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Moers
Kinder spüren dem "Junker Jörg" nach

Moers: Kinder spüren dem "Junker Jörg" nach
Kindgerecht wurde der Aufenthalt Martin Luthers auf der Wartburg in einem Stück für Kinder umgesetzt. Die Mädchen und Jungen kommen sowohl aus evangelischen wie katholischen Familien - ein schöner Beweis dafür, wie gut die Ökumene in Moers funktioniert. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Mädchen und Jungen im Alter von 8 bis 15 Jahren führten in der Stadtkirche ein Musical zum Lutherjahr auf. Von Ulrike Rauhut

Wer ist denn dieser seltsame Junker Jörg, den man mit einem Buch in der Hand wie ein Gespenst durch die Wartburg huschen sieht und sich so gar nicht wie ein echter Ritter benimmt? Die vier Mädchen Anna, Magdalena, Dorothea und Cecilia wollen unbedingt herausfinden, was es mit diesem Sonderling auf sich hat. Sie singen: "Irgendetwas ist komisch hier, irgendetwas stimmt hier nicht!"

Und was hat dieser Junker nur für merkwürdige Ansichten: Das Fegefeuer gibt es gar nicht, meint er, als es heißt, der arme Küchenjunge Wendel müsse wohl die Hölle fürchten, weil er eine Wurst gestohlen hat. Als Anna Cecilias geliebtes Heiligenbild fallen lässt, lernen die Mädchen von dem vermeintlichen Junker etwas sehr Wichtiges: "Ich verzeih dir, denn verzeihen tut gut!" Und was noch besser ist: Gott verzeiht den Menschen ihre Fehler, wenn sie sie bereuen. Das Fegefeuer muss keiner fürchten!

Der geheimnisvolle Gast ist keine geringer als Martin Luther, und die Mädchen lernen: Man braucht keinen Ablassbrief zu kaufen, um vor Gott gut dazustehen. "Gott verzeiht dir", das erfahren Wendel und Anna. Sie finden heraus, dass Luther daran arbeitet, die Bibel ins Deutsche zu übersetzen. Denn jeder soll ab jetzt die Bibel lesen und verstehen können.

"Die Bibel ist ein tolles Buch - schon ziemlich alt, aber sie gilt noch heute. Gott kommt uns ganz nah", singen die 15 Kinder auf der Bühne der Stadtkirche. Am Ende holt Luthers Beschützer Friedrich der Weise den Mönch zurück nach Wittenberg. Luther bedankt sich für den Schutz, den die Wartburg ihm geboten hat. Das Schlusslied ist eine swingende Version seines bekannten Liedes: "Wie eine feste Burg, so ist unser Gott für uns."

Die Jungen und Mädchen im Alter von 8 bis 15 Jahren spielen und singen das Musical "Das Geheimnis der Wartburg" von Henrike Thies-Gebauer gekonnt und mit viel Freude. Viel Text war auswendig zu lernen, die Lieder und Soli mussten einstudiert werden. Deshalb war es gut, dass sich die 15 Kinder ein halbes Jahr lang jeden Donnerstag getroffen haben, um zu üben.

Helga Velling hat Regie geführt und beim Basteln der Kostüme und der Kulissen ihre ganze Familie eingespannt. Seit zehn Jahren ist sie schon dabei und stolz auf ein Stück echter Ökumene in Moers. Denn die Musicalprojekte werden mit den Kinderchören der evangelischen und der katholischen Gemeinde einstudiert, die sich wie ein einziger Chor fühlen. "Die Kinder wissen gar nicht, wer welche Konfession hat", so Velling, die ehrenamtlich arbeitet und sich freut, wie die Kinder von Jahr zu Jahr mutiger werden. "Viele sind schon seit mehreren Jahren dabei. Es ist schon ein Ansporn, nach einigen Jahren eine Solistenrolle zu bekommen."

Bjarne Nies, der die Rolle des Martin Luther spielt, ist schon ein alter Hase. Aber auch Anna Schliekmann als Küchenjunge Wendel bekommt viel Applaus für ihren Solopart. Eine tolle Sache, dass sich auch die katholische St.-Josef-Gemeinde auf das Thema Reformation im Lutherjahr eingelassen hat, findet auch der Kantor der Stadtkirche, Axel Berchem. Er hat zusammen mit seinem katholischen Kollegen Boris Berns die musikalische Leitung inne.

Nach der gelungenen Premiere wird das Stück am 12. November um 15 Uhr noch einmal in der St.-Josef-Kirche aufgeführt. Mit den eingängigen Liedern und der kurzweiligen Handlung bekommen hier Große und Kleine, Evangelische und Katholische einen unterhaltsamen Einblick in die wichtigsten Botschaften Martin Luthers.

Quelle: RP
 
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