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Moers
Junges StM bringt britisches Theater auf die Bühne

Moers. "Ihr bringt uns bei, dass dreimal drei neun ist. Ihr erzählt uns Witze und beobachtet uns, wenn ihr meint, dass wir es nicht merken. Ihr sagt, dass Krieg manchmal die einzige Lösung ist, dass Frauen nicht Auto fahren können, und wie wichtig es ist, einen Sinn für Humor zu haben." Eltern sind manchmal schon recht merkwürdige Wesen. Vieles was sie sagen und tun, verstehen ihre Kinder nicht, dennoch werden sie davon geprägt, und das oft für ihr ganzes Leben. Welche Sätze Eltern so den lieben langen Tag von sich geben, und wie sie bei ihren Kindern damit ankommen, konnten die Besucher am Sonntag im Jugendkulturzentrum "Bollwerk" erleben. Von Jutta Langhoff

Unter der Regie der Theaterpädagogen Maria Filimonov und Holger Runge führten dort zehn Jugendliche des "Jungen Schlosstheaters Moers" das von dem britischen Bühnenautor und Performancekünstler Tim Etchells geschriebene Stück "Dass nach dem Tag die Nacht kommt" auf und wurden dafür am Ende von rund 100 Zuschauern mit einem langen Applaus und begeisterten Bravo-Rufen belohnt. "Da haben sie uns aber so richtig den Spiegel vorgehalten", kommentierte dabei eine ältere Zuschauerin das Gesehene mit einem schiefen Lächeln. Und so war es in der Tat. Knapp eine Stunde hatten die jungen Schauspieler wechselseitig und im Chor hunderte von elterlichen Sätzen an einander gereiht, wobei sie sich zu einigen direkt im Zuschauerraum an bestimmte Besucher wandten, und andere entweder mit verhaltener oder dramatischer Körpersprache untermalten.

"Ihr kriegt Wutanfälle und bereut es dann anschließend", hieß es zum Beispiel an einer Stelle, woraufhin sich auf der dunklen Bühne zu zuckenden Lichtblitzen eine wilde Schlägerei abspielte. Ein anderes Mal standen alle nebeneinander aufgereiht am Bühnenrand und sprachen den Satz "Ihr sagt uns, dass das Herz ein Symbol für Liebe ist", und formten dazu selig lächelnd mit ihren Händen kleine Herzen. Nicht alle Sätze, die an diesem Abend auf der Bühne formuliert wurden, waren so herzig.

Manche lauteten: "Ihr sagt, dass Ausländer stinken." Oder: "..., dass Arme nutzlos und für ihre Armut selber verantwortlich sind." Das Ende war dann aber wieder versöhnlich. Die beiden letzten Sätze des Stückes aber lauteten dann versöhnlich: "Ihr versucht, uns zu lieben." Und: "Alles wird gut."

Quelle: RP
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