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Serie Mein Stadtviertel
"Kamp ist mein persönliches Refugium"

Oh wie schön ist Kamp!
Oh wie schön ist Kamp! FOTO: Klaus Dieker
Moers. Vor 13 Jahren hat Ilona Haje ihr ganz persönliches Refugium auf dem Kamper Berg gefunden - allerdings über einen kleinen Umweg. In Rossenray aufgewachsen, zog sie zuerst nach Issum, dann nach Moers und Sevelen. Nirgendwo fühlte sie sich so wohl wie in ihrer Heimatstadt Kamp-Lintfort. Von Anja Katzke

Als sie sich zur Rückkehr entschloss, stand für sie fest, dass sie unbedingt in Kamp leben möchte. "Ich war aus beruflichen Gründen jeden Sommer hier und habe das Dorf und die Menschen kennen- und lieben gelernt", sagt Ilona Haje, die im Kulturbüro der Stadt Kamp-Lintfort beschäftigt ist. Dort betreut sie unter anderem das alle zwei Jahre stattfindende Freilichttheater Kamp. In der alten Kellnerei des Klosters Kamp fand sie auf dem Abteiplatz eine Wohnung, die sie später auch kaufte.

Kloster, Kirche, Kultur und Dorfgemeinschaft: "Ist es nicht schön, dort zu leben, wo andere ihre Freizeit verbringen?", schwärmt sie und räumt mit jeglichen Vorurteilen sofort auf. "Ich habe zuerst auch befürchtet, dass es auf dem Dorf eng wird und mich Klüngelkrams erwartet. Davon wurde ich aber schnell befreit." Die Nachbarschaft sei wie eine große Familie. "Es ist so schön. Man darf und kann alles und muss gar nichts." So seien in den Jahren dicke Freundschaften entstanden. "Sobald sich einer nach draußen setzt, kommen die anderen dazu." Und wer nicht in die Kirche gehe, werde nicht schief angesehen.

Dass sie mit ihrem Mann an einem geschichtsträchtigen Ort lebt, gefällt ihr umso mehr. Die Zisterzienser gründeten 1123 das Kloster auf dem Kamper Berg. "Klar, dass man sich an solch einem Ort ein wenig mehr mit seiner Geschichte befasst als in anderen Stadtteilen." Als spannend empfindet sie es, selbst in einem alten Haus zu leben. "Stellen Sie sich vor, wie viele Menschen hier gewohnt haben und was alles passiert sein kann." Die Alte Kellnerei sei die Finanzverwaltung der Zisterzienser gewesen. "Wann sie gebaut wurde, ist nicht genau zu datieren", sagt Ilona Haje, verweist aber auf den Querfurth-Stich von 1750, auf dem die Kellnerei eingetragen sei.

1126 Einwohner zählt Kamp mit Kamperbrück. Die Ortschaft selbst sei gerade dabei, sich zu erneuern - wie auch das Klostergebäude heute nicht mehr von Mönchen bewohnt wird, sondern ein Geistliches und Kulturelles Zentrum beherbergt. Auf dem Berg wohnten zwar noch viele der alteingesessenen Kamper. Es ziehen immer wieder auch Neue hinzu. "Darüber war ich selbst überrascht, als ich 2004 hierher gekommen bin", erzählt sie. Dass es in Kamp mal ein Kurzwarengeschäft und eine Postfiliale gab, weiß Ilona Haje vom Hörensagen. Sie fährt zum Einkaufen zur Moerser Straße West und in den Niersenbruch. "Ein Bäcker vor Ort wäre schön", sagt sie. Doch auch in dieser Frage hat die Nachbarschaft eine Lösung: "Wir haben untereinander einen Hol-und Bringdienst für Brötchen."

Das Dorf sei weltoffen, fast schon multikulti und trotz seiner langen Geschichte und Tradition sehr lebendig. "Der Wirt ist Grieche, der Pastor kommt aus Polen", berichtet Ilona Haje. "Und die St.-Josef-Bruderschaft organisiert jedes Jahr die Veranstaltung "Rock im Zelt". In ihrer freien Zeit genießt sie lange und ausgedehnte Spaziergänge mit Hovawart Carlotta. Ab und an steht im Sommer ein Besuch im Terrassengarten an, wenn eine neue Ausstellung in der Westlichen Orangerie gezeigt wird. Und zur nächsten Probe des Laientheaters "Bühne 69", in dem sie mitspielt, muss Ilona Haje nicht mit dem Auto fahren.

"Unser Probenraum befindet sich im alten Pfarrhaus." Nur wenige Schritte von ihrer Haustür entfernt. Hajes Liebeserklärung an Kamp lautet deshalb auch: "Hier bekommt man mich nicht mehr weg." Obwohl: Ein Umzug ist in Planung. "Wir ziehen in ein größeres Haus - aber nur ein paar Meter weiter."

Quelle: RP
 
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