcafé, das im Fußgängerbereich der Moerser Straße in Kamp-Lintfort liegt, erhielt für das Projekt Geld von der RAG-Stiftung. "So konnten wir zum Beispiel das Holz kaufen", berichtete Jörn Eichner. "Danke an die RAG-Stiftung. Ohne sie würde es dieses Projekt nicht geben." Die Jugendlichen wählten sich vor allem Stücke aus, dessen Design sich an das des Bauhauskünstlers Erich Dieckmann anlehnt, der schon vor knapp 100 Jahren die Idee hatte, Möbel multifunktional zu gestalten, beispielsweise eine Fläche als Sitz- oder Tischplatte bereitzustellen. So produzierten sie Berliner Hocker, die die Größe von Nachtischschränkchen haben. Im Unterschied dazu besitzen sie aber keine Tür und keine Füße.

"Wenn der Berliner Hocker liegt, kann er ein Tisch sein", berichtete Heinz Koch. "Wenn er steht, ein Hocker. Und wenn er übereinandergestellt wird, ein Schrank." Die Jugendlichen bauten während des Workshops ein Dutzend Berliner Design-Hocker, die aus nur fünf Holzbrettern bestehen - inklusive eines inneren Zwischenbrettes als Stabilisator und Schrankteiler. "Sie finden im Jugendcafé einen Platz." Die anderen Möbel finden bei den Jugendlichen einen Platz, etwa ein Schreibtisch, den sich Katharina Lapp baute. "Ich mag es, am Holz zu sein", erzählte die 22-jährige Moerserin, die eine berufsvorbereitende Maßnahme beim SCI besucht. "Da ich gerne zeichne und nicht so groß bin, baue ich mir einen Schreibtisch in meiner Größe."

Sie wurde fertig, anders als Suleman Huseh mit seinem aufwendig zu bauenden Armlehnstuhl. Er will auf jeden Fall an seinem Möbel in den nächsten Tagen weiter arbeiten.

Quelle: RP
 
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