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Moers
Kirche wird Archiv

Moers: Kirche wird Archiv
FOTO: Klaus Dieker
Moers. Die Arbeiten in der Johanneskirche gehen mit Riesenschritten voran. Die Landeskirche baut das ehemalige Gotteshaus zu einem Archiv um. Von Yannic Kascholke

"Der Abschied fiel schwer, aber wir sind froh, dass unsere Kirche erhalten bleibt und eine sinnvolle Nachnutzung gefunden wurde.", sagt die sichtlich bewegte Pfarrerin der Johanneskirche an der Bismarckstraße, Barbara Weynand gestern. In den kommenden Wochen wird ein Teil des Archives der evangelischen Kirche im Rheinland in das ehemalige Gotteshaus einziehen. "Wir haben uns bewusst zu diesem Schritt entschlossen.", sagt Gudrun Gotthardt, stellvertretende Leiterin der Abteilung Finanzen und Vermögen der Kirche. "Es wäre natürlich einfacher gewesen, ein neues Gebäude auf einer grünen Wiese zu errichten. Die Sanierung eines Altbaus ist selbstverständlich immer mit Risiken verbunden. Aber wir wollen so die Symbolkraft der Kirche erhalten." Mehr als 1,3 Millionen Euro kostet das Projekt, aktuell wird in dem Bau die Deckendämmung installiert. "Danach werden die Regale kommen", erklärt der Direktor des Archives, Dr. Stefan Flesch. Insgesamt werde die 220.000 Euro teure Regalanlage aus Stahl rund 1200 Quadratmeter Nutzfläche haben.

Notwendig wurde die Maßnahme, da die Hauptstelle in Düsseldorf "aus alles Nähten platzt", wie Flesch erklärt. Neben der Hauptstelle in Düsseldorf unterhält das Landesarchiv noch eine weitere Außenstelle in Boppard in Rheinland-Pfalz, die für den Südteil der Landeskirche zuständig sei. Im ersten Schritt werde es nun darum gehen, das Archiv nach Fertigstellung zu einem Drittel zu befüllen. 150 Archivbestände aus dem 19. und 20. Jahrhundert werden ihren Weg an den Niederrhein finden. Der Rest der Fläche sei als weiterer Stauraum für die nächsten 20 bis 25 Jahre geplant. "Bei kompletter Auslastung wird der Standort in der Grafenstadt der größte der drei Archivstellen sein. Aneinandergereiht sprechen wir von einem Regalstauraum von sieben Kilometern in der Landeshauptstadt, anderthalb Kilometern in Boppard und acht Kilometern in Moers.", erklärt Flesch. Trotz der fortschreitenden Digitalisierung setzte die Landeskirche weiterhin auf Papierform. "Anders ist das rein wirtschaftlich auch nicht tragbar. Wir haben aber bereits einige sehr alte Stücke digitalisiert."

Auf die Frage, warum sich die evangelische Kirche den Standort in Meerbeck ausgesucht hat, antwortet Gotthardt pragmatisch: "Wir haben uns natürlich auch andere ehemalige Kirchen angesehen. Ein wesentliches Kriterium war die Nähe zu Düsseldorf, unserem Hauptstandort. Darüber hinaus hat Moers den Zuschlag erhalten, weil das Gebäude durch das Raumvolumen den meisten Platz bietet."

Seit dem Erntedankfest 1964 war die Johanneskirche Zentrum des Gemeindelebens in Meerbeck. Im Januar 2015 wurde hier der letzte Gottesdienst gefeiert. Seit einem Jahr sei man im Gemeindehaus auf der anderen Straßenseite. "Wie bereits von 1952 bis 1964.", sagt Pfarrerin Weynand. "Wir haben uns diesen Schritt damals nicht leicht gemacht. Aber aufgrund von stetig zurückgehenden Teilnehmerzahlen war die 500 Menschen Platz bietende Kirche zu groß geworden. Dazu wurde eine Energiesanierung nötig. Das konnten wir nicht mehr leisten." Die Gemeinde sei früh in die Überlegungen mit eingebunden worden. Weynand: "Natürlich waren die Mitglieder nicht glücklich über diesen Schritt, konnten ihn aber nachvollziehen. Einige von ihnen haben sogar bereits an den Gottesdiensten vor 50 Jahren im Gemeindehaus teilgenommen." Die evangelische Gemeinde Meerbeck hat 2200 Mitglieder.

Quelle: RP
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