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Moers
Kammerorchester ist Gewinn für die Stadt

Moers: Kammerorchester ist Gewinn für die Stadt
Das Niederrheinische Kammerorchester überzeugte mit tatkräftiger Unterstützung von 20 Düsseldorfer Bläsersolisten. Den ersten Teil des Abends belohnten die Zuhörer mit etlichen Bravi, der zweite Teil wurde mit verhaltenerem Applaus quittiert. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Mit einem gelungenem Konzert feierte das Niederrheinische Kammerorchester Moers im Kulturzentrum Rheinkamp am Wochenende seinen 50. Geburtstag. Zu hören waren Werke von Sergej Rachmaninow und Jean Sibelius. Von Petra Riederer-Sitte

Eigentlich war das Ensemble zu früh dran: Das Streichorchester wurde am 28. Oktober 1967 gegründet mit dem Ziel, "talentierten Schülerinnen und Schülern ebenso wie erwachsenen, erfahrenen Streichern eine attraktive Gelegenheit zum gemeinsamen Musizieren zu geben und zugleich das Moerser Kulturleben zu bereichern". Das Niederrheinische Kammerorchester Moers ist "ein Kammerorchester für die ganze Stadt. Es bildet eine Klammer zwischen Süd und Nord, zwischen West und Ost, zwischen Jung und Alt. NKM - das klingt wie eine Lotterie, dabei ist es aber ein Hauptgewinn für die Stadt", erklärte Bürgermeister Christoph Landscheidt in seiner Festansprache.

Wer im Programm des Jubiläumskonzerts Werke aus Barock und Klassik vermutete, wie etwa beim Konzert zum zehnjährigen Bestehen 1977 mit Musik von Bach, Haydn und Mozart, wurde überrascht, denn das Goldjubiläum präsentierte mit dem c-Moll-Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow und der D-Dur-Sinfonie op. 43 von Jean Sibelius zwei Meilensteine des spätromantischen Repertoires. Eine ambitionierte Werkauswahl für ein "Liebhaberorchester", das allerdings von rund 20 Düsseldorfer Bläsersolisten unterstützt wurde, die ein Drittel der Besetzung stellten.

Unverkennbar trug das Programm die Handschrift des Dirigenten Michael Preiser, der das NKM seit der Saison 2012/13 leitet und der sich nicht nur in Moers mit ungewöhnlichen Programmen einen Namen gemacht hat. Keine Überraschung war dagegen die Solistin des Konzerts. Zum Jubiläum hatte der NKM-Chef die Pianistin Hanna Shybayeva verpflichtet, die beim Frühjahrskonzert 2016 schon einmal mit dem Orchester aufgetreten war. Schade um die vertane Chance, einem Nachwuchstalent aus der Region eine Auftrittschance zu bieten, auch wenn die 1979 geborene Weißrussin mit ihrer ausgefeilten Technik, ihrer hohen Anschlagskultur und ihrer klanglichen Präzision das Rachmaninow-Werk erwartungsgemäß souverän bewältigte.

Im Auftaktstück, Sibelius' "Finlandia", hatte das NKM mit tatkräftiger Bläserunterstützung für einen dramatisch-zupackenden Einstieg von solider Klangqualität gesorgt. Dieser Elan prägte auch das Klavierkonzert, in dem das Orchester einen gut ausbalancierten, überzeugend fließenden und nie zu pathetischen Gegenpart zum hochvirtuosen Spiel der Solistin bot. Für diese grandiose gemeinsame Leistung gab es vom begeisterten Publikum jubelnden Applaus, Standing Ovations und etliche Bravi. Leider gelang es nach der Pause nicht wirklich, mit Sibelius' Sinfonie Nr. 2 an diese Feststimmung anzuknüpfen und sie zum krönenden Finale zu steigern. Trotz des frischen Spiels und einer klar konturierten Deutung konnte das Orchester keinen überzeugenden Bogen über die Kontraste der vier Sätze des fast einstündigen Werks und den "etwas zerrissenen und zerstückelten Gesamteindruck", den schon Sibelius' erster Biograf bemängelte, schlagen und das Publikum in einen Klangrausch mitnehmen. Der Beifall blieb diesmal deutlich verhaltener.

Quelle: RP
 
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