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Moers
Kammerorchester setzt reizvolle Kontraste

Moers: Kammerorchester setzt reizvolle Kontraste
Solo-Klarinettistin Sara Tavassoli mit dem Niederrheinischen Kammerorchester. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Souverän meistern die Musiker Werke von Mieczyslaw Weinberg und Ludwig van Beethoven im Kulturzentrum Rheinkamp. Von Jan Caspers

Beim traditionellen Herbstkonzert des Niederrheinischen Kammerorchesters Moers standen am Samstagabend im Kulturzentrum Rheinkamp Werke von Ludwig van Beethoven und Mieczyslaw Weinberg auf dem Programm. Unterstützt von den Düsseldorfer Bläsersolisten eröffnete das Kammerorchester unter der Leitung von Michael Preiser den Konzertabend mit Ludwig van Beethovens "Coriolan"-Ouvertüre. Beethoven schrieb die Ouvertüre im Jahre 1807 zum gleichnamigen Trauerspiel des Schriftstellers Heinrich Joseph von Collin. Die Hauptfigur des Dramas ist der römische Feldherr Coriolan, der sich mit den Feinden Roms verbündet, nachdem er aus der Stadt verbannt worden ist. Als seine Mutter und seine Frau ihm das Unrecht seines Handelns vor Augen führen, gibt Coriolan die Belagerung Roms schließlich auf und nimmt sich das Leben.

Einen deutlichen Kontrast zur dramatischen Ouvertüre Beethovens bot im Anschluss die "Kammersinfonie Nr. 4 op. 153 für Klarinette, Streicher und Triangel" von Mieczyslaw Weinberg. Der Komponist wurde 1919 als Sohn einer jüdischen Familie in Warschau geboren und floh 1939 nach dem deutschen Angriff auf Polen zunächst nach Minsk, wo er sein Studium in Klavier und Komposition beendete. Nach dem Vormarsch der deutschen Armee ging Mieczyslaw Weinberg nach Taschkent und kam 1943 nach Moskau.

Dort lernte er den russischen Komponisten Dimitri Schostakowitsch kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Weil seine Musik nicht den Vorstellungen des Stalin-Regimes entsprach, wurde Weinberg im Jahre 1953 inhaftiert und überlebte nur, weil Schostakowitsch sich in Bittbriefen sehr für ihn einsetzte und Stalin bereits kurz nach Beginn der Haft starb. Seine schrecklichen Lebenserfahrungen verarbeitete Mieczyslaw Weinberg, dessen Eltern und Schwester den Holocaust nicht überlebt hatten, in zahlreichen Kompositionen, ehe er im Jahre 1996 in Moskau verstarb.

Die "Kammersinfonie Nr. 4" ist seine letzte vollendete Komposition. Ihr liegt ein Text der chilenischen Dichterin Gabriela Mistral zugrunde. Die Sehnsucht nach Frieden und Freiheit im Angesicht des Leidens findet sich auch in der Kammersinfonie wieder. Gemeinsam mit der Solo-Klarinettistin Sara Tavassoli, die in Teheran geboren wurde und an der Folkwang-Hochschule in Essen, der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf und dem Orchesterzentrum NRW in Dortmund studiert hat, meisterte das Niederrheinische Kammerorchester Moers die überaus anspruchsvolle Kammersinfonie, in der sich spannungsgeladene Dissonanzen mit zarten Klezmer-Melodien abwechseln, souverän.

Nach einer kurzen Pause endete das Herbstkonzert schließlich mit der "Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67" von Ludwig van Beethoven. Mit ihrem drängenden Rhythmus und imposanten Blechbläser-Klängen bildete die Sinfonie ebenso wie die "Coriolan"-Ouvertüre einen abwechslungsreichen Kontrast zur schlanken und klaren Kammersinfonie Weinbergs und zudem einen stimmungsvollen Konzertabschluss.

Quelle: RP
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