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Moers
Kaiser Wilhelm strahlt in Preußisch-Blau

Moers: Kaiser Wilhelm strahlt in Preußisch-Blau
Museumsleiterin Diana Finkele und Peter Boschheidgen, Vorsitzender des Grafschafter Museumsvereins, zeigen das mannshohe Gemälde von Wilhelm II. FOTO: Dieker, Klaus (kdi)
Moers. Mit Unterstützung des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins konnten wertvolle Gemälde und Porträts aus dem Museumsbestand restauriert werden: Restauratorin Ingrid Jansing-Perret verlieh den Bildern neuen Glanz. Von Anja Katzke

Wilhelm II. wirkt stattlich in seiner preußisch-blauen Uniform, Orden und Säbel blitzen wie blank poliert. Dass das mannshohe Gemälde des letzten deutschen Kaisers wieder in voller Pracht und all seinen Farben im Grafschafter Museum erstrahlt, ist der Restauratorin Ingrid Jansing-Perret zu verdanken. Mit dem erfahrenen Blick fürs Detail hat sie im Auftrag des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins das beeindruckende Gemälde sowie zwei Porträts aus der Familie von Jüchen restauriert.

Restauratorin Ingrid Jansing-Perret gab den beiden Porträts aus der Familie von Jüchen wieder neuen Glanz. FOTO: Klaus Dieker

Das Museumsteam um Leiterin Diana Finkele hatte 2009 vor der Sanierung des Schlosses alle Bilder im Bestand gesichtet und geprüft, welche von Expertenhand zu restaurieren sind, um sie langfristig für das Museum zu erhalten. Mit finanzieller Unterstützung des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins gelang die Sanierung der wertvollen Bilder in Etappen. Das Monumentalgemälde von Kaiser Wilhelm ist bereits in der aktuell laufenden Ausstellung über Kinderspielzeug im Kaiserreich zu sehen.

Das Gemälde entstand Anfang des 20. Jahrhunderts und hing zunächst im Alten Landratsamt. Dorthin soll es auch zurückkehren, wenn in dem Gebäude am Kastellplatz das seit langem geplante Museum realisiert ist, das Moerser Geschichte im 20. Jahrhundert erzählen soll. Der Maler des Kaiser-Bildes ist unbekannt. Die Porträts von Stanislaus von Jüchen sowie einer weiteren männlichen Person aus der Familie von Jüchen stammen aus der Zeit zwischen 1760 und 1780. Beide waren in Moers unter preußischer Herrschaft hohe Verwaltungsbeamte. "Sie waren Statthalter auf bestimmte Zeit", erklärt Peter Boschheidgen, Vorsitzender des Museums- und Geschichtsvereins.

Die Hochzeit der Familie von Jüchens in Moers war im 18. Jahrhundert. "1668 ist aber erstmals ein Bürgermeister von Jüchen nachweisbar. Im 18. Jahrhundert stellte die Familie mehrere Regierungsräte - preußische Spitzenbeamte. Am bekanntesten ist Conrad Theodor von Jüchen, der bis 1765 als Steuerrat ("Kriegs- und Domänenrat") fungierte", erläutert Diana Finkele, Leiterin des Grafschafter Museums. Der Maler war August Christian Hauck (1742 bis 1801). Die Gemälde hingen im Treppenhaus des Jüchischen Hauses, heute Peschkenhaus, und waren 1921 in die Sammlung des Museumsvereins gekommen. Alle Gemälde waren in einem mehr als schlechten Zustand, als sie in die Werkstatt der Moerser Restauratorin Ingrid Jansing-Perret kamen. Risse durchzogen die Bilder, Farbe war abgeblättert und die Firnisschicht stark vergilbt. "Und das Porträt von Stanislaus war vermutlich im 19. Jahrhundert schlecht restauriert und großflächig übermalt worden. Es gab viele Fehlstellen", berichtet Jansing-Perret. "Stanislaus wirkte maskenhaft, weshalb ich versucht habe, ihm dezent wieder ein Gesicht zu geben." Bei der Restaurierung gehe es immer darum, den Bildern wieder einen Odem einzuhauchen, ohne sie zu verfälschen. Ingrid Jansing-Perret arbeitete auch die Rahmen der Porträts auf. Auf Anregung des Grafschafter Museumsvereins wird Diana Finkele zu den Porträts eine Sonderpräsentation entwickeln - zumal die preußische Herrschaft in Moers, so Peter Boschheidgen, eine bislang wenig beleuchtete Epoche ist. Der Museumsverein hat sich 2015 finanziell stark für das Museum engagiert. Mit einem Betrag von 17.000 Euro konnten Luftbe- und Entfeuchter fürs Museum, Sammlungsstücke wie das Wimmenauer Gemälde angeschafft und die Restaurierung finanziert werden. Boschheidgen: "Wir haben diesen Aufwand guten Gewissens und in dem Bewusstsein tätigen können, dass die Mittel dem langfristigen Erhalt Grafschafter Kulturguts dienen."

Quelle: RP
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