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Serie Die Gesundmacher: Schmerztherapie
Keiner muss mehr Schmerzen leiden

Serie Die Gesundmacher: Schmerztherapie: Keiner muss mehr Schmerzen leiden
Dr. Burkhard Steege und Oberärztin Eva Hoffmann wissen, wie sie ihren Patienten die Schmerzen nehmen können. Dafür arbeiten sie eng zusammen. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Am Krankenhaus Bethanien weiß man, wie Schmerzen effektiv behandelt werden. Anästhesiechef Dr. Burkhard Steege hat ein Team von Schmerzexperten, die sich täglich um das Wohl der Patienten kümmern. Von Markus Plüm

Eva Hoffmann dürfte bei Patienten die beliebteste Ärztin im Krankenhaus Bethanien sein. Denn die Oberärztin der Klinik für Anästhesie ist auch Spezielle Schmerztherapeutin und weiß, wie man Schmerzen so effektiv lindert, dass man schneller nach Hause kann.

Gemeinsam mit einem Team aus auf die Schmerzbehandlung spezialisierten Fachpflegekräften, sogenannten Schmerzschwestern (Pain Nurse), mit der Physiotherapieabteilung und anderen Mitarbeitern führt sie in der Moerser Klinik einen sogenannten Akutschmerzdienst durch. "Wir fragen alle Patienten mindestens zweimal täglich nach ihrem Wohlbefinden und wollen wissen, ob sie Schmerzen haben. Wenn sie diese Frage mit ja beantworten, können wir schnell und wirkungsvoll gegensteuern." Anhand einer Skala ordnen die zu Behandelnden ihr eigenes Schmerzempfinden ein und das Schmerzteam sorgt dafür, dass eine schnelle, schmerzarme Rückkehr in den Alltag gelingt.

Davon profitierte auch Lukas Weber*. Der 31-jährige Düsseldorfer musste sich im Juli zwei kleineren Eingriffen an der Lunge unterziehen. "Eingriffe am Brustkorb stehen in der Schmerz-,Hitliste' von Operationen ganz oben, da auf den Innenseiten der Rippenbögen viele Nervenbahnen verlaufen. Da Narkoseart und Schmerztherapie sowie die Operationstechnik sich ergänzen, haben wir schon vorher genau mit unserem Patienten besprochen, wie wir die Schmerztherapie gestalten wollen", erläutert Dr. Eva Hoffmann. Die seit ein paar Monaten in Bethanien tätige Medizinerin ist eine erfahrene Schmerztherapeutin, an der Berliner Charité leitete sie die Schmerzambulanz und den Akutschmerzdienst. Kurz vor der Operation bekam Weber über einen Schmerzkatheter am Rücken eine örtliche Betäubung verabreicht. "Das war eigentlich nur ein kleiner Pieks", sagt der 31-Jährige.

Als nach der OP dann die Betäubung nachließ, sorgte der Schmerzkatheter dafür, dass der Patient fast keine Schmerzen spürte. "Direkt nach der OP habe ich mich ziemlich gut gefühlt und hatte auch überhaupt keine Übelkeit", erzählt Weber. Dr. Burkhard Steege, der Chefarzt der Anästhesie in Bethanien, kennt die Gründe: "Eine Narkose lässt sich heutzutage sehr elegant mit speziellen Computern steuern. Die moderne und sehr gut verträgliche Mischung aus Schmerz- und Narkosemitteln wird kontinuierlich über die Vene verabreicht, so dass im Zusammenspiel mit dem Schmerzkatheter sogar während der Operation schon einer Schmerzentstehung wirkungsvoll vorgebeugt werden kann." Die am Katheter angebrachte Schmerzpumpe steuert die Abgabe des Schmerzmittels dann nach einer Operation sehr exakt. Das senkt die Nebenwirkungen", erklärt Eva Hoffmann. Rund 1000 Mal im Jahr werde Bethanien-Patienten daher solche ein Schmerzkatheter gesetzt. Nach einem Eingriff deutlich weniger Schmerzen zu haben, beschleunigt die Genesung. Lukas Weber kann das bestätigen. Einen Tag nach dem ersten Eingriff konnte er bereits wieder über den Flur laufen. "Es war sehr angenehm, nicht ans Bett gebunden zu sein und sich frei bewegen zu können."

Er habe sich zudem "brav an den Physiotherapieplan gehalten", wie er sagt, und konnte rasch wieder in den normalen Alltag zurückkehren. Dr. Eva Hoffmann führt das auch auf die jüngere Forschung zurück: "Wir wissen heute, dass jeder Mensch individuelle Voraussetzungen für Schmerzempfindung und -verarbeitung mitbringt und Genmerkmale darüber entscheiden, wie gut Schmerzmedikamente wirken. Das hilft uns sehr, gut wirkende Mittel mit deutlich weniger Nebenwirkungen auszuwählen." Grundsätzlich gilt: Bei Schmerzen jeglicher Art kommt es darauf an, zügig mit der Schmerztherapie zu beginnen. "Akute Schmerzen können chronisch werden, wenn man sie nicht in den ersten 48 Stunden gut behandelt", sagt Dr. Hoffmann.

"Daher fordern wir unsere Patienten auch dazu auf, uns immer mitzuteilen, wenn sie Schmerzen haben, damit wir schnell gegensteuern können. Denn heutzutage muss man keine Schmerzen mehr erleiden", sagt die Schmerzspezialistin. Am liebsten seien ihr deswegen die Patienten, die sie bei ihrer Schmerzvisite erst gar nicht auf dem Zimmer antrifft: "Wer nicht mehr im Bett liegt und sich gut bewegen kann, hat auch keine Schmerzen. Und darum geht es bei unserer Arbeit schließlich."

(*Name von der Redaktion geändert)

Quelle: RP
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