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Moers
Juso und Juli mit Politik in den Genen

Moers. Jan Dieren (SPD) und Constantin Borges (FDP) kennen und schätzen sich seit ihren Schultagen am Moerser Adolfinum. Jetzt machen sie überregional von sich reden: Borges ist in den Landesvorstand der Jungliberalen, Dieren in den Bundesvorstand der Jusos aufgestiegen.

Sie stammen aus einer politischen Familie. Wie groß war der Druck, ebenfalls politisch aktiv zu werden?

Dieren Natürlich war Politik zu Hause häufig ein Thema, und es ist daher für mich selbstverständlich, mich mit politischen Dingen auseinanderzusetzen. Aber eine Drucksituation hat es nie gegeben. Ich kann mich nicht einmal daran erinnern, dass mein Vater (Mark Rosendahl, SPD, Anm. der Red.) mich je darauf angesprochen hat, politisch aktiv zu sein. Diese Frage habe ich mir aber früh selbst gestellt.

Welche politischen Ziele haben Sie sich persönlich gesetzt?

Dieren Unsere Gesellschaft befindet sich in einem grundlegenden Wandel, viele Menschen spüren das. Wir müssen gemeinsam einen gesellschaftlichen Fortschritt erarbeiten, der über das Bestehende hinausgeht. Das ist mein politisches Ziel: eine Gesellschaft, in der wir in Freiheit und Gerechtigkeit zusammen leben können.

Ergänzen Sie den folgenden Satz: Es war ein Fehler der FDP, Jamaika platzen zu lassen, weil ...

Dieren . . . dadurch eine Möglichkeit, in den nächsten vier Jahren den politischen Richtungsstreit zuzuspitzen, verpasst wurde. Einer bürgerlichen Regierungskoalition aus Union, Grünen und FDP hätte eine linke Opposition aus SPD und Linkspartei gegenübergestanden. Das hätte vermutlich nicht nur im Bundestag zu spannenden Debatten geführt, sondern auch in der sogenannten Öffentlichkeit.

Ergänzen Sie den folgenden Satz: Die SPD sollte eine große Koalition eingehen, weil . . .

Dieren Mit den Jusos habe ich mich deutlich gegen eine Große Koalition positioniert. Es gibt natürlich auch gute Gründe für eine Große Koalition. Dazu gehören wichtige politische Projekte: die Einführung der BürgerInnenversicherung, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Pflegekräften, dringend benötigte Investitionen in die Infrastruktur und die Daseinsvorsorge, das Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit usw. Gegen die Große Koalition spricht zum Beispiel die dringend nötige inhaltliche, organisatorische und personelle Neuausrichtung der SPD.

"Sozialdemokraten sagen: Der Staat soll alles regeln. Die Liberalen sagen: Der Staat soll nichts regeln." Inwieweit stimmt das?

Dieren Sozis und Liberale treffen sich darin, dass sie über Freiheit reden. Und ich meine gar nicht, dass die liberale Forderung nach Freiheit vom Staat eine grundfalsche ist. Ich finde aber, sie greift nicht weit genug. Wenn ich mir Tag und Nacht den Kopf darüber zerbreche, wie ich über die Runden komme, wie ich meinen Kindern die Schule finanzieren oder vielleicht mal einen kurzen Urlaub bezahlen kann, dann hilft mir das nicht viel, dass sich der Staat aus meinem Leben raushält.

Stellen Sie sich vor, Ihr Parteichef ruft Sie an und will Sie für die Bundesregierung haben. Mit welchem Ministerium könnte er sie nach Berlin locken?

Dieren Heute? Mit keinem. Mein politischer Anspruch ist es, Perspektiven für eine freiere und gerechtere Gesellschaft zu erarbeiten. Ich kann mir schwer vorstellen, wie das heute in einem Ministerium gelingen könnte.

Sie stammen aus einer politischen Familie. Wie groß war der Druck, ebenfalls politisch aktiv zu werden?

Borges Das ist korrekt. Mein Opa war bis zu seinem Tod Mitglied in der SPD und der IG Metall. Mein Vater ist bekanntermaßen Mitglied der FDP. Auf Familientreffen wurde deshalb viel über politische Themen diskutiert. Dadurch bin ich früh mit Politik in Kontakt gekommen. Druck gab es überhaupt nicht, mein Elternhaus ist schließlich liberal.

Welche politischen Ziele haben Sie sich persönlich gesetzt?

Borges Für mich ist es wichtig selbst zu entscheiden und nicht von älteren Menschen fremd bestimmt zu werden. Ich finde es wichtig, dass junge Menschen auch für junge Menschen Politik machen. Stichwort: Generationengerechtigkeit, oder lokale Themen wie Skaterpark oder Eishalle. Mein jetziges Ziel ist Mitglied eines kommunalen Parlaments zu werden.

Ergänzen sie den folgenden Satz: Es war ein Fehler der FDP, Jamaika platzen zu lassen, weil . . .

Borges . . .wir damit die Chance vertan haben häufig in der "Heute-Show" zu landen ;).

Ergänzen Sie den folgenden Satz: Die SPD sollte eine große Koalition eingehen, weil ..

Borges Das sollten die Mitglieder der SPD bitte selbst entscheiden, jedoch habe ich mich in den letzten Wochen enorm über die allgemein vorherrschende Meinung geärgert, die FDP würde ihrer staatspolitischer Verantwortung nicht nachkommen. Nein, wir sind nur unseren Prinzipien treu geblieben und haben aus den Fehlern der letzten schwarz-gelben Koalition gelernt. Wären wir in Koalitionsgespräche eingetreten und hätten eine Koalition gebildet, wäre uns von denselben Leuten, die uns jetzt mangelnde staatspolitische Verantwortung vorwerfen, vorgeworfen worden das "Fähnchen im Wind" zu sein. Die SPD ist ihrer Verantwortung genauso wenig nachgekommen, indem sie die Sondierungsgespräche im Vorhinein ausgeschlossen hat. Nichtsdestotrotz müssen wir jetzt nach vorne blicken und gegebenenfalls auch neue Wege gehen, Stichwort: Minderheitsregierung.

"Die Sozialdemokraten sagen: Der Staat soll alles regeln. Die Liberalen sagen: Der Staat soll nichts regeln." Inwieweit stimmt das?

Borges Dieser Satz stimmt nur zum Teil. Die FDP ist keine marktradikale Partei, die den Staat komplett abschaffen will. Die FDP setzt sich entschieden für den Rechtstaat ein. Natürlich ist es wichtig, dass jeder Mensch die Freiheit bekommt seine Angelegenheiten selbst zu regeln und nicht der Staat das alles übernimmt. Viele Dinge erledigen die Menschen selbst besser, individueller und vor allem effektiver. Aber auch die Mitglieder der SPD sind keine Kommunisten.

Stellen Sie sich vor, Ihr Parteichef ruft Sie an und will Sie für die Bundesregierung haben. Mit welchem Ministerium könnte er sie nach Berlin locken?

Borges Da die Jamaika-Sondierungen gescheitert sind, ist dieser Fall vorerst ausgeschlossen!

Quelle: RP
 
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