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Moers
Junge Ghanaer wollen Maler werden

Moers. Der Moerser Malerbetrieb Marschmann bietet zwei Flüchtlingen die Chance auf eine Ausbildung. Die 20-jährigen haben mit Erfolg am Projekt "Integration durch Arbeit, Ausbildung und Sprache" des SCI teilgenommen. Von Josef Pogorzalek

In der SCI-Werkstatt an der Barbarastraße in Meerbeck hängen Farbstudien, die Johnson Yeboah und John Kuma angefertigt haben. Ausbildungsleiter Dirk Vier zeigte sich gestern voll des Lobes für die Arbeiten: "Alles frei Hand. Ich hätte es nicht besser gekonnt." Auch Jonas Barthen, Kaufmännischer Betriebsleiter bei der Firma Marschmann, war beeindruckt von den handwerklichen Fähigkeiten der beiden 20-jährigen Ghanaer. Bereits seit Montag gehören die beiden zum Team des Moerser Malerbetriebs: Sie absolvieren dort eine sechsmonatige so genannte Einstiegsqualifizierung. Wenn alles passt, wird sich daran eine Maler- und Lackierer-Ausbildung anschließen. Der Start im Betrieb sei vielversprechend, sagte Barthen: "Die Jungs sind begeistert, und wir auch."

In den vergangenen Monaten haben die beiden Ghanaer am Projekt "Integration durch Arbeit, Ausbildung und Sprache" beim SCI Moers teilgenommen. Mit insgesamt 16 Flüchtlingen hatte es im September 2015 begonnen. Die jungen Männer lernten montags bis freitags vormittags unter Anleitung von VHS-Dezenten deutsch; eine finanzielle Unterstützung durch die Rotarier und Lions machte es möglich. Neben dem Sprachkurs erwarben je vier Flüchtlinge Grundkenntnisse im Tischlern und Malen/Anstreichen beim SCI, acht weitere Männer waren bei der Enni in der Grünpflege und der Enni-Werkstatt im Einsatz. Johnson Yeboah und John Kuma sind die ersten aus der Gruppe, die jetzt an eine Firma vermittelt werden konnten. Das ist auch das Ziel für die anderen Männer. "Wir erstellen Profile aller Teilnehmer, die an die Kreishandwerkerschaft gehen", sagte gestern SCI-Geschäftsführer Frank Liebert. Das Interesse der Betriebe an geeignetem Nachwuchs sei groß.

Das Moerser Projekt habe weit über die Grenzen der Stadt Aufmerksamkeit erregt. "Wir bekommen bundesweite Anfragen", sagte Liebert. SCI-Projektleiter Tobias Nienaber wird im März beim Deutschen Verein in Berlin referieren. Die Flüchtlinge seien höflich, freundlich und überaus eifrig aufgetreten, berichtete Nienaber gestern. Das habe sogar auf deutsche Kursteilnehmer beim SCI abgefärbt, ergänzte Liebert. "Die sind sonst nicht die Motiviertesten."

Johnson Yeboah und John Kuma wollen nun weiter fleißig lernen. Yeboah hofft, dass er bald aus der Flüchtlingsunterkunft an der Römerstraße ausziehen kann, wo er mit drei anderen in einem Raum lebt. "Es ist klar, dass dort keine gute Lernatmosphäre herrscht", sagte gestern Michael Rüddel, Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales im Rathaus.

Er informierte sich gestern gemeinsam mit der Sozialausschussvorsitzenden Ursula Elsenbruch beim SCI. Die Stadt wolle Johnson bei der Wohnungssuche helfen, sagte Rüddel. Der Wohnungsmarkt für Alleinstehende sei allerdings leer gefegt. Leichter sei es, mehrere Flüchtlinge in Wohngemeinschaften unterzubringen. "Die Vermieter sind sehr kooperativ."

Wichtig ist auch, dass die Behörden den "Vorzeigejugendlichen" (so Liebert) Johnson Yeboah und John Kuma keine Steine in den Weg legen. Ihre Asylanträge laufen noch. Das Gesetz sei inzwischen soweit, dass Asylbewerber während einer Ausbildung nicht abgeschoben werden können. Michael Rüddel würde es begrüßen, wenn qualifizierte, strebsame Flüchtlinge unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus in Deutschland arbeiten dürften. Handwerksbetriebe klagten schließlich über einen Mangel an Auszubildenden.

Jonas Barthen konnte dem nur beipflichten: "Wir haben hier Zwei, die wirklich wollen. Es wäre schade, wenn's nicht funktioniert." So wie bei einem jungen Mann aus Tadschikistan, der auch an dem SCI-Projekt teilgenommen hatte und dem Marschmann ebenfalls eine Chance bieten wollte. "Er wurde leider abgeschoben."

Quelle: RP
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