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Moers
"Junge Nordafrikaner fliehen aus Perspektivlosigkeit"

Moers. Referenten diskutieren beim Abend des Vereins für Begegnung und Austausch der Kulturen in Moers, der Bunte Tisch.

"Nafris", das war die Bezeichnung der Polizei für jene jungen, nordafrikanischen Männer, die beschuldigt wurden, in der Silvesternacht 2015 Frauen unsittlich belästigt und vergewaltigt zu haben. Damals ging eine Welle der Empörung durch die Nation, die seither den Blick auf eine Gruppe von bisher kaum bemerkten Immigranten richtet. Wer sind eigentlich diese "Nafris"? Woher kommen sie genau, und was bringt sie überhaupt dazu, nach Deutschland zu kommen? Um diese Fragen ging es jetzt bei einem "Nordafrikanischen Abend" des Vereins für Begegnung und Austausch der Kulturen in Moers, der Bunte Tisch.

Dabei standen nach einem ersten Abend, bei dem es vor allem um die politische Situation der Maghreb-Staaten Tunesien Algerien, Marokko und Westsahara ging, diesmal die Perspektiven und Zukunftsträume der dort lebenden jungen Menschen im Vordergrund.

Dazu hatte der Vorsitzende des Bunten Tisches, Amar Azzoug, gleich drei Referenten eingeladen, die zurzeit in Darmstadt lebende Journalistin mit marokkanischen Wurzeln, Maryam Aayrun, den in der Jugendvereinigung des "Bunten Tisches" aktiven deutsch-tunesischen Maschinenbau-Studenten Ilyas Hadji und die angehende Bochumer Doktorandin Sina Kathal. Letztere hat einen algerischen Großvater und untersucht in ihrer Dissertationsarbeit die Erwartungen und Erfahrungen algerischer Migranten von der Arabischen Revolution bis zur Kölner Silvesternacht.

Ihr Referat machte den Auftakt. Nach zahlreichen Gesprächen mit jungen Algeriern in ihrem Heimatland sieht sie in deren Auswanderungswünschen weniger die Angst vor Verfolgung, sondern eher einen Protest gegen ihre dort zurzeit herrschende berufliche Perspektivlosigkeit, aber auch den Wunsch nach politischer und persönlicher Freiheit. Die, so berichtete anschließend Ilyas Hadji aus eigener Erfahrung, habe mit dem so genannten "Arabischen Frühling", 2010, einer Welle von Bevölkerungsprotesten gegen das damalige autoritäre Regime in Tunesien einen Anfang genommen, sei aber mit inzwischen noch schlimmeren Lebensbedingungen für den größten Teil der Bevölkerung weitgehend im Sande verlaufen. Die dritte Podiumsteilnehmerin, Maryam Aayrun, beschränkte sich auf die Schilderung ihrer persönlichen Zerrissenheit zwischen ihrer marokkanischen Herkunft und ihrem jetzigen Leben in Deutschland.

Der Abend endete nach einer lebhaften Fragerunde mit einem aus nordafrikanischen Spezialitäten bestehenden, gemeinsamen Essen und einer anschließenden, nicht weniger lebhaften Publikumsdiskussion.

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